Was bedeutet “Populismus” eigentlich? Ist es eine Beleidigung für Politiker oder Personen, mit denen wir nicht einverstanden sind? Oder gehört er zum politischen Prozess dazu?

Demokratie ist mehr als nur der Wille der Mehrheit. Demokratie basiert auf zwei Säulen: Die Säule des Volkes und die Säule der Verfassung. Ohne eine verfassungsrechtliche Kontrolle der Machtverhältnisse, drohen Minderheiten überrollt zu werden. Verfassungen legen die „Spielregeln“ fest, in denen die Volkspolitik dann wirken kann, um Tyrannei (auch durch mehrheitliche Tyrannei) zu verhindern. Einige argumentieren jedoch, dass die verfassungsrechtliche Kontrolle der Macht des Volkes zu weit gegangen ist, und dass es an der Zeit ist, dass sich die Volkspolitik erneut durchsetzt.

Was sagen unsere Leser? Für George ist Populismus “das Fundament der Demokratie”. Ist Georges Definition richtig?

Das haben wir den Professor für Politik der Sussex Universität Paul Taggart gefragt. Stimmt er George zu? Wie definiert er Populismus?

Für eine weitere Perspektive haben wir die gleiche Frage Peter Lundgren gestellt, einem Europaparlamentsabgeordneten der schwedischen Anti-Migrations-Partei Sweden Democrats, die als rechtspopulistisch eingestuft wird. Was sagt er dazu?

Nun, Populismus ist für mich vor allem ein Wort, das [meine] politischen Gegner benutzen. Wenn Sie sich die Situation in der Europäischen Union anschauen, sind es nicht die populistischen Parteien, die die Europäischen Union an diesen Punkt gebracht haben, an dem sie sich befindet. Die großen Probleme, die anstehen. Das waren die sogenannten „etablierten“ Parteien, die der Europäischen Union immer mehr Macht zuordnen.

Ich fühle mich eher geschmeichelt, wenn sie mich einen Populisten nennen, denn das zeigt, dass ich die Macht habe, etwas zu ändern. Ich möchte nicht wie ein Schaf blind den anderen folgen. Ich habe als Politiker einen konkreten Willen, das derzeitige Erscheinungsbild Europas zu ändern. Ich möchte ein Europa, in dem souveräne Mitgliedstaaten zusammenarbeiten, wir Handel betreiben und gute Beziehungen miteinander pflegen.

Für mich bedeutet Multikultur, die nationalen Souveränitäten zu behalten, denn jedes Land hat seinen eigenen Charakter und Kultur, die es besonders macht. Ich möchte nicht, dass 27 Mitgliedstaaten (nach dem Ausscheiden Großbritanniens) sich genau gleich entwickeln.

Was ist Populismus? Ist es „das Fundament der Demokratie“? Schreib uns deine Meinung!

Foto: (c) BigStock – TeroVesalainen 
Portrait: Lundgren (cc) Frankie Fouganthin


15 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst du?

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    Matze

    Im heutigen politischen Alltag ist „Populismus“ ein leerer Kampfbegriff – ähnlich dem „Faschismus“ der frühen 30er Jahre, unter dem die Kommunisten auch die deutschen Sozialdemokraten subsumierten.
    Er hat lediglich den Zweck politische Standpunkte zu tabuisieren….und mit ihnen die stellvertretenden politischen Lager/Parteien.

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    Hermann

    Populismus ist ein Kunstbegriff.
    Bedeutung früher: Bestrebung, das Leben des einfachen Volkes in natürlichem realististischem Stil ohne idealisierende Verzerrungen zu schildern.
    Bedeutung heute: Von Opportonismus geprägte, oft demagogische Darstellung, die das Ziel hat, durch Dramatisierung der Lage die Gunst der Massen zu gewinnen.
    Fällt jemandem die Umkehrung der Bedeutung auf? Das untere ist Neusprech.

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    Daniel Fechner

    Für mich ist Populismus, die Annahme einer populären Meinung (einer Zielgruppe) mit dem Hintergedanken, dies nur zu nennen um die Stimmen zu erhalten, sprich ohne dies umsetzen zu wollen oder zu könne.
    Wenn man es nicht umsetzen kann und dies vorher nicht wusste, beispielsweise wenn Informationen nicht bekannt waren oder sich die Grundlage ändert, würde ich nicht von Populismus sprechen.

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    Tom

    Populismus ist ein Kommunikations-Trick, ein Framing, das man zusätzlich mit einer negativen emotionalen Stimmung belegen möchte. So muß man nicht auf konkrete Punkte eingehen sondern subsummiert und trivialisiert alles unter Populismus.

    Parteien sind in ihrem Grundsatz gefangen und haben eine fehlende Anpassbarkeit in einer Welt die sich kontinuierlich wandelt.

    Diese Parteien stehen im Konflikt mit anderen Parteien die natürgemäß an ihre Stelle drängen wollen.
    Diese Parteien erfassen die Bürger genauer, denn sie sind auf Resonanz angewiesen. Taktisch verfolgend sie diese Punkte dann stingent.

    Die etablierten Parteien können sich nicht anpassen und verteidigen sich mit Stereotypen und eben dem Kommunikationstrick Populismus als Abwehrstrategie

    Gewinnen können die Populismusrufer nicht. Dazu sind zuviele Menschen zu informiert und gebildet.
    Er erscheinen als unehrlich, weil sie der Konfrontation ausweichen.

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    Conny

    Populismus wird als Diffamierung von Regierung benutzt

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    Marcel

    Populismus dient dem Machterhalt oder dem Machterwerb. Dumpfe Stimmungen oder reale Ängste werden aufgegriffen, nicht um Lösungen oder neue Sicherheiten zu bieten, sondern antiaufklärerisch diese zu nutzen, um Menschen machtpolitisch an sich zu binden. Der Populismus ist also eine Art „umgekehrte Psychoanalyse“, Ängste werden verstärkt, anstatt dass sie aufgegriffen und gelöst werden.

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    Stefan

    Populismus ist ein anderes Wort für Faschismus, Rechtspopulismus ein anderes Wort für 💩, eigentlich müsste man mal die ganzen Medieninhalte, die die beiden Begriffe enthalten, so abändern, dass die wirklichen Begriffe zum Vorschein kommen!!!

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      Herrmann

      Stefan Also ist nach deiner Überzeugung jeder, der populistisch handelt, ein Faschist?

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      Stefan

      Hermann Letztlich ist es dasselbe. Meiner Meinung nach sollten zuerst die Rotfaschisten (Linkspopulisten) verschwinden,damit das lachende S von der ❤️SPD❤️ wieder Kanzler stellen kann. Dann kann die AfD ja mal als „rechtspopulistische“ Partei schauen, wie sie dann damit klarkommt!!!

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      Stefan

      Hermann Letztlich ist es dasselbe. Meiner Meinung nach sollten zuerst die Rotfaschisten (Linkspopulisten) verschwinden,damit das lachende S von der ❤️SPD wieder Kanzler stellen kann. Dann kann die AfD ja mal als „rechtspopulistische“ Partei schauen, wie sie dann damit klarkommt!!!

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    Thomas

    Populismus ist ein Kommunikationstrick – Framing
    Zur Verstärkung wird der emotional negativ belegt
    Die etablierten bzw. regierenden Parteien besitzen durch ihre Grundsätze keine Beweglichkeit. Beweglichkeit die in einer sich permanent ändernden Welt bräuchten.
    Die Newcomer, welche die obigen verdrängen möchten, hören genauer hin was die Bürger beschäftigt. Darauf gehen sie ein und formen daraus ihre Kommunikationsstratgie.
    Zur Abwehr wird von den Verteidigern alles unter Populismus subsummiert. Eine Auseinandersetzung vermieden.
    Ich denke, die Bürger sind viel zu gut informiert, als daß sie auf den Abwehrtrick hineinfallen.
    Ich bin überzeugt die Etablierten verlieren wenn Sie unbeweglich sind – Verbindlichkeit vorausgesetzt

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    Phillip

    Menschen wollen verarscht werden. Populismus gibt den Menschen, was sie wollen.

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    Rachelle

    Viel spannender ist, was Populismus im antiken Griechenland bedeutet hat

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    Kasra

    Populismus ist ein Werkzeug wie Verschwörungstheorie, Antisemit etc.. Um Meinungen anderer abzuwerten und mit einem negativen konsens zu versehen, damit 1) man seine Meinung nicht kundtut um sich nicht negativ darzustellen und 2) die Meinung erst gar nicht gehört wird, da ein Leser dem jenigen der durch die Presse „populist“ bezeichnet wird gar keine Beachtung schenkt da dieser bereits einen negativen Stigma hat. Diese Wörter werden in den Medien oft missbraucht zu diesem Zweck.. Zb. Wer die israelische Regierung und Regierungsform kritisiert ist ein Antisemit auch wenn er selber sogar Jude ist oder der friedensforscher und Historiker Dr. Ganzer wird als verschworumgtheoretiker betitelt obwohl er sich nur die Frage stellt warum das wtc7 eingestürzt ist und warum es dazu keine Stellungnahme gab im. 911 Bericht. Eine sehr starke Waffe die man einsetzen kann um Meinungen anderer im. Keim ersticken zu lassen

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    Raphael

    Es ist wieder einmal eine Instrumentalisierung die mit der eigentlichen Bedeutung des Wortes nichts zu tun hat.

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