Sollten wir alle weniger Schinken essen? Wäre es für die Umwelt, die Gesundheit und für das Wohl der Tiere besser, wenn Europäer weniger Würste essen würden? Im November 2018 veröffentlichten Forscher der Universität Oxford eine Studie, in der die Auswirkungen einer Steuer auf rotes und verarbeitetes Fleisch untersucht wurden. Es ist bereits üblich, dass Regierungen schädliche Produkte besteuern, um den Konsum, einschließlich Alkohol, Tabak und zuletzt Zucker, zu reduzieren. Soll Fleisch zu dieser Liste hinzugefügt werden?

Was sagen unsere Leser? Daniel unterstützt die Idee einer Fleischsteuer als Instrument, um den Konsum zu reduzieren. Ist das ein guter Ansatz? Welche Konsequenzen hätte dies in der Praxis?

Wir haben Dr. Marco Springmann, James Martin Fellow an der Universität Oxford gefragt, der eine Studie über die Auswirkungen einer Steuer auf rotes und verarbeitetes Fleisch angefertigt hat. Was sagt er zu Daniel?

Es gibt viele Gründe dafür, warum jemand eine Fleischsteuer befürworten würde. Ein Grund ist, dass die Tierhaltung und Tierproduktion im Allgemeinen einen Großteil der durch Lebensmittelproduktion generierten Treibhausgasemissionen ausmacht und 14-15 Prozent vom gesamten Treibhausgasvolumen ausmacht. Das ist ein riesiger Batzen. Schätzungen zufolge besteht eine sehr geringe Chance, dass wir eine Klimakrise in Zukunft verhindern können, wenn wir den Konsum tierischer Produkte nicht deutlich reduzieren.

Andererseits sind rotes Fleisch und verarbeitetes Fleisch für viele ernährungsbedingte chronische Krankheiten verantwortlich. Ende 2015 wurde verarbeitetes Fleisch als Karzinogen (krebserregend) eingestuft und rotes Fleisch als wahrscheinlich krebserregend. Dies beruhte auf recht starken mechanistischen Beweisen, wie rotes und verarbeitetes Fleisch zu Krebs, insbesondere Darmkrebs, führt. Wenn etwas als „krebserregend“ deklariert wird, sollte die Regierung einspringen und Regeln schaffen, um ihre Bürger zu schützen, das gilt für Asbest wie für Tabak.

In beiden Fällen würde eine Fleischsteuer das Problem adressieren. In Hinblick auf den Klimawandel würde eine Fleischsteuer die Nachfrage senken, zumindest wenn wir an das ökonomische Prinzip glauben, dass der Verbraucher weniger Dinge konsumiert, sobald diese teurer werden. Gleiches gilt für den Gesundheitsaspekt…tatsächlich sind viele Dinge, wie Geflügelfleisch oder pflanzlich-basiertes Protein in Bohnen, Linsen oder Nüssen viel gesünder. Mit der Einführung einer Fleischsteuer könnte man also sowohl den Klimawandel als auch den Gesundheitsaspekt angehen.

Für eine weitere Perspektive haben wir die Frage auch Jean-Luc Mériaux, Generalsekretär der Europäischen Vieh- und Fleischhandelsunion (UECBV) gestellt. Was sagt er dazu?

Meine Antwort ist natürlich: Nein! Das ist überhaupt keine gute Idee. Erstens, wenn wir Fleisch auf der Basis des Umweltschutzes oder der Gesundheit besteuern, deklarieren wir Fleisch als ein gefährliches Gut. Es gibt viele Studien heutzutage, die das Gegenteil beweisen; Fleisch gehört zu einer ausgewogenen Ernährung dazu; hauptsächlich dank der natürlichen Nährstoffe, die im Fleisch enthalten sind. In unserem Nahrungsmittelsystem ist es sehr schwierig, ein Nahrungsmittel zu finden, das so viele natürliche Nährstoffe besitzt. Es ist nicht nur eine Frage der Quantität, es ist auch eine Frage der Qualität.

Wenn Sie zum Beispiel 100 Gramm Rindfleisch essen, erhalten Sie 1 Gramm Eisen, welches für die Gesundheit wichtig ist. Um die gleiche Menge Eisen aus einem Pflanzenbasierten Nahrungsmittel wie beispielsweise Spina zu erhalten, müssen Sie 1,2 Kilo essen. Im letzten Jahr hat eine Studie gezeigt, dass der Konsum von Fleisch und Milchprodukten die Exposition gegenüber einigen Krankheiten um mindestens 20% reduziert. Darum finde ich, es wäre unfair, Fleisch aufgrund von Umweltschutz oder Gesundheitsaspekten zu besteuern.

Zweitens, welche Erfahrungen haben wir mit Steuern gemacht? Dänemark hat im Jahr 2011 eine sogenannten “Fettsteuer” eingeführt. Und was hat Dänemark ein Jahr später getan? Das Land hat die Steuer wieder aufgehoben. Und warum? Weil es ein hoher administrativer Aufwand war und die Nachfrage in Dänemark sank und die Leute in Nachbarländer fuhren, um dort einzukaufen. Es gab keinen Beweis dafür, dass die Fettsteuer zur öffentlichen Gesundheit beigetragen hätte. Deshalb hat Dänemark beschlossen die Steuer aufzuheben.

Drittens, wenn wir eine Steuer einführen, wer wäre das erste Steueropfer? Die schwächsten Verbraucher. Das bedeutet vielleicht diejenigen, die mehr Nährstoffe benötigen, wie Fleisch…

Sollte es eine Fleischsteuer geben? Wäre das ein gutes Instrument, um Gesundheitsprobleme und Umweltschutz anzugehen? Oder würde es in der Praxis nicht zu dem gewünschten Effekt führen? Was ist deine Meinung?

Foto: (cc) Flickr – Jessica and Lon Binder 
Portrait: Mériaux (c) -UECBV, Springmann (c) – Marco Springmann


17 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst du?

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    Bernd Jürgen

    Habt ihr noch alle Latten am Zahn ? Demnächst gibt es noch eine Steuer für Furzen !!!

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    Raziel

    Die Idee klingt erstmal sehr interessant, aber ist dann doch zu kurz gedacht.
    Es würde dann einfach vom Ausland importiert, noch schlimmer gepannscht oder getrickst.
    Eher wären Zölle bei Einfuhr von Tieren nötig und weit strengere, bzw. unabhängigere Kontrollen der Farm/ Schlachtbetriebe nötig.
    Ein steuerliches benachteiligen der Verbraucher ist allgemein eine dumme Idee!
    Vielmehr müsse an großen Investoren/ Konzernen ran gegangen werden.
    Kleine Betriebe wären dadurch konnkurrenzfähiger.
    Als ökonomischer Folge würden Preise für Fleisch steigen.
    Allerdings auch zwangsläufig die Qualität der Haltung und die Masse dieser würde sinken.
    (zumindest in Deutschland)

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    Ralf

    Was wir tatsächlich brauchen ist einen Umbau der Mehrwehrtsteuer. Nur Produkte, die umweltverträglich hergestellt werden, dürften mit reduziertem Satz besteuert werden. So herum gesehen ist das eine durchaus vernünftige Idee.

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    Kuhni

    Eine Steuer auf Dummheit und Lethargie müsste in Deutschland wohl eine der besten Einnahmequellen sein, die man sich nur vorstellen kann!

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    Peter

    Einfach den normalen Mehrwertsteuersatz anwenden.

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    Lukas

    Fleischkonsum belastet die Umwelt mindestens genau so stark wie Autofahren, wahrscheinlich aber um ein Vielfaches mehr. Dies nicht extra zu besteuern, um es zu reduzieren und mit dem Geld zu versuchen an anderer Stelle etwas auszugleichen ist gegenüber unseren Kindern kaum zu verantworten.

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    Conny

    Alleine die Idee ist einfach falsch

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    Markus

    Nein! Man muss die Steuer für Unternehmer und Verbraucher dort reduzieren, wo um im Sinne der Umwelt gehandelt wird. Das wäre richtig.

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    Esra

    Wann ein Fleischsteuer gemacht wird, dann muss ein Bio – Lebensmittel Steuer auch gemacht. Bio ist auch nicht umweltfreundlich.
    Viel besser wäre einfach ein CO2 Steuer.

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    Tino

    Was wird dann aus dem Presskuchen, der bei der Herstellung von Biosprit entsteht? Heute ist das Tierfutter… Bei der Jerstellung von Biosprit entsteht immer 2/3 Presskuchen und 1/3 Sprit.

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    Wilfried

    Auch dieses Geld würde zweckentfremdet verwendet wie alle Strafsteuern,

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    Simone

    Die Weisen haben mal gesagt: „taxation is theft“

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    Ursula

    Wir brauchen für alles eine Steuer

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    Hans

    Welch ein Frage, bei jährlich 60millionen in D geschlechteter Schweine und ca 130000 Rinder.
    .
    Der Deutsche ein Tiefreund, ein Märchen und schlechte Folklore dazu.

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    Bjonam

    Wäre ein guter Ansatz, wenn damit die durch Fleisch verursachten Probleme kompensiert würden. Damit der Verbraucher auch für den Schaden zählt den er Verursacht analog CO2 Steuer.

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    Heinrich

    Klar, und Löwen Gras, Aligatoren Obst und Tieger Gemüse.😂🙃👎

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