Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt düstere Zeiten für die Weltwirtschaft voraus. Der drohende Handelskrieg zwischen den USA und China, das Risiko eines „No Deal“-Brexits und die generelle internationale politische Lage verunsichern die IWF-Ökonomen. In Europa lassen die jüngsten Zahlen zur Wirtschaftsleistung Deutschlands manche fürchten, dass die größte Volkswirtschaft der EU in die Rezession gehen könnte. Inzwischen hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Stütze der quantitativen Lockerung zurückgezogen. Sind die verschiedenen strukturellen Probleme und Widersprüche des Euro seit der Krise in der Eurozone beseitigt worden? Sollte die Weltwirtschaft ins Rudern geraten, könnten die Probleme der Einheitswährung wieder aufflammen?

Was sagen unsere Leser? Bob argumentiert, dass die Länder der Eurozone zu verschieden sind, als das seine gemeinsame Währung funktionieren könnte. Er sagt, normalerweise würde eine ungesunde Wirtschaft den Wert ihrer Währung entsprechend ihrer wirtschaftlichen Position herabsetzen. Aber da der Euro von fast allen EU-Mitgliedstaaten verwendet wird, ist der Wert der Währung von allen Volkswirtschaften abhängig und kann nicht abgewertet werden. Ein künstlicher Prozess einer quantitativen Lockerung hält die Währung stabil.

Wir haben den Blogger, Journalisten und Fellow am neoliberalen Adam Smith Institute Tim Worstall gefragt. Was sagt er dazu?

Das stimmt, aber tatsächlich ist es noch viel schlimmer. Eine gemeinsame Währung bedeutet definitionsgemäß eine gemeinsame Finanzpolitik. Die einzelnen Volkswirtschaften der Mitglieder der Eurozone sind sehr unterschiedlich, sie reagieren unterschiedlich auf externe Impulse. Das versteht man unter einem „optimalen Währungsraum“, aber die Eurozone ist keiner.

Während man zum Beispiel in Deutschland weitgehend festverzinsliche Hypotheken hat, wird in Großbritannien weitgehend variabel verzinst. Eine Änderung der Zinssätze wirkt sich sofort auf alle britischen Hypotheken aus; sie betrifft deutsche Hypotheken, aber nur, wenn diese neu abgeschlossen werden. Somit ist die britische Wirtschaft viel empfindlicher gegenüber einer Zinsänderung als die deutsche – dies ist einer der Gründe, die Gordon Brown für den Nicht-Euro-Beitritt angegeben hat. Dieser Unterschied hat den irischen und spanischen Immobilienboom ausgelöst – Deutschland brauchte niedrige Zinssätze im Zusammenhang mit der Einführung des Euro, diese beiden Länder jedoch nicht. Aus dieser Nicht-Optimalität des Währungsraums ging der spätere Zusammenbruch in diesen beiden Ländern hervor.

Für eine weitere Perspektive haben wir Jeromin Zettelmeyer befragt, Senior Fellow am Peterson Institute for International Economics und ehemaliger Generaldirektor für Wirtschaftspolitik beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Was sagt er zu Bob?

Ich stimme Bob zu. Wenn Staaten eine Währungsunion bilden, verlieren sie ein gewisses Maß an Flexibilität, um mit diesen Unterschieden fertig zu werden, das stimmt definitiv. Nun stellt sich die Frage, ob dies die Vorteile einer Währungsunion mehr als wettmacht. Die gleiche Währung zu haben, ist gut für den Handel, und durch die Mitgliedschaft in einer Währungsunion profitieren die verschiedenen Mitglieder von einer hochqualitativen Institution, der Europäischen Zentralbank, die glaubwürdig ist und im Laufe der Zeit niedrigere Realzinsen erzielen wird als es die meisten anderen Mitglieder alleine je könnten.

Nichtsdestotrotz verstehe ich Bobs Argument. Um mit diesen Unterschieden umgehen zu können, die im Allgemeinen zu Wechselkursschwankungen geführt hätten, benötigen Sie also ein gewisses Maß an Flexibilität in der Währungsunion. Die Flexibilität der Realwirtschaft, die Lohn- und Preisänderungen erfordert, und auch eine Steuerpolitik auf nationaler Ebene, die sicherstellen kann, dass Diskrepanzen zwischen den Konjunkturzyklen verschiedener Länder, die normalerweise von den nationalen Zentralbanken gehändelt werden, behandelt werden von der Steuerpolitik. Und wir hatten Probleme mit beiden im Euroraum, und ein Teil des Reformprojekts für den Euroraum betrifft die Bewältigung dieser Probleme. Insbesondere hier unterscheiden sich die Ansichten, indem entweder die Fähigkeit der nationalen Finanzpolitik wiederhergestellt wird, mit diesen Unterschieden zwischen den Ländern umzugehen (es gibt also eine konservative Agenda, die besagt, dass die Länder den fiskalischen Spielraum wiedergewinnen müssen, damit sie dies tun können, jeder für sich selbst) ) oder durch die Schaffung eines fiskalischen Mechanismus, der in Stresssituationen Ressourcen aus den stärkeren in die schwächeren Länder transferieren kann, und umgekehrt, wenn die anderen Länder in Stress geraten, so dass es sich nicht um einen dauerhaften Transfer handeln muss.

Ein weiterer Kommentar kommt von unserem Leser Protesilaos, der sagt, ein Austritt aus der Einheitswährung Euro ist nicht möglich. Das erste Land, dass austritt, würde eine Kettenreaktion im Bankensektor auslösen, was dazu führen würde, dass Privatbanken und andere Unternehmen wie [Dominosteine] umfallen würden. Es würde Spekulationen darüber geben, welches Land als nächstes austreten würde. Es gäbe einen immensen spekulativen Druck, der letztendlich mehr Länder zum Austritt drängen würde, bis die Währungsunion zusammenbräche und Chaos hinterließe.

Was sagt Tim Worstall dazu?

Ja, ein Austritt wäre sehr schwierig. Nicht unmöglich, aber sehr schmerzhaft. Griechenland hätte austreten sollen, da das Bankensystem bereits am Ende war und die Verluste bereits verursacht wurden. Hätte Athen das getan, was Island tat; Erklärung der Zahlungsunfähigkeit und Abwertung der neuen Drachme, dann wären die Verluste nicht noch schlimmer geworden. Aber die Krise wäre jetzt vorüber und in der Vergangenheit – so wie in Island.

Und was sagt Jeromin Zettelmeyer?

Grundsätzlich stimme ich Protesilaos zu. Sollte ein Land aus dem Euro austreten, würde das enormen Stress verursachen, für das Land selbst wie auch für andere Mitgliedstaaten, welche als weitere Kandidaten abgestempelt werden könnten, die aus ähnlichen Gründen austreten wollen würden. Es ist also eine sehr entmutigende und gefährliche Angelegenheit, wenn der Euro zerfällt. Sollte dies dennoch passieren, würde es offensichtlich eine politische Reaktion geben, die den Schaden minimieren würde. Trotzdem ist es völliges Neuland und meiner Meinung nach etwas, das verhindert werden muss.

Sollten wir den Euro aufgeben? Ist es überhaupt möglich, die Einheitswährung einfach so abzusetzen oder wären die wirtschaftlichen Auswirkungen zu schmerzhaft? Was ist eure Meinung?

Foto: (c) BigStock – ilolab 
Portrait: Jeromin Zettelmeyer (c) Peterson Institute for International Economics


24 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst du?

  1. avatar
    Gerhard-Egon

    Bisher hat eine Mehrheit der EU-Bürger von der EU profitiert. Auch jene die es nicht zugeben wollen. Das die „sozialen Belange“ künftig ein Schwerpunkt sein müssen, ist unstreitig. Daran kann die EU aber auch zerbrechen.Wer leichtfertig das bisher Erreichte auf’s Spiel setzen will, handelt unverantwortlich.Strukturelle Probleme rechtfertigen Reformen, nie einen Austritt, denn dadurch würden alle verlieren!

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      Gustav

      Gerhard-Egon profitiert hat nur eine gewisse Klientel der „Otto Normalbürger“ gehört zu den Verlierern

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      Todi

      Lieber Gustav, ich sehe das genauso

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      Karsten

      Gustav Können Sie konkrete Beispiele anführen? Welche in der EU getroffenen Maßnahmen hat „Otto Normalbürger“ zum Verlierer werden lassen?

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      Peters

      Gerhard-Egon Die EU hat lange und gut ohne Euro funktioniert.Dänemark,Schweden Polen etc.sind froh,daß sie den Euro nicht haben.

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    Leo

    Profitiert??kostet doch nur geld!!

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    Mark

    Die Kosten die verursacht wurden kommen nie wieder rein

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    Phillip

    Sollten wir den Euro in seiner jetztigen Form aufgeben, dann nur für etwas fortschrittlicheres, das den Finanzverkehr weiter erleichtert, und dann weltweit. Ich denke nicht, dass unsere Institutionen dafür schon bereit sind

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    José

    Richtiges Bargeld wird es bald nicht mehr geben. Jeder der kein Handy besitzt bekommt einen Multichip eingesetzt.

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    Paul

    Eine Währung ist eine Abstraktion. Daher ist es dämlich zu denken, dass alles besser wäre, wenn Deutschland die DMark hätte.

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    Rolf

    Nein nicht aufgeben, sondern die Stabilitätskriterien einhalten

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    Nilza

    Es ist sowieso alles nur Gleichmacherei.

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    Albert

    Den Euro sollten wir nicht mehr aufgeben, ist zu teuer.
    Aufgeben sollten wir das Umverteilungsverfahren in der Eurozone. Und der „Wasserkopf“ in Brüssel muss schlanker werden, um ihn dann langsam gänzlich abzuschaffen.

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    Achim

    Das größte Problem in der Eurozone ist das Nord Süd Gefälle. Die Niedrigzinspolitik schadet dem gesamten Mittelstand. Aber sonst über wiegen die Vorteile der gemeinsamen Währung.

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    Axel

    Die bei Einführung des EURO beabsichtigten Ziele konnten auf Grund unterschiedlicher Mentalität und Vergangenheit nicht gehalten werden. Griechenland und Italien hätten nie Mitglied werden dürfen. Wem der EURO nicht passt, kann seine Konten völlig legal an anderer Stelle führen. Ich halte jeden, der sein Geldvernögen den Eurobanken anvertraut für einen Trottel.

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    Marion

    Ich bin wieder für die DM, das war eine stabile Währung, bei dem Verbrecher Euro komme ich auf keinen grünen Zweig mehr, Brüssel mit ihren Wasserkopf und ihren schweinisch hohen Gehältern -durch uns Idioten bezahlt- muß weg. Ich war lange nicht verreist und bräuchte den Euro demzufolge in anderen Ländern nicht, dies ist meine Meinung und mein Wunsch, der für Andere nicht bindend sein muss.

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    Gaby

    Das Europa der vaterlaender war ein gutes Europa und Geld tauschen kein Problem. Die ärmeren laender konnten durch auf bzw Abwertung ihres Geldes selber regulieren.

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    Thorsten

    Zum Euro stehe ich. Ich finde aber, das unsere Eurozone eine gesunden Möglichkeit braucht, mit der einzelne Staaten den festen Wechselkurs für einen begrenzten Zeitraum unterschreiten können, um eine Krise zu bewältigen.

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    Heinrich

    Warum aufgeben ?? Parallele Währung – die DM wieder einführen.

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