Spaltet die Politik die Menschen in Europa? Politik scheint heutzutage mehr und mehr darauf ausgelegt zu sein, Menschen in Gruppen und Lager zu unterteilen. Die politischen Lager von der einen und von der anderen Seite zerreißen sich gegenseitig in den Parlamenten, sie kämpfen für Wählerstimmen und Aufmerksamkeit. Politiker erniedrigen ihre Gegner und verunglimpfen sie öffentlich.

Sollten wir also mehr Aufmerksamkeit darauf schenken, was uns vereint? Wir alle haben Interessen und Dinge, die uns abseits von Politk beschäftigen und die wir abgesehen von politischen Einstellungen gemeinsam haben. Sei es Musik, Kunst, Sport, Essen – diese Dinge vereinen uns über Grenzen hinweg. Besonders in Zeiten des Internet, in denen sich Menschen ganz einfach verbinden können und Zugang zu Musik und Kunst haben, egal wo sie sich befinden. Sollten wir uns darauf konzentrieren, Wunden zu heilen und Unterschiede zu überwinden?

Was sagen unsere Leser? Coralee ist der Meinung, dass Musik und Kunst uns nicht vereinen. Im Gegenteil, sie findet, dass Europa aus „einzelnen Nationen mit bemerkenswerten Kulturen und Traditionen“ besteht. Unterscheidet uns Kultur als mehr, als dass sie uns verbindet?

Das haben wir André Wilkens, den Direktor der Europäischen Kulturstiftung, gefragt. Was sagt er dazu?

Natürlich haben wir deutsche Musik und Kunst, wir haben holländische, griechische, italienische und so weiter. Aber ich betrachte das alles – das Orchester verschiedener Künste, Kultur und Musik – in gewisser Weise als ein Ensemble europäischer Kunst und Kultur. Es gibt so viele Interaktionen zwischen den verschiedenen Kunst- und Kulturstilen; sie haben sich separat und zusammen entwickelt. Schauen Sie sich die Zusammensetzung von Orchestern in ganz Europa an, schauen Sie sich an, wer in Museen und Ausstellungen kuratiert. Es gibt beispielsweise Belgier, die Ausstellungen in Deutschland, Großbritannien und Paris kuratiert haben, und das passiert überall. Ich denke, die europäische Kunst und Kultur verbindet uns schon sehr viel und ist mehr als nur nationale Kunst und Kultur.

Für eine weitere Perspektive haben wir die Frage auch der Sängerin Kezz (a.k.a. Tamara Ristić) gestellt, einer Serbischen Künstlerin, Produzentin und Songwriterin. Ihre Musik verbindet traditionelle Balkanmusik mit modernen Einflüssen.

Was sagt sie zu Coralee?

Ich finde, dass Musik, also vor allem Musik, aber auch alle anderen Formen von Kunst, von Emotionen handeln. Es ist eine Art der Menschen zu kommunizieren. Ich glaube, dass wir anstatt durch verschiedene Sprachen, durch Musik und Kultur kommunizieren können. Künstler können durch ihre Stücke kommunizieren und ihre Werke durch ihre Erfahrungen verändern und verschiedene Stile und Formen annehmen. Aus meiner persönlichen Erfahrung in Bezug auf meine eigene Musik kann ich sagen, dass ich moderne Genres verwende. Wenn ich traditionell inspirierte Komponenten in einem modernen Stil umsetze, findet sich jedes Publikum auf der Welt darin wieder und sie finden darin etwas für sich selbst. Moderne Musik ist akzeptabel; es ist nicht so kompliziert zuzuhören und ein Gefühl für die Musik zu bekommen.

Ein weiterer Kommentar kommt von unserem Leser Pedro, der glaubt, dass es ein gemeinsames europäisches Kulturerbe gibt und dass der Islam ein wichtiger Teil davon ist. Es gibt jedoch andere Menschen, die die Worte „europäisches Kulturerbe“ hören und an weiße Überlegenheit und Islamophobie denken. Wie können wir also diese Idee des „kulturellen Erbes“ als etwas Positives zurückgewinnen, das uns vereint, und nicht als etwas Ausschließendes, das uns trennt oder besser macht als andere?

Was sagt André Wilkens von der Europäischen Kulturstiftung dazu?

Kultur kann und wird bei Menschen für verschiedene Zwecke benutzt. Wenn man Menschen ausschließen möchte, und das wird in der Tat getan, um Unterschiede zu kreieren, kann man sagen: „Das ist Teil meiner Kultur und du gehörst nicht dazu!“ Es kann auch genutzt werden, indem man sagt: „Wir haben ein gemeinsames kulturelles Erbe, wir haben eine gemeinsame kulturelle Zukunft und wir haben eine gemeinsame zeitgenössische Kulturszene.“ Es kommt also darauf an, wer den Grundstein legt und den Raum dafür schafft, dass dies passieren kann.
Als Europäische Kulturstiftung sehen wir es als unsere Aufgabe, diesen Raum zu schaffen und einen gemeinsamen Europäischen kulturellen Raum zu schaffen. Denn ein gemeinsamer öffentlicher Raum ist der Schlüssel zu einer gemeinsamen europäischen Identität, was meiner Meinung überaus wichtig für das europäische Projekt und die Zukunft des Kontinents ist. Wir haben in Europa sehr schlechte Erfahrungen mit der Kultur gemacht, die uns gespalten und zu Kriegen geführt hat, die bis dahin unvorstellbar waren. Wir haben über 70 Jahre lang erfolgreich ein gemeinsames Gesellschaftsmodell entwickelt, nicht nur eine Wirtschaftsgemeinschaft, sondern auch eine Wertegemeinschaft. Daran sollten wir anknüpfen. Kultur ist heute in vielerlei Hinsicht ein Schlüssel zur Verwirklichung eines gemeinsamen Gesellschaftsmodell für Europa. Dafür steht meine Stiftung.

Können Musik und Kunst uns vereinen? Oder sind unsere kulturellen Unterschiede zu groß? Schreib uns deine Meinung.

 

Foto: (c) BigStock – stockcentral
Portraits: André Wilkens (c) Gerlind Klemens, Kezz (a.k.a. Tamara Ristić) CC – Flickr – Friends of Europe
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3 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst du?

  1. avatar
    Norbert

    Was haben Deutsche oder Dänen eigentlich mit Bulgaren oder Rumänen gemeinsam ?

  2. avatar
    Thorsten

    Musik und Kunst transportieren, Sprachunabhängig, Botschaften. Und selbst wenn man selbige nicht immer direkt mental begreift, haben wir dennoch die Stimmung in uns, mit der wir sozusagen direkt mit dem Künstler verbunden sind. Somit – ja, in gewisser Weise kann Kunst bzw leistet Kunst genau dies.

  3. avatar
    Hans

    Nur wer dafür sich aufgeschlossen zeigt!

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