Die letzten vier Jahre waren nicht gerade Zeiten des Friedens. Die Kriege gegen den Islamischen Staat in Irak und Syrien, der Völkermord in Myanmar, der Bürgerkrieg in der Ukraine, ganz zu schweigen von den anhaltenden Konflikten in Afghanistan, Jemen, Nigeria, Darfur oder Mexiko.

Gestern vor hundert Jahren wurden die Waffen niedergelegt, der Erste Weltkrieg beendet, um nach etwa zwei Jahrzehnten einen Zweiten Weltkrieg zu beginnen. Die Gefahr eines offenen Konflikts zwischen den USA und mächtigen Rivalen wie China scheint heute weit entfernt (wenn auch sicherlich nicht undenkbar). Aber können wir wirklich sagen, dass wir die Lehren aus dem Ersten Weltkrieg gezogen haben?

Hundert Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs veröffentlicht Debating Europe eine Serie von Debatten zum Thema. Wir werden mit euch die Ursachen und Folgen des Krieges diskutieren. Was haben wir hundert Jahre später daraus gelernt?

Was sagen unsere Leser?

Unsere Leserin  Helen hält das 100-jährige Jubiläum des Ersten Weltkrieges für eine verpasste Gelegenheit. Sie glaubt nicht, dass wir etwas aus dem Krieg gelernt haben:

Image of a citizenEs fühlt sich für mich so an, als hätten wir 2014 einige feierliche Paraden abgehalten (und es werden im November 2018 sicherlich einige mehr werden), aber ansonsten den Ersten Weltkrieg weitgehend verdrängt. Ein besserer Weg, den 100. Jahrestag zu zelebrieren, wäre eine Zeit des Weltfriedens gewesen. Dies haben unsere Regierungen aber nicht zustande bekommen.

Wir haben Dan Carlin, Moderator des Podcats Hardcore History gefragt. (Carlin hat kürzlich eine Dokumentationsreihe über den Ersten Weltkrieg veröffentlicht und moderiert einen Podcast über zeitgenössische amerikanische Politik namens Common Sense). Was hält er davon, wie die Welt an den hundertsten Jahrestag des Ersten Weltkriegs gedenkt?

Das Interesse daran steigt enorm – und ich kann nicht genau sagen, warum. Ich habe dazu verschiedene Theorien: Zum einen, die Hundertjahrfeier: Wir befinden uns noch immer in diesem Zeitfenster, seit dem Waffenstillstand am 11. November dieses Jahres sind hundert Jahre vergangen. Damit kann man einen deutlichen Anstieg des Interesses an der Sache feststellen. Wenn Sie mich vor zehn oder fünfzehn Jahren gefragt, hätte ich geantwortet, dass das allgemeine Wissen über die Sache angesichts der Wichtigkeit des Themas extrem begrenzt ist.

Ob die Ignoranz insgesamt zugenommen hat, kann ich nicht beurteilen, aber ich denke, dass die Leute dem Zweiten Weltkrieg mehr Aufmerksamkeit schenken als dem Ersten; er überschattet den Ersten zu einem gewissen Grad. Das Traurige an der Sache ist jedoch, dass die meisten Leute den Zweiten Weltkrieg verstehen wollen, ohne sich wirklich mit dem Ersten zu beschäftigen. Man kann sie als Teil I und II eines Films sehen. Man kann auch nicht „Das Imperium schlägt zurück“ verstehen, wenn man nicht den ersten Star Wars Film gesehen hat.

Für eine weitere Perspektive haben wir Helens Kommentar Dan Snow gestellt, Moderator zahlreicher preisgekrönter Geschichtsdokumentationen für die BBC und Gastgeber des Podcasts Dan Snow History Hit. Was sagt er zu Helen?

Ich fürchte, ich stimme Helen zu. Ich denke, es war eine Zeit des feierlichen Gedenkens, und es war schön, Gemeinschafts- und Schulprojekte florieren zu sehen, aber wenn es um die Lehren des Ersten Weltkrieges geht, ist es zwar gut, wenn wir darüber reden und diskutieren, aber die Leute, die dies tatsächlich tun sollten sind Wladimir Putin, Trump, die chinesische Regierung. Und ich wünsche mir von unserer derzeitigen Regierung, dass sie nicht nur zu diesen staatlichen Anlässen erscheinen, sondern darüber nachdenken und ihre Lehren aus dem Ersten Weltkrieg ziehen. Manche Politiker haben möglicherweise das Gefühl, die Ereignisse nicht unter Kontrolle zu haben und dass ihnen die Dinge aufgezwungen werden. Aber letztendlich haben sie die Wahl. Sie können Konfrontationen immer stoppen.

Haben wir nichts aus dem Ersten Weltkrieg gelernt? Sollten wir statt Feiern und Paraden nicht anders an den Jahrestag des Ersten Weltkriegs gedenken? Haben wir unsere Lehren aus dem Ersten Weltkrieg gezogen? Schreib uns deine Meinung!

Foto: Öffentliche Domain / Imperial War Musem

Portrait: Dan Snow / CC IPUP York Image Galleries; Dan Carlin (used with permission)



2 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst du?

  1. avatar
    Hinrich

    Dieser Weltkrieg endete erst 1945 und eigentlich erst mit dem Ende des Vietnamkrieges.

  2. avatar
    Ciel

    Wie man die letzten Jahre offensichtlich erkennen kann, haben viele zu wenig darüber gelernt. Oder falsche Schlüsse gezogen oder wie auch immer. Ich bin nur heilfroh, dass beispielsweise die so oft beschworene und unsägliche „Erzfeindschaft“ zwischen Deutschen und Franzosen weitgehend passé ist. Meine Herkunftsregion war viel zu lange Zankapfel. Und mir persönlich wäre es völlig egal, ob ich nun zu Frankreich oder zu Deutschland gehöre aufgrund irgendwelcher territorialer Ansprüche. Allerdings habe ich auch noch andere Meinungen zu diesem „Thema“ gehört,…

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