Kommt nach dem “Mindestlohn” jetzt auch der “Höchstlohn”? Sollte es eine Grenze dafür geben, wie viel Unternehmen ihren Mitarbeiter zahlen können? Und sollten die bestbezahlten Führungskräfte ihre Gehälter kappen? Tatsächlich haben einige europäische Länder bereits eine Obergrenze für die Gehälter von Beamten im öffentlichen Dienst eingeführt. Wäre es möglich, etwas Ähnliches in der Privatwirtschaft einzuführen? Oder ist die Idee vollkommen verrückt?

Was sagen unsere Leser?

Christos denkt, dass Führungskräfte zu hohe Gehälter ausgezahlt bekommen, nicht nur in absoluten Zahlen, sondern auch im relativen Vergleich zum durchschnittlichen Gehalt, das ihre Arbeiter verdienen. Hat er Recht?

Das haben wir den Executive Director des High Pay Center, Luke Hildyard gefragt. Das Think-tank befasst sich mit der Erforschung von Höchstgehältern. Was sagt er dazu?

Ja, dem stimme ich zu. In Großbritannien – und der Trend dort spiegelt wider, was in den meisten anderen fortgeschrittenen Volkswirtschaften passiert – verdient ein Geschäftsführer im Durchschnitt das 150-fache im Vergleich zu seinem durchschnittlichen Angestellten; in den späten 1990er Jahren war es noch das 60- bis 70-fache. Die Leistung von Führungskräften hat sich im Vergleich nicht wirklich verbessert. Es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass sie in Bezug auf ihre Arbeiter in dieser Zeit individuell brillanter geworden sind. Es scheint so, als hätten sie ihre Machtposition an der Spitze der Unternehmen ausnutzen können, und die Unternehmenskultur ist toleranter geworden gegenüber der Bezahlung derjenigen, die an der Spitze des Berges stehen, hoch oben, über den anderen. Dies führt natürlich zu einem viel schwächeren Vertrauen in die Wirtschaft, einem Mangel an sozialem Zusammenhalt und einer zunehmend wütenden und misstrauischen Gesellschaft.

Ein weiterer Kommentar kommt von unserem Leser Bernard, der die Idee eines Höchstlohns ablehnt. Er argumentiert, dies sei besonders schädlich für Unternehmensgründer. Hat er Recht? Würde eine Lohnbegrenzung Unternehmertum und Innovation einschrenken?

Das haben wir Kevin J. Murphy gefragt, Professor an der Universität Southern California; Lehrstuhl für Finanzen an der USC Marshall School of Business; Professor für Recht an der USC Gould School of Law; Professor für Wirtschaftswissenschaften am USC College of Letters, Kunst und Wissenschaft. Was sagt er zu Bernard?

Bernard hat absolut Recht. Die Festlegung von Höchstsätzen bei Gehältern zerstört Anreize, über diesen Höchstlohn hinaus zu arbeiten. In Situationen, in denen es Unterschiede in den Lohnverhältnissen gibt, zum Beispiel im Verkauf, würde ein Höchstlohn dazu führen, dass sich die Leistung über einen längeren Zeitraum nicht verändert.

Das schlimmere Problem ist die Abwanderung von Fachkräften ins Ausland. Wenn die Höchstlöhne nicht auf globaler Ebene festgelegt werden, wird die Obergrenze Innovation zwar nicht unbedingt ersticken, aber sie wird vielmehr bestimmen, wo diese Innovation stattfindet. So haben sich beispielsweise Spitzensportler und Schauspieler routinemäßig in den USA anstellen lassen, wo es weniger Beschränkungen oder implizite Höchstlöhne gibt. Top-US-Konzerne, die mit nicht vergleichbar hohen Körperschaftssteuersätzen belastet waren, flüchteten nach Irland, auf die Cayman Islands und in andere Steuerparadiese. Die Festlegung von impliziten Obergrenzen für europäische Investmentbanker hat dazu geführt, dass führende Finanzunternehmer in Hedge-Fonds, Private-Equity-Fonds oder weniger restriktive Märkte in Übersee wie Wall Street, Hongkong oder Singapur gewechselt sind.

Luke Hildyard vom Think-tank High Pay Centre hat dazu eine andere Meinung. Würde er zustimmen, dass die Festlegung eines Höchstlohns in ganz Europa zu einer Abwanderung von Fachkräften führen würde, da die talentiertesten Personen anderswohin ziehen und von wettbewerbsfähigeren Gehältern angezogen werden?

Ich glaube, das Risiko, dass unser sogenanntes „Talent“ nach Übersee abwandert, ist übertrieben und hypothetisch. Und wenn es doch so kommen sollte, wäre das so schlimm? Schaut man sich an, was Unternehmen erfolgreich macht, gibt es in einigen Fällen Beispiele von besonders engagierten Individuen, die sie vorantreiben und Erfindungen und Innovationen hervorbringen, auf denen der Erfolg des Unternehmens beruht. Und ich denke, dass in diesen Fällen nicht die Aussicht auf ein hohes Gehalt oder das große Geld Antrieb für die Motivation war, sondern durch den Status und die Verantwortung und das Prestige und die Bedeutung, etwas Großes zu erreichen. Wenn man sich die Chefs der größten Unternehmen der Welt anschaut, werden sie generell nicht von internationalen Rivalen abgeworben, sondern viel häufiger von innen heraus gefördert. Wenn man sich diese Firmen anschaut, haben viele von ihnen eine lange, etablierte Geschichte, sie haben Tausende von Arbeitern, in vielen Fällen sind sie abhängig von der Unterstützung bei öffentlichen Ausgaben, Investitionen in Forschung, Lobby von Politikern in ihrem Interesse. Es ist sehr anfechtbar zu argumentieren, dass ihr Erfolg allein auf einer Person oder einer Handvoll Individuen an der Spitze basiert. Ich glaube an eine viel umfassendere Sichtweise auf Erfolg, die von einem breiteren wirtschaftlichen Kontext abhängt, einer gesunden öffentlichen Infrastruktur in Bezug auf Bildung, Verkehr, Energie und vor allem vom Beitrag aller Angestellten, nicht nur einiger weniger an der Spitze.

Sollten Managergehälter begrenzt werden? Es gibt einen Mindestlohn, warum sollte es also nicht auch einen Höchstlohn geben? Was würde das für Unternehmen bedeuten? Und für die Gesellschaft? Schreibt uns eure Meinung.

Foto: (c) BigStock – AndreyPopov


27 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst du?

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    Raphael

    Ja, vorallem deutlich niedriger

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    Mark

    besser wäre es und haftbar wenn sie ne Bank wieder in die Pleite treiben! kann nicht sein das sie erst ne Bank in den Ruin treiben und anschließend noch mit dicken Abfindungen belohnt werden

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    Phillip

    So sehr ich es auch verabscheue, dass es Menschen gibt, die 100-mal mehr im Monat erhalten als ich, finde ich nicht, dass man einen definitiven Deckel auf das Einkommen setzen kann. Ich denke eher dass es eine fließende Steuerprogression geben soll, die im Unendlichen gegen 1 geht (100% Steuer für ein unendliches Bruttogehalt). Die Bruttolohn/Nettolohn Kurve sähe dann aus wie y = ln(x)

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      Marc

      Ja, sowas. Die USA und Großbritannien hatten bis Reagan und Thatcher viel höhere Spitzensteuersätze. Erst als die gesenkt wurden, wurde das mit den Spitzengehältern und Märchenboni fürs Management interessant. Weil’s nicht mehr weggesteuert wurde.

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    Jöns-Peter

    Welche Freiheiten außer der Vertragsfreiheit wollen Sie denn noch alle abschaffen?
    In einer sozialen Marktwirtschaft ist es Angelegenheit der Eigentümer über die Vergütung zu entscheiden!

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    Dore Schlünkes

    Ja. Fließende Steuerprogression für Einkommen und Boni, angemessene Vermögenssteuern, Abbau der immer schneller immer weiter klaffenden Ungleichheiten.

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    Julia

    die vergütung der managergehälter sollte am erfolg gekoppelt werden und zwar in mind. 5 jahren schritten.

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    Flo

    vllt ist das nur Zeichen, daß der Mindestlohn keine gute Idee ist?

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    Tilo

    Nein, aber er sollte zum einen an die Zahl der Mitarbeiter gekoppelt sein und die firmenlenker zu 99,99% mit ihrem Vermögen haften.

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    Murmel

    Ich würde eher den Mindestlohn auf 1/20 des Maximalgehaltes begrenzen

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    Horst

    Spitzensteuersatz anpassen und Beitragsbemessungsgrenzen für Sozialabgaben abschaffen, dann hat auch die Allgemeinheit was davon. Und ALLE müssen einzahlen in KV, Rente etc

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      Gerd

      damit wird nur wieder der kleine Unternehmer abgestraft. Managergehälter ist was ganz anderes als das was Sie meinen.

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    Thorsten

    Höchstlöhne… Aus Sicht von uns normalem Fußvolk klingt das natürlich erstmal gut …populistisch. Wie soll denn sowas denn in der Praxis funktionieren ? Am ehesten noch durch transparenz und die Medien….

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      Marc

      Transparenz haben eir schon. Das führt eher dazu, dass der eine Vorstand dann genausoviel will wie sein CEO-Kumpel vom Golfplatz

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    Angelika

    Auf jeden Fall und ab sofort für jede Fehlentscheidung und jeden Schaden Haftung mit Privatvermögen bis auf den letzten Pfennig

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    Bob

    Wenn man sich die Kommentare durchliest, hat man den Eindruck eine Grundschulklasse spricht über Wirtschaft 🙄 (…”sollte an den Erfolg gekoppelt sein”, “müssen mit privatem Vermögen haften” ..ect. )

    Selbstverständlich ist ein Eingriff in die Vertragsfreiheit privater Unternehmen eine vollkommen inakzeptable Idee, die bestenfalls in gescheiterten sozialistischen Systemen Zuspruch finden sollte.

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    Hanjo

    Ja – und wenn nicht eine haftung für die schäden, die bei misswirtschafung angerichtet werden. ..

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    Heidi

    Des find ich schon okay, dass vui verdienen, aber wenns was versemmeln brauchts ned noch a Abfindung.

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    Alexandra

    Das wäre gegen die Vertragsfreiheit. Die Managergehälter werden von Arbeitgeber bzw. Aktiengesellschaften beschlossen. Da sollte sich der Staat völlig heraushalten. Leute, die viel verdienen, bezahlen i.d.R. auch viel Einkommenssteuer. Das nützt allen.

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    Annette

    Sollten so begrenzt werden, daß Sie moralisch nicht zu beanstanden sind.Außerdem sollten Sie,wenn Sie gravierende Fehler gemacht haben mit Ihrem Vermögen haften.

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    Hajo

    Nehmen wir an, ich sollte die allumfängliche Verantwortung für mehrere Tausend Menschen und für mehrere Hundert Millionen Euro Umsatz, Kosten und Gewinn übernehmen. Nehmen wir weiterhin an, ich müsste mediale Präsenz zeigen, mich ohne Feierabend oder Wochenende in den Dienst des Unternehmens stellen. Würde irgendjemand auch nur ansatzweise versuchen, mein Gehalt nach sozialistischer Manier deckeln zu wollen oder mich in meiner Freiheit zu beschränken, meinen Finanzkram frei aushandeln zu dürfen, wäre ich raus.

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    Kornelia

    Die Unternehmen können zahlen was sie wollen! Als Staat würde ich aber nur eine maximale Höhe anerkennen, der zu einer Steuerminderung anerkannt wird!

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    Sus

    Managergehälter sind mal mit dem Argument des wirtschaftlichen Risikos gerechtfertigt worden, dass dem nicht so ist, sieht man spätestens seit Winterkorn ….

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    Martin

    Warum nicht gleich die Einführung der Planwirtschaft?
    Diese würde ohnehin besser zu unseren Volksvertretern im Bundestag passen.

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