Bildung ist ein Schlüsselelement unserer persönlichen Entwicklung. Während sich viele unter dem Stichwort Bildung einen vollen Klassenraum vorstellen, mit Schülern, die über ihre Bücher gelehnt den Worten des Lehrers folgen, drängen Experten seit Jahrzehnten auf einen flexibleren und kreativeren Ansatz. Es ist allgemein bekannt und akzeptiert, dass es für verschiedene Schüler individuelle Lernansätze benötigt und dass Kinder durch Spiele lernen können.

Serious Games sind Spiele, die für andere Zwecke als Unterhaltung gedacht sind. Sie können zum Beispiel Videospiele beinhalten, die den Schülern helfen sollen, komplizierte Themen zu erforschen, wie zum Beispiel ihr eigenes Verhalten oder das Verhalten anderer zu untersuchen oder verschiedene Umgebungen und Situationen zu simulieren. Befürworter argumentieren, dass Spiele Fähigkeiten wie Problemlösung, Kreativität und Teamarbeit vermitteln können. Aber können sie ihre Ansprüche sichern? Was sagen die Studien? Gibt es positive Beispiele dafür, dass Spiele erfolgreich als pädagogische Instrumente eingesetzt werden? Oder sind Spiele nichts als Unterhaltung? Lenken sie nicht eigentlich von den wichtigsten Lernergebnissen ab? Oder können Spiele genauso ernst sein, wichtige Fähigkeiten vermitteln und Verhaltensänderungen bewirken?

Was denken unsere Leser? Ana findet, dass Spiele nicht nur zur Unterhaltung dienen, sondern einen echten Mehrwert bringen, wenn es darum geht, auf informelle Weise zu lernen. Sie leisten einen großen Beitrag zum Erwerb informeller und kognitiver Fähigkeiten, wie Gedächtnistraining, Vorausschauendes Denken, Strategieplanung usw. Hat sie Recht? Welche Fähigkeiten können Kinder aus Lernspielen lernen?

Das haben wir Annamaria Lisotti gefragt, eine Sekundarlehrerin für Mathematik und Physik in Italien und Doktorandin an der Fakultät für Physik und Nanowissenschaften des Instituts für Physik der Universität Modena und Reggio E. und eines internationalen Forschungszentrums. Was sagt sie dazu?

Für eine weitere Perspektive haben wir Svjetlana Kolić Vehovec gefragt, eine der leitenden Forscherinnen des eConfidence-Projektes und Professorin an der Fakultät für Psychologie der Universität Rijeka. Was sagt sie zu Anas Kommentar?

Ja, wir können Spiele als Instrument für informelles Lernen nutzen. Aber darüber hinaus können wir sie auch für andere Fähigkeiten, wie den Wissenserwerb, zum Beispiel über historische Ereignisse oder mathematische Funktionen, nutzen. Sie können zudem die Entwicklung verschiedener kognitiver Fähigkeiten unterstützen, wie strategische Planung, Problemlösungsfähigkeiten und wissenschaftliches Denken. Spiele können zudem dabei helfen, soziale Fähigkeiten zu entwickeln, wie Opfer in einer Mobbing-Situation zu unterstützen.

Ein weiterer Kommentar kommt von unserem Leser Christos, der sagt, Spiele können nützliche pädagogische Werkzeuge sein, aber nur, wenn sie richtig ausgelegt und eingesetzt werden. Was also sind die Schlüsselelemente, wenn Spiele als pädagogische Werkzeuge verwendet werden sollen?

Was sagt die Professorin Svjetlana Kolić Vehovec dazu?

Um erfolgreich zu sein, sollten Spiele einen Fantasy-Kontext und ein Mysterium beinhalten, das zu größerem Interesse der Schüler und einer höheren Lernmotivation führt. Das Spiel sollte optisch ansprechend sein und aus grafisch hochwertig umgesetzt sein, um die Motivation zu erhöhen, sich mit dem Spiel zu beschäftigen. Es sollte auch progressive Schwierigkeitsstufen und eine gewisse Zweideutigkeit haben, um einen unsicheren Ausgang zu gewährleisten.

Christos‘ Frage haben wir zudem Hannah Grainger Clemson gestellt, Politische Leiterin für Schulwesen in der Generaldirektion Bildung, Jugend, Sport und Kultur der Europäischen Kommission (antwortet hier privat). Was sagt sie?

Ich bin keine Spieleentwicklerin, aber ich habe Erfahrungen mit „Lernspielen“ als Lehrerin und Workshopbegleiterin gesammelt. Mit anderen Worten, einige Aufgaben basieren auf Belohnungen, Zeitdruck, Wettbewerb und so weiter. Einige Schlüsselelemente für mich wären, dass es für die Zeit und die Teilnehmer, die Sie haben, ausreichend herausfordernd ist; das Lernen für die Bedürfnisse der Teilnehmer klar relevant machen; und selbst mitzumachen – das Spiel mit ihnen zu genießen und zu erleben. Es hängt davon ab, in welchem Kontext sie genutzt werden, was, wie Christos sagt, sehr wichtig ist.

Unser Leser Prince argumentiert, dass jedes Kind auf unterschiedliche Weise lernt und Spiele somit für einige Kinder ein gutes Lernmittel sind, aber für andere wiederum nicht.  Hat er Recht? Oder können Lernspiele Vorteile für alle Kinder bringen?

Was sagt die italienische Sekundärlehrerin Annamaria Lisotti dazu?

Und was sagt Hannah Grainger Clemson aus der EU Kommission dazu?

Wenn er damit andeutet, dass Kinder auf verschiedene Art und Weise lernen (empfangen und verarbeiten), dann stimme ich zu. Pädagogen lehnen es ab, Kinder als einen Lerntyp abzustempeln. Ich denke, dass alle Kinder in irgendeiner Weise von Lernspielen profitieren können, und allein die Motivation daraus hat positive Auswirkungen auf das Lernen. Es hängt von der Art des Spiels ab. Wir brauchen noch mehr Forschung in diesem Gebiet und die Neurowissenschaften haben viel dazu beigetragen, unser Gehirn bei solchen Spielen zu verstehen. Wir wissen, dass wir auf multiple Signale wie Bild und Ton gleichzeitig reagieren können. Diese Art von Forschung speist auch Bildungsvideos und Markenmarketing.

Wie können Spiele beim Lernen helfen? Was sind die Schlüsselelemente, um Spiele als Lernmittel richtig einzusetzen? Sind Lernspiele für alle Kinder von Nutzen?

Foto: (c) BigStock – Tom Wang
Redkationell unabhängiger Inhalt unterstützt durch: eConfidence – Das Vertrauen in Verhaltensänderungen durch Serious Games ist ein 24-monatiges Projekt, das vom Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon 2020 der Europäischen Union finanziert wird.
Dieses Projekt wurde im Rahmen des Förderprogramms „Horizont 2020“ der Europäischen Union im Rahmen der Finanzhilfevereinbarung Nr. 732420 ko-finanziert. Dieser Artikel spiegelt allein die Meinung des Verfassers wider. Sie stellt nicht die Meinung der Europäischen Kommission dar, und die Europäische Kommission ist nicht verantwortlich für die Verwendung der darin enthaltenen Informationen. Weitere Informationen in unserem FAQ



One Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst du?

  1. avatar
    Mari

    Da gruselt es mich total bei DEM Bild 😲😖😦😧😨😰😱😳🤕🤒
    Arme Kinder

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