Steht Europa vor einer Immobilienkrise? Für viele Europäer zählen Mieten oder Hypotheken zu den höchsten Ausgaben, und die Situation scheint sich zu verschärfen, da die Immobilienpreise in den meisten EU-Mitgliedstaaten schneller steigen als das Einkommen. Über 11% der Haushalte in der EU gelten heute als „überbürdet“, wenn es um Wohnkosten geht. Das heißt, sie geben mehr als 40% ihres verfügbaren Einkommens aus, um ein Dach über dem Kopf zu haben. Diese Zahl verschleiert jedoch die Tatsache, dass ärmere Haushalte überproportional betroffen sind – rund 40% der Menschen, die von Armut bedroht sind, sind überbürdet.
In mehreren EU-Ländern, darunter Großbritannien, Belgien, die Tschechische Republik, Finnland, Schweden, Griechenland, Dänemark, Spanien und Luxemburg, wird mindestens ein Viertel des durchschnittlichen Haushaltseinkommens routinemäßig für die Miete ausgegeben. Was kann das Problem lösen? Kann es so einfach sein, wie „mehr Häuser bauen”?
Was denken unsere Leser? Thomas findet, es sei an der Zeit, eine Mietpreisbremse einzuführen, um die steigenden Wohnkosten wieder in den Griff zu bekommen. Hat er Recht? Würden kontrollierte Mietpreise wirklich dazu beitragen, die Krise des erschwinglichen Wohnraums anzugehen, oder würden sie am Ende den Markt verzerren und Investitionen in neue Wohnprojekte behindern?
Das haben wir Sorcha Edwards gefragt, Generalsekretärin von Housing Europe, eine europäische Allianz für öffentlichen, privaten und sozialen Wohnungsbau. Was sagt sie zu Thomas’ Vorschlag?
Für eine andere Perspektive haben wir die gleiche Frage Monica Brezzi, Direktorin für Technische Bewertung und Überwachung bei der Entwicklungsbank des Europarats (CEB) gestellt. Was sagt sie zu Mietpreisbremsen?
Ob Mietpreisbremsen wirklich funktionieren, wurde seit ihrer ersten Einführung in New York nach dem Ersten Weltkrieg nie abschließend nachgewiesen. Auf der pro Seite ist zu vermerken, dass durch die Mietpreisbremse die Wahrscheinlich steigt, dass ein Mieter in seinem Zuhause verbleibt und somit auch dazu beiträgt, dass Menschen mit niedrigem und mittlerem Einkommen in attraktiven Städten zu halten und zur Entwicklung von sozial gemischten Vierteln beizutragen.
Andererseits können zu strikte Mietpreisbremsen auch Investoren abschrecken und das Wohnungsangebot verringern, kleine Unternehmen und Vermieter, die sich keinen kurzfristigen Verlust leisten können, vom Markt verdrängen und den Immobilienmarkt noch weiter monopolisieren, was auf lange Sicht zu einem weiteren Anstieg der Nachfrage und der Preise für Wohnraum führen würde.
Mietpreisregulierungen, die verschiedene Formen der Begrenzung von Mietsteigerungen enthalten können, sollten also in Kombination mit anderen Richtlinien und Finanzierungsmechanismen umgesetzt werden, um Angebot und Nachfrage von Wohnraum auszugleichen.
Laut unserem Leser Ginster ist die Lösung des Problems der Wohnungsnot einfach: “Es muss einfach mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden“. Stimmt Sorcha Edwards von Housing Europe ihm zu?
Für eine andere Perspektive haben wir Samir Kulenovic, Technischer Berater für Wohnungswesen und Stadtentwicklung, Entwicklungsbank des Europarats (CEB) gefragt. Was sagt er zu Ginsters Vorschlag?
![]()
„Mehr zu bauen“ ist nicht überall die beste Lösung. Vielmehr müssen wir die Verfügbarkeit von angemessenen Wohnungen erhöhen. An manchen Orten würde dies bedeuten, dass mehr Häuser gebaut werden müssen; aber vor allem in Städten kann es bedeuten, stattdessen Anreize und Verpflichtungen für Bauunternehmer so zu ändern, dass sie sozialen Wohnraum ausbauen oder dafür sorgen, dass leerstehende Wohngebäude auch für Menschen mit niedrigem und mittlerem Einkommen bewohnt werden können und dass leerstehende Geschäftsgebäude in Wohngebäude umgewandelt werden.
Nur in Wohnungsbau zu investieren, reicht also nicht aus. Wichtig sind auch Regulierungen l, die zum Beispiel flexible Wohnungsmodelle fördern, wie Wohngemeinschaften, oder die Bereitstellung innovativer Finanzierungsinstrumente. Dies kann dazu beitragen, die Wohnungsnot nachhaltig zu bekämpfen.
Sind Mietbremsen die Antwort auf bezahlbaren Wohnraum? Oder sollten Regierungen einfach mehr bezahlbaren Wohnraum bauen, oder zumindest den Platz räumen für private Unternehmen, die dies tun können? Was ist deine Meinung?
FOTO: (c) BigStock – REDPIXEL.PL
PORTRAIT: Brezzi, Kulenovic (c) CEB
Dieser redaktionell unabhängige Beitrag wurde finanziell von der Fondazione Cariplo unterstützt. Mehr Info unter unserem FAQ
Ob Mietpreisbremsen wirklich funktionieren, wurde seit ihrer ersten Einführung in New York nach dem Ersten Weltkrieg nie abschließend nachgewiesen. Auf der pro Seite ist zu vermerken, dass durch die Mietpreisbremse die Wahrscheinlich steigt, dass ein Mieter in seinem Zuhause verbleibt und somit auch dazu beiträgt, dass Menschen mit niedrigem und mittlerem Einkommen in attraktiven Städten zu halten und zur Entwicklung von sozial gemischten Vierteln beizutragen.
19 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare
Warum immer nur entweder/oder? Einerseits sollte Wohngebäude den Zweck des Wohnens erfüllen, nicht dem des Spekulationsgewinns, dafür bedarf es mehr Regulierung, vielleicht Zwangsvermietung o.ä. Andererseits müssen mehr Flächen auswiesen werden. Vorzugsweise neue Stadtviertel um die wohnqualität der alten nicht durch übertriebene Verdichtung zu drücken.
… Eine ausgesprochen sachkundige Aussage…- einerseits Gewinne verhindern, aber andererseits soll mehr gebaut werden….
Erinnert irgendwie an ‚ Überholen, ohne einzuholen der seligen DDR…😜
Thomschi Basbar, es sollen ja nicht Gewinne verhindert werden, nur extreme verhindert. Es ist eben nicht im Sinne der allgemeinheit wenn Häuser und baugrund brach liegt, nur um Wertsteigerungen abzuwarten. Auf der anderen Seite können sich Familien keine Häuser bauen, weil es keine Grundstücke gibt. Somit sind diese gezwungen in der Stadt zu bleiben.
Derjenige der extreme Gewinne generiert, ist meist der Staat, der ,als größter Eigner, Baugrund an den Meistbietenden verkauft um seine Haushaltslöcher zu stopfen und sich hinterher populistisch darüber erregt, dass dann dort entsprechend exklusiv gebaut wird,
um die hohen Kosten wieder hereinzuholen oder auf höhere Preise beim abwartenden Wiederverkauf gehofft wird
Dabei könnte man z.B. einfach die Grunderwerbsteuer beim Kauf hoch ansetzen und bei Bautätigkeit wieder absenkend erstatten…
Das Wohnraumproblem besteht einzig und allein aufgrund von Regulierung. Nicht nur werden lächerliche Auflagen gemacht, nein, man kann nicht einmal mehr damit rechnen, dass die gebaute Wohnung nicht enteignet wird. Großzügig mit dem Rotstift durch Paragrafen reiten und in den großen Städten eine Schnellanbindung in Außengebiete schaffen, wo nötig, und das Problem ist gelöst.
Erzähl doch mal welche spezifischen Regulierungen du gern streichen würdest.
Offene Grenzen sorgen für Wohnraummangel. .. Logisch oder ?
Die Mietpreise sind nicht das Problem, die niedrigen Löhne sind es
Warum immer nur entweder/oder? Einerseits sollte Wohngebäude den Zweck des Wohnens erfüllen, nicht dem des Spekulationsgewinns, dafür bedarf es mehr Regulierung, vielleicht Zwangsvermietung o.ä. Andererseits müssen mehr Flächen auswiesen werden. Vorzugsweise neue Stadtviertel um die wohnqualität der alten nicht durch übertriebene Verdichtung zu drücken.
Eine ausgesprochen sachkundige Aussage…- einerseits Gewinne verhindern, aber andererseits soll mehr gebaut werden….
Erinnert irgendwie an ‚ Überholen, ohne einzuholen der seligen DD
Thomschi, es sollen ja nicht Gewinne verhindert werden, nur extreme verhindert. Es ist eben nicht im Sinne der allgemeinheit wenn Häuser und baugrund brach liegt, nur um Wertsteigerungen abzuwarten. Auf der anderen Seite können sich Familien keine Häuser bauen, weil es keine Grundstücke gibt. Somit sind diese gezwungen in der Stadt zu bleiben.
Derjenige der extreme Gewinne generiert, ist meist der Staat, der ,als größter Eigner, Baugrund an den Meistbietenden verkauft um seine Haushaltslöcher zu stopfen und sich hinterher populistisch darüber erregt, dass dann dort entsprechend exklusiv gebaut wird,
um die hohen Kosten wieder hereinzuholen oder auf höhere Preise beim abwartenden Wiederverkauf gehofft wird
Dabei könnte man z.B. einfach die Grunderwerbsteuer beim Kauf hoch ansetzen und bei Bautätigkeit wieder absenkend erstatten…
Das Wohnraumproblem besteht einzig und allein aufgrund von Regulierung. Nicht nur werden lächerliche Auflagen gemacht, nein, man kann nicht einmal mehr damit rechnen, dass die gebaute Wohnung nicht enteignet wird. Großzügig mit dem Rotstift durch Paragrafen reiten und in den großen Städten eine Schnellanbindung in Außengebiete schaffen, wo nötig, und das Problem ist gelöst.
Offene Grenzen sorgen für Wohnraummangel. .. Logisch oder ?
Die Mietpreise sind nicht das Problem, die niedrigen Löhne sind es
Einiges Argumente und Forderungen aus fachlicher (Vermieter) Sicht:
1.
Eine Mietpreisbremse hat im allgemeinen lediglich eine Verlagerung vom Mietwohnungsbau zu – meist vorfinanziertem – gehobenen Eigentumswohnungsbau zur Folge, da hierbei das Risiko (ab der 2. Vermietung) wegfällt, bzw. abgewälzt wird.
2.
Angeraten wäre zunächst eine Reduzierung der Kosten durch den größten Kostentreiber und Spekulantenüberhaupt: den Staat…
Das bedeutet: Verzicht auf Verkauf von Grundstücken an den Meistbietenden und dadurch entstehende Spekulationsgewinne, bei gleichzeitiger Kostensenkung durch Niedrighalten von Grund- und Grunderwerbssteuer, Lockerung der EnEV und Abbau sich ständig verschärfender Bauvorschriften.
3.
Steigerung der Bautätigkeit durch beschleunigte Genehmigungsverfahren, Steuerung der Wohnungspreise durch Drittelmix- Vorgabe( frei finanziert / gewerblich/ subventioniert) oder quer (teuer finanziert billig , im gleichen Viertel, durch den gleichen Bauherrn.
4.
Erhöhung des Wohngelds zur Anpassung an den aktuellen Wohnungsmarkt
5.
Einführung einer effizienten Förderung für Familien zum Eigenheimerwerb -auch und gerade – im ländlichen Raum zur Entlastung des Wohnungsmarktes und zur Verringerung der aktuellen Landflucht.
6.
Verbesserung der infrastrukturellen Lage in ländlich- kleinstädtischen Gebieten vor allem im Bereich Digitalisierung auch in Hinblick auf Arbeit 2.0.
verhältnis netto gehalt zu mieten sind das problem – österreich hat nicht den fehler gemacht, ihre wohnungen zur sanierung der haushalte zu vekaufen.
Einiges Argumente und Forderungen aus fachlicher (Vermieter) Sicht:
1.
Eine Mietpreisbremse hat im allgemeinen lediglich eine Verlagerung vom Mietwohnungsbau zu – meist vorfinanziertem – gehobenen Eigentumswohnungsbau zur Folge, da hierbei das Risiko (ab der 2. Vermietung) wegfällt, bzw. abgewälzt wird.
2.
Angeraten wäre zunächst eine Reduzierung der Kosten durch den größten Kostentreiber und Spekulantenüberhaupt: den Staat…
Das bedeutet: Verzicht auf Verkauf von Grundstücken an den Meistbietenden und dadurch entstehende Spekulationsgewinne, bei gleichzeitiger Kostensenkung durch Niedrighalten von Grund- und Grunderwerbssteuer, Lockerung der EnEV und Abbau sich ständig verschärfender Bauvorschriften.
3.
Steigerung der Bautätigkeit durch beschleunigte Genehmigungsverfahren, Steuerung der Wohnungspreise durch Drittelmix- Vorgabe( frei finanziert / gewerblich/ subventioniert) oder quer (teuer finanziert billig , im gleichen Viertel, durch den gleichen Bauherrn.
4.
Erhöhung des Wohngelds zur Anpassung an den aktuellen Wohnungsmarkt
5.
Einführung einer effizienten Förderung für Familien zum Eigenheimerwerb -auch und gerade – im ländlichen Raum zur Entlastung des Wohnungsmarktes und zur Verringerung der aktuellen Landflucht.
6.
Verbesserung der infrastrukturellen Lage in ländlich- kleinstädtischen Gebieten vor allem im Bereich Digitalisierung auch in Hinblick auf Arbeit 2.0.
verhältnis netto gehalt zu mieten sind das problem – österreich hat nicht den fehler gemacht, ihre wohnungen zur sanierung der haushalte zu vekaufen.