Die Hitzewelle hat in diesem Sommer ganz Europa ins Schwitzen gebracht. Der Klimawandel schlägt damit nicht mehr nur weltweit, sondern auch vor der eigenen Haustür zu. Das Wetter wird extremer, das bedeutet mehr Hitze im Sommer, Kälte im Winter, zu viel oder zu wenig an Niederschlag, Stürme und Überschwemmungen. Bisher war das doch alles kein Problem für Deutschland, oder? Ernteausfälle, knappes Trinkwasser und Gesundheitsrisiken für die Schwächsten haben auch wir im Sommer 2018 erlebt. Sind wir auf zukünftige Wetterextreme vorbereitet?

Die EU plant in ihrem aktuellen Haushalt 6 Prozent ihres Budgets für die Anpassung an den Klimawandel ein. Bis zum Jahr 2020 erhält Deutschland davon 2,8 Milliarden Euro, um zum Beispiel Deiche zu stärken, den Weinbau an den Klimawandel anzupassen und die Luft sauberer zu machen. Mit weiteren 13 Prozent für den Umweltschutz und fast 10 Prozent für Projekte gegen CO2-Emissionen, sind das insgesamt fast 30 Prozent des Budgets. Reicht das?

Neueste Klimastudien zeichnen ein noch düsteres Bild. Von einer „Heißzeit“ und „Kippelementen“ ist die Rede, die wie Brandbeschleuniger auf den Klimawandel wirken können. Die Erwärmung schreitet demnach auch dann noch weiter voran, wenn wir die Klimaziele von Paris erreichen würden. Noch könnten wohl die schlimmsten Auswirkungen verhindert werden, wann kommt also der große Wurf in der Klimapolitik? Oder sollten wir vor der eigenen Haustür anfangen?

Erfahre mehr über den Umweltschutz der EU in unserer Infografik.

Was sagen unsere Leser? Ramie ist der Meinung, dass die EU den Klimawandel nicht nur verschläft sondern ignoriert. Er erinnert an die Konsequenzen wie den steigenden Meeresspiegel. Hat er recht? Ergreift Europa nicht genug Maßnahmen gegen den Klimawandel?

Wir haben Ansgar Kiene, Policy Advisor Climate and Energy bei Greenpeace in Brüssel, befragt. Was sagt er zu Ramies Frage?

Für eine weitere Perspektive haben wir die Frage auch Mathieu Fichter gestellt, Referent für Klima und Energy Politik, Generaldirektion für Regionalpolitik der Europäischen Kommission. Hat die EU den Klimawandel bereits verschlafen? Was können Regionen noch tun?

Der Klimawandel findet bereits statt und wird voraussichtlich weitergehen. Die EU, die Mitgliedstaaten und die Regionen führen eine Reihe von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel durch. In 2013 veröffentlichte die Europäische Kommission die EU-Strategie zur Anpassung an den Klimawandel. Eine Europäische Plattform für Klimaanpassung wurde entwickelt. Alle Mitgliedstaaten werden angehalten, umfassende Anpassungsstrategien zu beschlieβen. Entsprechende Strategien und Maßnahmen müssen auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene, länderübergreifend und auf EU-Ebene ergriffen werden.

Die EU stellt dafür auch finanzielle Mittel zu Verfügung, besonders für Regionen und Städte durch die europäische ‚Kohäsionspolitik‘: Den Bundesländern stehen Gelder in Höhe von 2.8 Milliarden Euro für die Anpassung an den Klimawandel in der Förderperiode 2014-2020 zur Verfügung. Die Regionen sollten also zuerst Anpassungsstrategien entwickeln um dann geeignete Projekte umzusetzen, z.B. in den Bereichen Hochwasserschutz oder Küstenschutz. Die Einbindung der Klimawandelanpassung in andere Politikbereiche ist von entscheidender Bedeutung, sowie die enge Zusammenarbeit mit den Gemeinden, NROs, Unternehmen, usw.

Ein gutes Beispiel ist das Projekt „Timmendorfer Strand“ in Schleswig-Holstein, das mit 9.5 Mio. Euro gefördert wurde. Da die Auswirkungen des Klimawandels keine Grenzen haben, ist grenzüberschreitende Zusammenarbeit auch sehr wichtig. Im Ostseeraum wird zudem das Projekt ‚Baltadapt, mitfinanziert, eine Anpassungsstrategie und Aktionsplan für den Ostseeraum.

Leser Felipe hat auch die Hoffnung aufgegeben. Er beklagt die vielen Schlupflöcher beim Umweltschutz, die der Industrie eingeräumt werden. Was können daher die regionalen Klimaschutzprojekte bewirken?

 Ansgar Kiene von Greenpeace hat folgende Antwort.

Abschließend hat uns Michael geschrieben. Er glaubt nicht, dass es genug Alternativen gibt, um unseren Energiebedarf nachhaltig decken zu können. Wie vielfältig sind die regional geförderten Projekte? Können sie in der Masse einen Unterschied machen?

Michaels Frage haben wir Mathieu Fichter von der Europäischen Kommission gestellt.

Die Bemühungen auf regionaler und lokaler Ebene, sowohl den Klimawandel zu verringern als sich auch an dessen Folgen anzupassen, sind ganz wichtig. Die EU und besonders die europäische ‚Kohäsionspolitik‘ helfen den verschiedenen Behörden und Akteuren mit finanziellen Mitteln konkrete Projekte umzusetzen. Lokal finden Investitionen z. B. in erneuerbaren Energien, Energie-Effizienz, nachhaltige Mobilität oder Forschung und Entwicklung in KMU’s statt. Engere und bessere Stadt-Land und/oder mehr grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Bereich Klimawandel werden auch gefördert. Obwohl schon viel passiert in all diesen Bereichen, muss noch viel mehr gemacht werden! Die Einbindung von allen Akteuren auf lokaler Ebene ist dabei wegweisend für den Erfolg der Projekte.

Auf lokaler Ebene sollte besonders auch die Anpassung an den Klimawandel vorangetrieben werden da die Folgen des Klimawandels (Hitzewelle, Dürre, Hochwasser, uvm.) immer häufiger werden. Es geht also um die Entwicklung lokaler Anpassungsstrategien, die Umsetzung von Vorbeugungsmaßnahmen und die enge Zusammenarbeit mit allen Akteuren die am ersten und/oder am schwersten betroffen sein könnten, wie die Landwirtschaft oder das Gesundheitswesen. Die EU kann den Kommunen und Akteuren dabei helfen, indem sie finanziell unterstützt.

Für eine andere Perspektive haben wir Michaels Frage zudem Ansgar Kiene von Greenpeace gestellt. Können wir unseren Energiebedarf allein über Alternativen abdecken?

Ist deine Region bereit für den Klimawandel? Wohnst du an der Küste oder in einer Region mit viel Landwirtschaft? Was glaubst du? Wir fragen bei Europas Experten nach!

Foto: (c) Bundesanstalt Technisches Hilfswerk
Portrait: (c) Fichter – Europäische Kommission


22 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst du?

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    Angelika

    Im Zusammenhang mit den Waldbränden in Schweden, Griechenland und Brandenburg im August habe ich gelesen, dass die EU den Einsatz der Löschgeräte, der Feuerwehren und der Experten koordiniert. Dadurch können die teuren Geräte gemeinsam genutzt werden und nicht jedes Land muss sich z.B. Löschflugzeuge anschaffen. Das finde ich sehr sinnvoll.

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    Daniel

    Nachdem ich nicht dran glaube, dass der Klimawandel aufgehalten werden kann, indem man sich nur auf die Reduzierung des Treibhausgases CO2 (Kernaussage der Theorie der „CO2-Lüge“) und auf das Einhalten des 2 Grad-Ziels konzentriert, denke ich nicht, dass es aufgehalten werden kann.
    Meine Region, Mittelfranken hat jedes Jahr mindestens einmal eine Überschwemmung, wenn sich die Regenfälle vergrößern, könnte es sein, dass die Rückhaltefläche nicht ausreicht, und die Schäden noch größer werden.
    Anmerkung: Die Stadt ist schon daran, den Hochwasserschutz auszubauen, doch gibt es noch niemanden, der es für den angepeilten Betrag schaffen könnte.
    Weite Teile der Umgebung werden für die Landwirtschaft genutzt, auch wenn es dieses Jahr keine Brände gab, leideten sie sehr unter der Dürre. Ob für die Zukunft externe Besässerungen geplant sind, um die Ernteausfälle zu reduzieren, war dieses Jahr noch nicht zu erkennen, aber vielleicht wird eine Lösung gefunden.
    Anmerkung: Die Folgen für die Landwirtschaft sind trotz der Hilfsangebote noch nicht abzusehen, erst nach der Saison kann dies anschließend geklärt werden.

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    Daniel

    Zum Thema: Ergreift Europa genügend Maßnahmen gegen den Klimawandel?
    Man kann auf vielerlei Arten dagegen vorgehen,
    zum einen kann die Konzentration innerhalb der Atmosphäre so verändert werden, dass der Treibhauseffekt reduziert wird, bspw. durch Reduzierung des Ausstoßes oder Reduzierung des Anteils von treibhauseffektsfördernden Gasen oder durch die Erhöhung der Konzentration der treibhauseffektslindernden Gasen.
    Als zweites kann durch die Veränderung der Oberfläche, die Aufnahme von Wärmeenergie der Erde verändert werden.
    Als drittes kann die direkte Wärmeaufnahme der Erde reduziert werden.
    (dies dient nur der Vollständigkeit, da beispielsweise die Auswirkung der Industrie durch große Abluft oder der Wärmeentwicklung durch Motoren und Heizungen verschwindend gering ist: << 1% der Erhöhung).
    An der Reduzierung des CO2-Ausstoßes sind die Länder dran, doch ist beispielsweise in Deutschland (fast) keine Verringerung festgestellt worden.
    Außerdem finde ich die Maßnahme, durch den Abgashandel den Austoß zu reduzieren zu langsam, und mit zu hohen Startwerten behaftet (laut Anstalt weit über den damaligen Ausstoß).
    Es gibt zwar Ideen, dass durch den forcierten Ausstoß von Schwefeldioxid (SO2) direkt in höhere Regionen der Atmosphäre der Treibhauseffekt reduziert werden kann (vgl. Vulkanausbruch), doch wegen der negativen Folgen (bspw. Saurer Regen) wird dies noch nicht durchgeführt, sollte aber als Ass im Ärmel eventuell vorbereitet werden.
    Die Senken zu schützen, ist noch nicht geplant, bzw. wird beispielsweise durch Deutschland nicht betrieben (vgl. Kein Kohleausstieg).
    Evtl. könnten in nicht erschlossenen Gebieten, nicht durch Landwirtschaft, Industrie oder Besiedlung, Wälder aufgeforstet werden, die von der EU gefördert werden (evtl. wird das schon über die Abgabe bei Brachliegenden Flächen bei der Landwirtschaft, doch hab ich noch keine exakten Zahlen dazu).
    In Amerika wird (vgl. Zeitungsartikel) ein Verfahren getestet, bei dem die Fahrbahnen weiß angestrichen werden, ob dies auch negative Auswirkungen auf die Fahrfähigkeit der Autofahrer (vgl. Blenden durch helle Oberfläche) nach sich zieht, ist noch unbekannt, sollte aber definitiv für Dächer in Städten mal in Betracht gezogen werden (sollte es wirtschaftlich sinnvoll umsetzbar sein).
    Ansonsten könnte man sich eine Initiative starten bei denen, der ÖPNV bei schlecht ausgebauten oder genutzten Strecken gefördert wird, um den Verkehr auf die Schiene zu bringen bzw. zu reduzieren.

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    Kai

    Bemerke immer mehr Umweltzonen, was scheiße ist für Leute die kein Bock haben ne unzuverlässige neue Plastikbüchse zu fahren

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    Jamie

    so lange wir nicht drastisch etwas an unserer Landwirtschaft ändern und endlich die Landwirtschaftliche großindustrie vom Feld verbannen können wir es vergessen das wir den klimawandel aufhalten oder Überleben…
    klingt im ersten Moment übertrieben aber wer sich intensiver mit der Klimaerwärmung beschäftigt hat und weiß das sie aus drei Dritteln besteht und was die tatsächlichen folgen sind wie beispielsweise der endgültige Zusammenbruch von unserem Magnetfeld (Erde = Mars) weiß von was och Rede.

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    Wolfgang

    Sollte Holland nicht schon seit Jahren komplett überflutet sein?

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    Denis

    Den von Menschen gemachten Klimawandel durch das Verbrennen Fossiler Brennstoffe ist leider 100% Realität – wer es nicht verstanden hat, es gibt 💯 Jahre Messungen, welche belegen, daß die Erde durch unsere maßloses Verhalten erwärmt wurde und noch weiter wird etc.. -, für die Menschheit gefährlichsten Verschwörungstheoretiker sind gerade die „Klimaleugner“…

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    Bernd

    Klimawandel…ihr habt doch ne enzündung im gehirn…der deutsche lässt sich doch alles einreden…

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    Günther

    Haut bitte ab mit diesem Geschwätz… Nervt die Chinesen oder sonstwen den es interessiert…

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    Andy

    Am besten mal alles durchlesen, dann weiß man wieso es jetzt wärmer wird. Da spielen viele Faktoren mit ein. 🤔

    Es wird nur vermutet, das es an die Treibhausgase liegt. Die können ja nicht mal das Wetter für morgen bestimmen, aber Hypothesen können sie aufstellen

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    Anna

    Klimawandel gab es schon immer, ist also ganz normal, auch wenn wir ihn auf verschiedenste Art und Weise sicherlich noch verstärken und beschleunigen, haben wir keinen Einfluss darauf, daß er überhaupt besteht.

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    Christian

    Manchmal hilft es auch, gewisse Dinge einfach zu akzeptieren. Das Klima ändert sich. Fakt. Hat es immer. Hat der Mensch Einfluss darauf genommen? Sehr wahrscheinlich ja. Werden wir die Veränderung aufhalten können? Sehr wahrscheinlich nein. Jedenfalls nicht mit der Frage, ob wir in D )bei einem gerade mal 2%-Anteil am Ausstoß der sog. Treibhausgase) durch die Änderung unseres Verhaltens darauf Einfluss haben und uns deshalb bis zum Niedergang selbst kasteien. Sollten wir Technologien entwickeln, damit andere Gebiete mit höheren Anteil am Ausstoß nicht auf die selbe Pro Kopf Leistung wie wir kommen? Ja. Müssen wir deshalb alles das heute! wo es noch unausgegoren ist und (s.o.) kaum Einfluss auf den Verlauf hat einführen? Nein.

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    Markus

    Immer wieder dieser Klimawandel der von Menschen verursacht wird.😂 Noch nie war das Wetter so stabil wie in den letzten mehreren Tausend Jahren! Was haben die Menschen eigentlich in der letzten Eiszeit angestellt das es so warm wurde?

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      Sven

      Dann schauen Sie sich dich zu bitte mal in der Realität um. Das arktische Eis nimmt stark ab, die Antarktis verliert Eis, Grönlands Gletscher schmelzen. Der Permafrostboden in Alaska und Russland taut auf. Der CO2 Gehalt der Atmosphäre ist so hoch wie seit 800.000 Jahren nicht mehr. Bitte mal mit Fakten beschäftigen bevor man sich über die Dinge lustig macht.

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      Markus

      Sven sowas gab es schon immer. Es war in der Geschichte der Erde auch schon wärmer als jetzt! Eiszeiten und Wärme Perioden gab es immer und wird es wahrscheinlich auch weiterhin geben. Vielleicht wird es in den nächsten 100 Jahren im Durchschnitt 5 Grad wärmer und danach fällt die Temperatur in nur 30 Jahren um durchschnittlich 15 Grad? (Kann kein Mensch der Welt voraus sagen)

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    Oliver

    Da gibt es nach Jahren mal wieder einen richtigen Sommer und auch einmal geht die Plärrerei vom Klimawandel los. Rudi Carell hat vor 40 Jahren schon „Wann wirds mal wieder richtig Sommer“ gesungen.
    Die ganzen letzten Jahre hat es mehr geregnet als das es wirklich warm war. Dürreperioden gab es schon vor Jahrhunderten.
    Na Hauptsache immer schön die Leute malträtieren mit dieser Kacke.

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    Peter

    Ja, mein Nachbar übt schon mal mit Wassereimer tragen und in den Gully entleeren.
    Mach er schon ganz gut.

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    Peter

    Ich glaube erst an die Aufrichtigkeit unserer Politiker zum Klimaschutz, wenn sie sich ernsthaft für das Ende des Abholzen des Regenwaldes einsetzen und das auch ernsthaft durchsetzen.

  17. avatar
    Cornelia

    Wie wird es wohl werden, wenn irgendwann die Pumpen in NRW das Grundwasser nicht mehr abpumpen….
    Ob die Neuen Dörfer schon so geplant wurden, das die dann im Trockenen stehen ?

  18. avatar
    Ralf

    Bereit für die unschöne Wahrheit ?
    😂😂😂😂
    Ihr macht hier die Welle mit klimawandel und zum Bundestag lässt sich eine Grüne bis fast vorne dran fahren und lässt sich dann das Fahrrad aus dem Kofferaum holen.
    Ihr seid nicht ganz dicht.

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