Das ist Anarchie! Meist verbinden wir Chaos, Gesetzlosigkeit und Gewalt mit dem Konzept, Anarchie wirkt auf die meisten bedrohlich. Stimmt das aber überhaupt? Es gibt sehr viele Facetten der Anarchie, sie haben gemeinsam, dass die Abwesenheit von Herrschaft gefordert wird. Es darf niemandem etwas aufgezwungen werden, weder durch einen König noch durch einen Staat oder einen Gott. Vielmehr sollen sich die Mitglieder einer Gemeinschaft gemeinsam auf Regeln einigen. Das klingt doch ganz gut, oder?

Anarchie in der Praxis

In der Geschichte der Menschheit wurden viele Versuche unternommen, Anarchismus umzusetzen, oft auch mit Gewalt. Daher kommt sicher das negative Image. Es gibt aber auch erfolgreiche Beispiele: So konnten die Anarchisten ihre Ideen in großen Teilen Spaniens nach der Revolution 1936 umsetzen. Die Landwirtschaft und Unternehmen wie Hotels und Restaurants wurden kollektiviert und Fabriken von Arbeiterkomitees betrieben, die Geldwirtschaft zum Teil abgeschafft. Dabei konnte die Produktivität sogar verbessert werden, bis Franco 1939 den spanischen Bürgerkrieg gewann und der Anarchie ein Ende setzte. In der Ukraine umfasste das anarchistische Gebiet der Bauern- und Partisanenbewegung zwischen 1917 und 1922 bis zu sieben Millionen Menschen und auch die Bayern haben nach dem Ende des Ersten Weltkriegs versucht, eine Räterepublik zu etablieren.

Anarchie heute

Bis heute gibt es kleine Gemeinden, die lokal begrenzt ihre Anarchie leben. Zum Beispiel hält sich die Freistadt Christiania in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Dort lebt eine autonome Gemeinde von 900 Mitgliedern unter gemeinsam bestimmten Regeln, die von den dänischen Behörden geduldet wird. In Christiania gibt es weder Mieten noch Hauseigentum. Die Straßenreinigung, Post und Kindergärten werden gemeinsam organisiert.

Was ist von der Anarchie geblieben?

Die Anarchisten haben Revolutionen angestoßen, von denen noch heute viele Ideen geblieben sind: erste Gewerkschaften, freie Schulen, antiautoritäre Erziehung und freie Liebe. Klingt vertraut? Viele andere Gesellschaftsmodelle wurden vom Anarchismus beeinflusst! Dennoch bleibt fraglich, ob Anarchie auch in der Praxis auf Dauer funktionieren kann. Wie würde die Arbeitsteilung funktionieren? Wer würde sich freiwillig melden, um Müll einzusammeln? Könnte ein anarchistisches Kollektiv seine Grenzen zu den Nachbarstaaten schützen? Schreibt uns Eure Meinung, wir sind gespannt!

Foto: BigStock (c) KYNA STUDIO


One Kommentare Schreib einen KommentarKommentare


  1. avatar
    Daniel Fechner

    In der Theorie hört es sich gut an, doch wird sich in jeder Anarchie in kurzer Zeit so etwas wie ein Gesetz, oder ein Leitsatz, nachdem man zusammenlebt, etablieren.
    Alternativ müssten alle Mitglieder der Gemeinschaft mehr oder weniger selbstlos der Gemeinschaft dienen bzw. diese unterstützen wollen, entweder weil man dahinter steht, oder die Alternativen ablehnt … dies würde sich ähnlich äußern wie Gewalt, und es besteht die Frage, wie man mit den Mitgliedern umgeht, die sich asozial verhalten.
    Auf die Frage, wie ist es im Kriegsfall … dafür wäre es nicht geeignet, wenn man nur mal an die Demokratien denkt, die lassen für diesen Fall auch Notstandsgesetze zu.
    Zu den Grenzen, es kommt darauf an, wie fähig die Gemeinschaft ist, und wie sich die Umgebung, bzw. die dort lebenden Menschen und Gemeinschaften verhalten, freundschaftliches Verhalten wäre ohne Probleme, wie ist es aber mit asozialen?
    In der Idee klasse, es stellt aber meiner Meinung sehr viele Voraussetzungen an die „Bürger“ und die Umgebung, die in fast allen Gemeinschaften ein gutes Zusammenleben ermöglichen.

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