Was ist schlimmer als ein Wurm im Apfel? Ein halber Wurm! Das ist zumindest die westliche Sicht auf Insekten als Nahrungsmittel. Auf den anderen Kontinenten sieht das aber ganz anders aus: Bei den traditionellen Gerichten Asiens, Afrikas, Südamerikas und Australiens wird ganz selbstverständlich mit Insekten gekocht. Was, wenn das die umweltfreundlichere und gesündere Küche ist? Zumindest rechtlich ist inzwischen alles geklärt: Die unterschiedlichen Regelungen der einzelnen Mitgliedsländer wurden Anfang des Jahres durch eine einheitliche der EU ersetzt.

Wie überwinden wir den Ekel? Mit Shrimps und Garnelen haben wir kein Problem, aber Heuschrecken und Mehlwürmer sind in Europa ein Nahrungstabu. Wer würde sich wegen der eigenen Gesundheit umstellen? Wer würde damit seinen Beitrag zum Umweltschutz leisten wollen? Insekten sind in der Aufzucht viel umweltfreundlicher als Rinder, Schweine und Hühner, da sie weniger Futter und Wasser brauchen und deutlich weniger CO2 ausstoßen. Darüber hinaus liefern sie fettarm Proteine und Vitamine. Würdet ihr euch darauf einlassen?

Wir erhielten einen Kommentar von Martina, die diese Diskussion unsinnig findet. Ihrer Meinung nach würde kein Westler seine Ernährung auf Insekten umstellen. Ist sie zu pessimistisch?

Wir fragten Roberto Flore, einen Koch aus Sardinien, der mit Insekten in seiner Küche experimentiert. Wie reagieren seine Gäste auf die Menüs? Wer kauft seine Kochbücher? Wie wagemutig sind die Europäer?

Ich halte es für sehr wichtig, über unsere Ernährungsgewohnheiten zu sprechen. Wir beeinflussen damit Milliarden Menschen, wir müssen unseren Konsum ernsthaft diskutieren. Viele Menschen wollen Veränderung und diese Stimmen muss man hören. Ich glaube es gibt viele, die Insekten kosten würden. Auch in Europa gibt es zum Beispiel in Sardinien die uralte Tradition, Insekten zu essen. Es gibt also auch ganz traditionelle Konsumenten, die das ausprobieren würden.

Für eine weitere Perspektive fragten wir Eustacia Huen. Sie probiert neueste Lebensmitteltrends aus und schreibt darüber unter anderem für das Magazin ForbesLife. Gibt sie Martina recht?

Ich stimme nicht zu. Es hängt davon ab, wieviel man reist und liest oder wenn sich Lebensumstände ändern. Es gibt ständig Anlässe für eine Veränderung von Essgewohnheiten. Ich muss auch selbst gestehen, etwas unsicher bei Insekten als Nahrungsmittel zu sein. Aber trotzdem macht die Diskussion Sinn. Natürlich bleibt es die eigene Entscheidung, ob du Insekten probieren willst oder eben nicht. Man kann diese Trends im Essen ganz unterschiedlich mitmachen. Niemand wird gezwungen, jetzt eine Heuschrecke zu essen. Man kann ja erst einen Müsliriegel oder Milkshake mit Insekten probieren.

Ein anderer Faktor ist die Globalisierung. Andere Kulturen, zum Beispiel in Asien, haben schon immer Insekten gegessen. Der dänische Spitzenkoch René Redzepi hat in seinem berühmten Restaurant Noma auch schon lebendige Shrimps mit Ameisen serviert. Daher glaube ich schon, dass die europäischen Konsumenten dafür offen sind, Neues auszuprobieren, dazu gehört auch Entomophagie. Wir sollten uns ganz offen auf solche Diskussionen einlassen, die brauchen wir letzten Endes für mehr positive Veränderung.

Würdet ihr Insekten essen, um den Planeten zu retten? Wie wagemutig sind Westler bei ihrer Ernährung, wenn die Umstellung für eine gute Sache wäre? Schreibt uns eure Erfahrung, wir bringen sie in die Debatte ein!

Foto: (c) BigStockPhoto – stockphototrends



27 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst du?

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    Moki

    Ich bin Vegetarier. Einen Teller Maden essen würde ja an Genozid grenzen o.o

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      Manfred

      Dann frag dich mal, wie viel Bakterien (ja, das sind auch Lebewesen 😏) du schon gegessen hast, und schon war es das, mit dem schönen Traum, von Vegetarismus….. 🤣

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      Moki

      Bakterien haben keine Gehirne. Maden schon.
      „Oh ich hab durch Hände desinfizieren Millionen Bakterien getötet. Naja, dann kann ich jetzt ruhig die Ziege da umbringen.“ xD
      Spacko
      Es gibt nichts peinlicheres als Rechtfertigungsversuche.

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    Harun

    Verarbeitet man die Insekten so, dass man sie nicht als solche erkennt. Sie mit eine E – Nummer kennzeichnet. Interessiert sich doch kaum noch jemand dafür was es ist. Hauptsache günstig.

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    Tobias

    Und die, ‚die es sich ja erarbeitet haben‘ essen so weiter wie bisher…?

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      Trey

      Oder sollten wir sagen „die, die eine too big to fail Firma geerbt haben“ ?

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    Holger

    Wer glaubt denn dass dies reicht um das Klima zu beeinflussen? Naja ich habe schon mal Mehlwürmer und Heuschrecken zubereitet probiert nur ist das nichts für mich. Nur zu behaupten man würde dadurch den Planeten retten, finde ich grob fahrlässig.

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    Trey

    Nein. Aber um meinen Appetit zu stillen, sofern sie gut schmecken.

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    Johannes

    Nicht nötig, denn der Anstieg von CO2 sorgt für reiche Ernten weltweit.

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    Klaudia

    Die Insekten sind doch laut Nabu am Aussterben und ohne Insekten verrecken wir alle sagen die! Was ist denn dass für ne Logik?

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    Hans

    wohl eher nicht. Retten ließ sich der Planet auch ohne solch einen bäh Mampf.

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    Daniel

    Es war eine interessante Erfahrung, doch finde ich das die genauso wie unsere Fleischprodukte verarbeitet werden sollten … Wer legt sich auch nen ganzes Schwein auf den Teller

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    Jens

    Theoretisch kann Insektenzucht vielfältiger genutzt werden. Da kaum Resourrcen, kann ein Teil der Produktion doch theoretisch ins freie gelassen werden für Vögel und gegen Insektensterben? Ähm nur grobe Idee

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    Kim Anja

    Findet ihr nicht, dass die Fragestellung etwas übergriffig ist?

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      Kim Anja

      Weil ihr impliziert, dass Insekten zu essen, die Welt rettet.

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      DebatingEurope/DE

      Naja, wenn mehr Menschen Mehlwürmer statt Steaks essen würden, wäre das eine effektive Maßnahme im Kampf gegen den Klimawandel. Ob das jemand möchte, bleibt natürlich „Geschmackssache“!

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    Hans

    Nein, wenn wir an dem Punkt angekommen sind Insekten zu mapfen, dann haben wir kollektiv mit diesem Planeten etwas falsch gemacht.

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    Christina

    Einfach rein pflanzlich ernähren und gut ist. Kein Vegetarier/Veganer leidet an Proteinmangel.

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    Phillip

    Es ist Fleisch… Immer her damit!

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    Petr

    Es muss nur richtig angerichtet werden, ich habe kein Problem einen Burger Pattie aus Insekten zu essen, nur bin ich nicht bereit für 100g 6€ zu zahlen, das steht in keinem Verhältnis zu dem oft angepriesenen Argumenten wie schnell wachsend, wenig Ressourcen verbrauchend, günstig in der Produktion.
    Damit es Menschen probieren, muss es günstiger werden.

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    Hermann

    Ich würde alles tun um den Planeten zu retten. Die Erde ist unser Lebensraum.

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