Die Zahl der ankommenden Flüchtlinge in Europa ist massiv gesunken. Zwischen Januar und Mai diesen Jahres erreichten 28.000 Flüchtlinge die Küsten Europas, was 53% weniger als im Jahr 2017 und 85% weniger als im Jahr 2016 im gleichen Zeitraum sind.

Dennoch ist die Politik zum Thema nicht einfacher geworden. Europa streitet sich darüber, was aus den Menschen werden soll, die bereits hier sind. Der europäische Verteilungsschlüssel scheint gescheitert, viele Betroffene bleiben in Auffangzentren oder auf griechischen Inseln gestrandet, ohne dass ihr Status geklärt wird, und weiterhin wird von Populisten europaweit Stimmung gemacht.

Die europäischen Länder an der Mittelmeerküste fühlen sich im Stich gelassen. Auch wenn zum Beispiel Griechenland finanzielle Unterstützung empfangen hat, ist das Land durch seinen zeitgleichen Kampf gegen die Nachwirkungen der Finanzkrise durch die Anzahl der Flüchtlinge überfordert. Nichtregierungsorganisationen kritisieren die Lebensumstände von Flüchtlingen in Griechenland seit Jahren. Aber auch Einheimische fühlen sich von ihrer Regierung nach Jahren von Sparmaßnahmen im Stich gelassen. Ein Drittel der Griechen haben 2016 Armut oder soziale Exklusion erfahren. Das führt inzwischen zu Protesten von Migranten und Griechen auf den Straßen Athens.

Um die Flüchtlingskrise in Europa näher zu betrachten, haben wir das Projekt „Cities & Refugees“ gestartet. Das Ziel: ein europaweiter Dialog zwischen Bürgern, Asylbewerbern, NGOs, Politikern und europäischen Führungskräften. Ein besonderes Augenmerk legen wir dabei auf die Verbindung zwischen dem alltäglichen Leben der Menschen in Städten und Gemeinden und den Entscheidungen, die in Brüssel und anderen europäischen Hauptstädten getroffen werden.

Für einen schnellen Überblick: unsere Infografik zum Thema!

Was denken unsere Leser? Robert hat uns geschrieben, dass die EU sich solidarischer verhalten und Griechenland mehr Flüchtlinge abnehmen sollte. Hat er recht? Haben die anderen Mitgliedsländer nicht genug getan?

Wir fragten bei Athens Bürgermeister Giorgos Kaminis nach.

Für eine weitere Perspektive auf das Thema fragten wir Dr. Angeliki Dimitriadi von der Hellenistischen Stiftung für Europäische und Außenpolitik. Sollten die Mitgliedsstaaten Solidarität zeigen und mehr Flüchtlinge aus Griechenland aufnehmen?

Ich würde beide Teilfragen mit einem „Ja” beantworten. Aber es ist nicht allen klar, was wir unter Solidarität verstehen. Die EU war in Bezug auf finanzielle Hilfen solidarisch; die griechische Regierung und Nichtregierungsorganisationen haben hohe Beträge erhalten, um die Krise bei der Registrierung, Aufnahme und Unterstützung Schutzbedürftiger zu bewältigen. Solidarität in Bezug auf finanzielle Unterstützung besteht bereits. Der fehlende Part ist der zweite in Bezug auf eine Verteilung der Flüchtlinge innerhalb der EU.

Mit anderen Worten: Wir brauchen mehr EU Länder, die Menschen aufnehmen, die bereits in Griechenland und Italien angekommen sind und ankommen werden. Wir brauchen ein dauerhaftes Quotensystem und einen Verteilungsschlüssel, einfach weil die Länder an den Grenzen der EU das nicht schaffen können. Sie können nicht alle registrieren, versorgen und denen Asyl gewähren, die über die Außengrenzen in die EU kommen.

Sollten reiche Länder mehr Flüchtlinge aufnehmen? Hat Europa Griechenland und Italien im Stich gelassen? Sollte noch einmal eine gerechte Verteilung nach einer Quote versucht werden? Schreibt uns eure Ideen und wir fragen nach!

Foto: CC / Flickr – Freedom House; Portrait: (c) Dr. Angeliki Dimitriadi
EU_for_citizens
Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser, die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.


25 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst du?

  1. avatar
    Maria

    Nein. Ich bin der Meinung man sollte ihnen in ihrem Land helfen

    • avatar
      Nardo

      Das eine schließt das andere ja nicht zwingend aus

    • avatar
      Per

      Nardo Vogt das eine ist kurzfristig und hilfreich für wenige, dass andere ist langfristig und hilfreich für viele. Jetzt stell dir die Frage willst du wenige helfen oder viele?

    • avatar
      Thomas

      Die Grütze hören wir jetzt seit Jahren. Ist seitdem auch nur irgendeine der Fluchtursachen effektiv abgestellt worden?
      Nein. Wir liefern weiter Waffen in alle Welt und scheißen auch weiterhin die afrikanischen Binnenmärkte mit unseren subventionierten EU-Erzeugnissen derart zu, dass dort die lokale Wirtschaft kaputt geht. Wehren können die sich ja nicht dagegen, dank der tollen Freihandelsabkommen, die man ihnen abgepresst hat.

  2. avatar
    Martin

    Wie wäre es, wenn nationale Parlamente sich zuerst um die Belange der eigenen Bevölkerung kümmern, bevor sie mit populistischem Aktionismus versuchen die gesamte dritte Welt zu retten.
    Schließlich wurden sie hierfür gewählt.

    • avatar
      Hans

      Schlafen Sie auf der Strasse Skorny? D wird weiterhin Flüchtlinge aufnehmen und menschwürdig behandeln.

      Humanistische Haltung ist dem AfD/NPD Gesindel fremd.

    • avatar
      Martin

      Hans Meierding
      Blub.

    • avatar
      Iwona

      Hans Meierding wer bezahlt sie?

    • avatar
      Marco

      Diese Menschen sind ganz groß darin das Geld der anderen auszugeben. Sie besitzen sogar noch die dreistigkeit diese zu beschimpfen, die nicht die ganze Welt durchfüttern möchten. Ich schlage vor, denen vor lauter Gutmensch sein einer emotional abgeht, sollen den Quatsch aus eigener Tasche bezahlen.

    • avatar
      Fa Bo

      Martin Skorny 1923 wurde so eine Idee, dass man sich erst um das eigene Volk kümmert und dann um andere, von einem Mann namens Mussolini in Italien eingeführt. Dafür liebte ihn die Bevölkerung und er tat viel für sein Volk. Diese Staatsform nannte er „Faschismus“. Das war der ursprüngliche Faschismus, bevor er mit Hitlers Nationalsozialismus vermischt wurde. Würde jedes Land dieser Erde den ursprünglichen Faschismus leben, hätte die Welt keine Probleme.

    • avatar
      Martin

      Fa Bo
      Was für eine historische Grütze soll das denn sein?
      Schon mal gelesen, was über dem Westportal des Reichstaggebäudes steht?

    • avatar
      Markus

      Hans Meierding also die AFD ist mit humanistische Haltung besser als die anderen Parteien

    • avatar
      Anna-Lena

      Meyerding, was für eine blöde Frage, ob hier einer auf der Straße schläft! Schon mal was von Altersarmut und Kinderarmut hier gehört? Und ja, auch hier schlafen so einige Leute auf der Straße, darunter viele, die hier schon länger leben! Kümmert die Regierung nicht besonders, immer weiter rein mit den „armen Flüchtlingen“! Die Bestechungsgelder für Ärzte und Anwälte können die ja offensichtlich aufbringen, während die wirklich Armen in ihren Ländern kaum Hilfe kriegen

  3. avatar
    Yves

    Die Frage Deutschen zu stellen ist schon ähhm, arg frech… mal aus dem Fenster geguckt? Siehts denn hier teilweise anders aus? Balkanstaaten? Siehts da besser aus? Hier gibts nur mehr Kohle, das restliche Chaos herrscht überall vor. Nur eines ist eben da unten nicht der Fall – man lässt sich nicht so auf der Nase rumtanzen wie in der merkel’schen BRD.

  4. avatar
    Heinrich

    Besser ….die Quelle dieses Elends „austrocknen“ lassen und vor Ort helfen. Die EU kann doch nicht die ganze Welt retten, aber beeinflussen und helfen – schon. Sonst gehen wir alle zugrunde. Absichtliche Politik ??

  5. avatar
    Riccardo

    Grenzen DICHT!!!!!!!!!! Unsere Rentner werden immer ärmer. Die Altersarmut steigt! Ds Sozialsystem wird gnadenlos ausgesaugt. Und die, die dies alles finanzieren gehen Flaschen sammeln!!

  6. avatar
    Pius

    noch mehr ? nichts gegen Hilfe aber sollen wir es nun allein stemmen ? dann Garantiere Ich euch wird die nächste Bundeskanzlerin eine von der AFD . nicht weil Ich das möchte sondern weils unsere sogenanten etablierten Parteien nicht verhindern , durch vernünftige Flüchtlings und EU Politik . DAS ! sind halt mal momentan die beherschenden Fragen . Egal wie man dazu steht .

  7. avatar
    Carsten

    Nein. Ich bin dafür das man diese Immigranten nicht dazu ermutigt nach Europa zu kommen.

  8. avatar
    Thomas

    Nein. Grenzen soweit möglich schließen. Geldleistungen abschaffen. Rückführungsabkommeb mit Afrika.

  9. avatar
    Ronny

    Erstmal sollten wir ALLE ohne Bleibemöglichkeiten wieder loswerden.
    Niemanden ohne Bleibemöglichkeiten mehr reinlassen.
    Und schon ist das Problem nicht mehr ansatzweise so groß.

  10. avatar
    Heinz

    Nein ……Rückführung ist das Maas der Dinge….sonst gibt’s früher oder später einen Bürger Krieg

  11. avatar
    Andre

    Bin der Meinung man muss das elend vor Ort bekämpfen um eine Flucht zu verhindern. Das Problem ist doch das die Hilfe nicht bei den Menschen ankommt und deswegen hauen die ab.

  12. avatar
    Mitzo

    Die EU hat das ganze ins rollen gebracht, die Länder versprechen gegeben und Hilfen zugesprochen, am Anfang War es auch so, und jetzt merken die EU, Hallo ist nicht mehr zu bewältigen und die Mitgliedstaaten sind auf sich allein gestellt, was sollen jetzt die armen Ländern tun, denn die Länder sind hoch Verschuldet und jetzt soll das meiste in den Ländern Privatisiert werden, wie erst jetzt bekannt wurde, dass Griechenland, dass Wasser Privatisiert werden soll, dass ist mit Sicherheit keine Lösung, sondern ein Scheitern der EU

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Notify me of new comments. You can also subscribe without commenting.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Mehr Debatten-Reihen – Cities & Refugees Alle anzeigen

By continuing to use this website, you consent to the use of cookies on your device as described in our Privacy Policy unless you have disabled them. You can change your cookie settings at any time but parts of our site will not function correctly without them.