Haben wir alle „gläsernen Decken“ durchbrochen? In der EU gelten formal die gleichen Rechte für alle und die Unterschiede in den einzelnen Staaten sind extrem, aber nur eine von drei Führungskräften ist im europäischen Schnitt eine Frau und sie verdient im Schnitt fast ein Viertel weniger als ein Mann. Ist das gerecht?

Was müssen wir ändern? Die Statistiken zeigen eindeutig, dass Frauen meist weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Auch wenn Faktoren wie Teilzeit, Erfahrung und die Branchen einbezogen werden, lassen sich Gehaltsunterschiede nicht beschönigen. Auch bei der politischen Repräsentation ist die Hälfte der Menschheit nicht entsprechend vertreten: Gerade einmal 27 Prozent der Politiker sind weiblich. Aktivisten bezweifeln, dass damit die Interessen der Frauen in die Gesetzgebung miteinfließen. Letztendlich ist auch sexualisierte Gewalt gegen Frauen Thema: #metoo hat verdeutlicht, dass sie für viele Frauen Alltag ist.

Was denken unsere Leser? Wir erhielten einen Kommenatar von Anne, die glaubt, dass „noch viel zu tun“ sei, bis wir Gleichberechtigung von Mann und Frau erreichen. Hat sie recht?

Wie erreichen wir Gleichberechtigung am besten? Wir haben Europaabgeordnete aus dem gesamten politischen Spektrum gefragt, wie ihre Parteien zu dieser Frage stehen. Seht ihre Antworten und bildet euch eine Meinung. Welche Ansichten unterstützt ihr? Wem würdet ihr bei den Parlamentswahlen eure Stimme geben? Stimmt jetzt ab, diskutiert mit und wir geben euer Wahlergebnis weiter!

Linke
Europaabgeordnete Lídia Senra:

Wir können nicht weiter von Demokratie sprechen, wenn ein Teil der Gesellschaft Frauenrechte verachtet. Nicht einmal in den Europäischen Institutionen und Parteien gibt es einen Fortschritt beim Kampf gegen Sexismus.

Ich glaube nicht, dass die Gesetze richtig angewendet werden. Daher ist eines der wichtigsten Themen eine sensibilisierende Weiterbildung für alle, die Gesetze bewerten und umsetzen, vor allem in der Justiz.

 

Zusätzlich sollte die Europäische Kommission eine Direktive erlassen, die sexualisierte Gewalt bekämpft und das auch zu einer Priorität erklären.

Grüne
Europaabgeordnete Terry Reintke:

Liberale
Europaabgeordnete Angelika Mlinar:

Da ich im Frauenausschuss des Parlaments FEMM und in der ALDE Gruppe für Gleichberechtigung arbeite ist Gleichberechtigung eines meiner Hauptaufgaben.

Wir müssen von Beginn an in die Ausbildung junger Frauen investieren. Mädchen sollten verstehen und auch daran glauben, dass sie die gleichen Chancen auf eine erfolgreiche Karriere haben, egal in welchem Bereich. Wir müssen die Qualität der Ausbildung sicherstellen, die Lernumgebung und ihre Strukturen müssen sicher, angemessen und inklusiv sein. Dann sind weiterhin die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie und geschlechtsbezogene Diskriminierung am Arbeitsplatz und in der Selbstständigkeit ein Problem. Es hat sich schon vieles verbessert, aber es ist noch ein langer Weg bis zur vollkommenen Gleichberechtigung. Der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen ist noch viel zu groß.

Darüber hinaus ist der Männeranteil im Parlament und Management unproportional groß. In meiner Arbeit als Politikerin unterstütze ich Frauen darin, eine Karriere in der Politik aufzubauen und gegen die Stereotype zu kämpfen. Eine zunehmende Partizipation von Frauen hat zu mehr ökonomischen Profit, Kooperation zwischen den Parteien und zu politischen Initiativen im Sinne der Gleichberechtigung geführt.

Christdemokraten
Europaabgeordnete Barbara Matera:

Anne, meiner Meinung nach gibt es viele gute Wege, um Gleichberechtigung zu erreichen. Für mich ist eine geschlechtersensible Bildung der beste Weg um die Art von Gleichberechtigung zu erreichen, von der wir seit Jahren sprechen. Wenn nur alle Länder bei Geschlechterstereotypen sensibler würden.

Beim Zugang zu Bildung ist schon viel erreicht worden, aber der Prozess, das Bildungssystem zu sensibilisieren und zum Beispiel auch in Lehrbüchern positive Stereotype zu verbreiten, geht nur langsam voran. Das ist sehr wichtig, wenn wir Mädchen wollen, die eine gerechtere Gesellschaft formen sollen, wenn sie die Schule verlassen. Es gibt die Tendenz, dass Länder glauben, alles sei in Ordnung, so lange genauso viele Mädchen wie Jungen zur Schule gehen.

Konservative
Europaabgeordnete Jadwiga Wiśniewska:

Eine der Prioritäten der Europäischen Union ist, die Situation von Frauen auf dem Land zu verbessern. Wir wissen alle gut, dass die Situation für Frauen auf dem Land besonders schwierig ist. Oft verrichten sie die gleiche, harte physische Arbeit wie Männer, erhalten aber weniger Gehalt. Sie haben auch einen erschwerten Zugang zur Gesundheitsfürsorge, Bildung und Weiterbildung.

Es ist sehr gut, dass wir heute über diese Probleme reden, denn wir können die Situation der Frauen effektiv verbessern, wenn wir den Zugang zu Bildung, Gesundheit und Sozialhilfe vereinfachen. Wir sollten auch Frauen ein Recht auf eine Rente sichern, die Zeit ihres Lebens für Ältere, Kranke und Kinder gesorgt haben.

Diese Prioritäten werde ich unterstützen, sie sind richtig und gut, ohne unnötige Ideologie.

Europaskeptiker
Europaabgeordneter André Elissen:

 Finde mehr zum Thema Gleichberechtigung in Europa in unserer Infografik.

Fotos: (c) / BigStock – sangriana; Portraits: Lidia Senra CC – Adrián Estévez, Angelika Mlinar CC – Welt Atlas, Barbara Matera CC – European Parliament, Jadwiga Wiśniewska CC – Poseł Jadwiga Wiśniewska
Mit finanzieller Unterstützung durch das Europäische Parlament.

 



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3 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

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  1. avatar
    Daniel Fechner

    Ultimativ sollte die Gleichberechtigung in den Köpfe der Bürger ebenfalls verwurzelt werden, Gesetze schaffen dafür einen Rahmen, doch sollte es nicht nur dabei belassen werden.
    Die Ideen der Politiker scheinen meiner Meinung eher meist die ein Schuss vor dem Bug, treffen nicht den Grund können aber Anreize treffen, doch in die richtige Richtung zu bewegen.
    Zuerst zur Idee, der Europaskeptiker, die Lösung aufnationaler Ebene zu bewältigen:Ja, viele Länder viele Meinungen, einen Masterplan gibt es nicht, doch sollte zumindest eine Richtung vorgegeben werden, nicht dass es bei Lippenbekenntnissen bleibt.
    Als nächstes zu den Christdemokraten, Bildung geschlechterspezifisch organisieren:
    Dies kann die Idee in den Köpfen verankern, doch wird es wohl mindestens eine wenn nicht sogar 2 Generationen benötigen bis sich eine spürbare Verbesserung einstellt.
    Zu den Konservativen, Situation auf dem Land verbessern:
    Allgemein dauert es länger bis sich Änderungen in ländlichen Gebieten einstellt, dies ist aber von Land zu Land unterschiedlich. Ein Problem von vielen könnte dabei gelöst werden, Europa sollte hierbei nur die Rahmenbedingungen vorgeben, dies wurde meiner Meinung aber schon in die Wege geleitet.
    Zur Position der Linken, eine Direktive zur Bekämpfung der sexualisierten Gewalt mit einer Sensibilisierung der Juikativen zum Thema:
    Dies trifft nur zum Teil das Thema, sexualisierte Gewalt ist ein wichtiger Teil, doch liefert diese Idee keine Lösung zum wichtigsten Teil, gleiche Teilnahme an der Gesellschaft.
    Zur Meinung der Liberalen, Teilhabe in Arbeit und Gleichberechtigung in jener, sowie höherer Anteil in der Politik:
    Zugegeben ein wichtiger Teil, doch sollte nicht der Eindruck erweckt werden, dass Frauen schwächer sind und deswegen Unterstützung erhalten sollten. Damit mehr Frauen in den politischen Gremien sitzen, sollten mehr aufgestellt werden, doch dies kann und sollte nicht durch die Wähler geschehen, da diese nur Vertreter_innen ihrer Meinung wählen sollten.
    Zur Meinung der Grünen, Gender Pay Gap:
    Eine gerechte Bezahlung versteht sich von selbst, aber zu diesem Thema gibt es schon eine Richtlinie der EU (gleicher Lohn für gleiche Arbeit), es müssen jetzt die Länder aktiv werden, um diese Richtlinie in der Gesetzgebung zu verankern (dies ist noch nicht geschehen).
    Zur genannten Zahl 16%, handelt es sich dabei um den bereinigten oder den unbereinigten, aus der Berichterstattung in Deutschland (auch aus der Aussage des Presseamts der Bundesregierung) wird deutlich, dass diese Begriffe gerne vertauscht werden, bzw. der Begriff „Arbeitskollege“ für „andere Arbeitnehmer“ eingesetzt wird (unbereinigter Gender Pay Gap bedeutet:
    durchschnittliches Gehalt;
    bereinigter Gender Pay Gap bedeutet:
    Durchschnittlicher Stundenlohn bei gleicher Qualifikation und gleichem Arbeitsbereich)
    In Anbetracht aller Beiträge der Parteien stimme ich wohl den Europaskeptikern zu, nicht deswegen weil die Eu hier nicht aktiv werden sollte, sondern weil sie schon das meiste gemacht hat, damit Europa sich in die richtige Richtung bewegt, jetzt müssen die Länder aktiv werden, um es in nationales Gesetz umzuwandeln und um jenes auch anzuwenden.

  2. avatar
    Dave

    Ökonimische Gleichberechtigung kann meiner Meinung nach nur dann erreicht werden wenn es für einen Arbeitgeben gleich „riskant“ ist, Männer und Frauen einzustellen. Wenn beide gleich lange in Elternzeit gehen (siehe System zB in Schweden), und sich Kinderbetreuung gleichmäßig aufteilen, dann gäbe es keinen Anreiz, Männer zu bevorzugen.
    Das hilft aber nur bei Einstellungen und Arbeitssuche. Wenn es um Gehalt geht dann brauchen wir gestzliche Regelungen, die Zähne haben. Freiwillige Verpflichtungen oder „Naming and Shaming“ reicht nicht aus. Wenn Unternehmen gegen die neue Datenschutzrichtlinie verstossen, können bis zu 4% der weltweiten Umsätze als Buße fällig werden. Wieso nicht ähnlich hart vorgehen wenn es klar nachweisbare Geschlechterdiskriminierung gibt?

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