Der Erste Weltkrieg sollte nach H.G. Wells der Krieg sein, „der Krieg beendet.” Siebzehn Millionen Tote seien genug, aber der britische Premier David Lloyd George soll zynisch kommentiert haben: „Dieser Krieg wird genauso wie der nächste alle Kriege beenden.“

Auch ein Jahrhundert später begleiteten uns Kriege. Syrien, Irak, Libyen, Afghanistan und die Ukraine; der Drogenkrieg in Mexiko, das Säbelrasseln in Nordkorea…den „letzten Krieg“ hat es noch nicht gegeben. Kann es ihn geben? Ist Krieg einfach Teil der menschlichen Natur oder gibt es Hoffnung?

Hundert Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs veröffentlicht Debating Europe eine Serie von Debatten zum Thema. Wir werden mit euch die Ursachen und Folgen des Krieges diskutieren. Was haben wir hundert Jahre später daraus gelernt?

Was denkt ihr? Unser Leser Andrew ist besorgt ist, dass viele Ursachen des Ersten Weltkrieges noch heute präsent sind. Er nennt nationalistische Propaganda der Presse, geopolitische Machtverschiebungen und neue Technologien, die den Arbeitsmarkt und die Kriegsführung verändern. Hat er recht? Erfüllen wir alle Bedingungen für einen weiteren Weltkrieg?

Für eine Antwort fragten wir bei Dan Carlin nach, der einen sehr populären Geschichtspodcast betreibt. Gerade hat er sich intensiv mit dem Ersten Weltkrieg beschäftigt. Stimmt er Andrew zu? Erfüllen wir ähnliche Voraussetzungen für einen Weltkrieg?

Ich glaube schon. Aber hier ist der Unterschied: Die Atombombe ist eine Variable, die alles verändert. Es hätte auch schon in den 1950ern, 60ern und 70ern ein weiterer Weltkrieg ausbrechen können, hätten dies nicht Nuklearwaffen als Faktor verhindert.

Das gleiche könnte auch in Zukunft gelten, aber wenn man sich die Veränderungen im internationalen Machtgefüge so anschaut, ist China heute in einer sehr ähnlichen Position wie es damals Deutschland war – in Bezug auf die Bevölkerung, Bruttoinlandsprodukt usw. Dieses Ungleichgewicht kann Erdbeben auslösen. Aber wie ich schon sagte, verhindern Nuklearwaffen vielleicht das Schlimmste. Aber wenn es eine Supermacht gibt, fangen die anderen an, gemeinsam gegen diese Macht zu arbeiten. Ich glaube, dass ist zur Zeit bei China und Russland zu sehen.

Meine kurze Antwort auf die Frage lautet: Ja. Hätten wir keine Atombomben, wäre ich schockiert, wenn wir nicht kurz vor Kriegsausbruch stünden. Aber durch die Nuklearwaffen haben wir eine konstante Krisensituation kurz vor dem Konfliktausbruch. Daher haben wir asymmetrische Kriege mit Cyberattacken oder Wahlmanipulationen. Vielleicht gibt es diese Situationen statt richtiger Kriege mit den Waffen des 21. Jahrhunderts, durch die sie undenkbar werden.

Für eine weitere Perspektive fragten wir bei Dan Snow nach, was er zu Andrews Kommentar sagt. Er ist der Moderator ausgezeichneter Geschichtsdokus auf BBC und präsentiert den Podcast Dan Snow’s History Hit. Stimmt er unserem Leser Andrew zu?

Ich glaube, er hat recht. Das bedeutet nicht, dass wir die gleichen Umstände fürchten müssen, aber ich würde seiner [Andrews] Liste noch die innerstaatlichen Herausforderungen der politischen und kulturellen Elite hinzufügen. Wenn man Trumps Amerika betrachtet, ist das ein alter, weißer, männlicher Rückschlag gegen die liberalen, multiethnischen, multikonfessionellen Gesellschaften. In Deutschland und Österreich glaubten die Eliten vor dem Ersten Weltkrieg auch, dass ein Krieg ihre sich verändernden Nationen einen würde. Das geht heute auch vor sich.

Erfüllen wir die Voraussetzungen für einen Weltkrieg? Lassen sich Parallelen zum Ersten Weltkrieg ziehen? Verhindern Nuklearwaffen wirklich das Schlimmste? Schreibt uns eure Meinung, wir fragen bei den Experten nach!

Foto: Public Domain – Agence Rol; Portraits: Dan Carlin / CC Flickr –  TEDxMtHood; Dan Snow/ CC Flickr – IPUP York Image Galleries


8 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst du?

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    Phillip

    Solange nicht Wltfrieden herrscht, befinden wir uns im Weltkrieg. Wenn man alles andere schon globalisiert, dann das auch

  2. avatar
    Tilo

    Nö, sie verlagern das Problem nur auf Stellvertreterkriege. (Vietnam, Korea, Afghanistan, Syrien…..)

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    Hans

    Es besteht immer und zu jeder Zeit eine reale Kriegsgefahr.
    Was auch der Blick in den Verlauf der Menschheitsgeschichte zeigt. Kriegs und Friedensperioden haben sich abgewechselt.
    .
    Mit dem 20.Jahrhundert bekam der Krieg mit dem aufkommen der A-Bombe, obwohl das sie nur zweimal eingesetzt wurde, eine neue Qualität.
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    Betrachtet man die Spezi Mensch aus den Augen seiner Entwickelungsgeschichte so kommt man zum beängstigen Ergebnis das der heutige Mensch nichts weiter wie ein Neandertaler ist, allerdings mit einer A-Bombe in der Hand.
    .
    Diese brisante Mischung ist für den Einsatz von Kernwaffen perfekt geeignet.
    Es braucht halt nur einen neuen Gott-Führer und viele ‚ja’schreier.
    .
    Einen Gott, oder so etwas ähnliches, braucht dann keiner mehr.

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    Michael

    Nein ….. echter Frieden braucht nicht die Drohung der Totalen Vernichtung unsere Welt!! Damocles Frieden

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    Michael

    Wir verschwenden so viele Rohstoffe für diese Atom Waffen ……gäbe sicher nützlichere Verwendung dafür.
    Wenn wir als Menscheite genau so fortentwickelt wie unsere Technik wären…. bräuchten wir zum Frieden halten keine Drohungen,die über uns schweben !!

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      Heinrich

      ..das verstehen Sie, ich und noch paar Milionen Menschen. Aber nicht alle. Schlimm sind die Habgierige.

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    Thorsten

    Naja. Belgien hat blos platz 3 geholt, somit ist die Welt erstmal safe.

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