Europa wächst seit Jahrzehnten enger zusammen. Seit den Fünfzigern arbeiten immer mehr Staaten gemeinsam an einer politischen Union, die uns lange Zeit Wohlstand und Frieden gebracht hat. Mit dem Brexit verliert die EU zum ersten Mal ein Mitglied, was viele darüber nachdenken lässt, wohin die Reise gehen soll. Einige sehen im Brexit den Anfang vom Ende während andere jetzt die Chance ergreifen wollen, die Vereinigten Staaten Europas zu gründen.

Die Idee ist nicht neu. Ein Europa nach dem Vorbild der Vereinigten Staaten zu schaffen, geisterte bereits im 19. Jahrhundert durch die Literatur, politisch nahm den Begriff zum ersten Mal die SPD in Europa auf. In ihrem Programm von 1925 forderte sie die Bildung der Vereinigten Staaten von Europa für Solidarität, wirtschaftlichen Erfolg und Frieden in Europa. Erst im letzten Jahr hat der damalige Parteichef Schulz das Projekt erneut zum Ziel erklärt und Frankreichs Präsident Macron treibt Reformen für eine starke EU voran. Zeitgleich werden aber auch zunehmend Parteien in Europa gewählt, die eine noch engere Union strikt ablehnen oder sogar zurück zu den Nationalstaaten wollen.

Was denken unsere Leser? Wir erhielten einen Kommentar von Antonio, der sich innerhalb der nächsten 20 Jahre die Vereinigten Staaten Europas wünscht. Wie realistisch ist sein Wunsch?

Wird es die Vereinigten Staaten Europas geben? Wir haben Europaabgeordnete aus dem gesamten politischen Spektrum gefragt, wie ihre Parteien zu dieser Frage stehen. Seht ihre Antworten und bildet euch eine Meinung. Welche Ansichten unterstützt ihr? Wem würdet ihr bei den Parlamentswahlen eure Stimme geben? Stimmt jetzt ab, diskutiert mit und wir geben euer Wahlergebnis weiter!

Linke
Europaabgeordnete Martina Anderson (Die Linke, GUE/NGL):

Ich glaube nicht an die Vereinigten Staaten Europas, aber wir müssen viele Dinge in Europa verbessern: Wir müssen Transparenz und Verantwortung verbessern; wir müssen Doppelstandards angehen, wir müssen uns um ein sozialeres Europa kümmern; wir müssen den Einfluss der Lobbyisten zurückdrängen und wir müssen sehen, ob ein anderes Europa möglich ist.

Aber ich glaube nicht, dass wir das durch ein föderales Europa erreichen würden, so wie Antonio vorschlägt. Wir brauchen ein vielfältiges Europa, deren Mitgliedsländer globale Probleme angehen. Aber auf nationaler Ebene müssen die Regierungen ihren Wählern Ergebnisse liefern können. Stattdessen wird ihnen ein neoliberales Modell aufgezwungen, das geändert werden muss – schauen wir nur nach Griechenland oder Katalonien, die Besetzung Palästinas oder die Annexion der Krim. Ich glaube kaum, dass Antonios Vorschlag hier etwas ändern würde.

Grüne
Europaabgeordnete Rebecca Harms (Grüne, EGP):

Liberale
Europaabgeordnete Maite Pagazaurtundua (ALDE):

Ich hoffe das! Ich vertraue auf die jungen Leute, die sich europäisch fühlen, die in Europa reisen und sich zuhause fühlen, miteinander sprechen und studieren. Wir brauchen das aus gutem Grund: Das gegenwärtige politische System hält uns zurück während sich die Welt verändert. Die Jugend braucht mehr Möglichkeiten und Chancen, dafür muss unser politisches System viel solidarischer werden. Außerdem ist der Name Vereinigte Staaten von Europa doch schön!

Christdemokraten
Europaabgeordnete Roberta Metsola (EPP):

Konservative
Europaabgeordneter Jørn Dohrmann (EKR):

Europaskeptiker
Europaabgeordneter Gilles Lebreton (EFDD):

Ich hoffe, dass wir niemals die Vereinigten Staaten haben werden. Das wäre das Ende nationaler Souveränität, die ein Schutzwall der nationalen Identitäten ist. Ich bin für ein Europa der Kooperation unter souveränen Staaten und gegen einen europäischen, föderalen Leviathan.

Findet mehr Infos zu den Vereinigten Staaten Europas in unserer Infografik.

Foto: c / Bigstock – francovolpato; Portrait: cc / Wikimedia – Cpsgregorio (Pagazaurtundua)

Mit Unterstützung durch das Europäische Parlament.

 



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35 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst du?

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    Olaf

    Allein der Gedanke ist Verrat Zusammenarbeit ja aber unter nationaler Souveränität !! Ihr Politiker könnt nicht alle Länder und Kulturen Europas in einem Topf werfen in der Hoffnung das klappt schon das wird es nicht !! So blöde kann doch keiner sein ! Zusammenarbeit ja aber niemals werde ich zum Bürger der vereinigen Staaten von Europa bekennen! Das ist eine Kriegserklärung an alle Menschen in ganz Europa die frei denken

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      Thilo

      Ja das kann nicht funktionieren, man sehe sich nur Deutschland an, Bayern, Ostfriesen und dann diese Sachsen. Das kann einfach nicht funktionieren, wir sollten uns am besten wieder trennen.

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      Dominik

      Tilo Reetz Absolut! 👍

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      Dominik

      Wenn wir dafür arbeiten, schon.

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    Dominik

    Eine Europäische Republik auf Basis von selbständigen Regionen wäre mir lieber. Mir gefällt das Modell von Ulrike Guérot sehr gut!

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      mister-ede

      @Dominik
      Die Vereinigten Staaten von Europa fände ich schon gut, aber die Vorstellung, dass funktionierende Nationalstaaten in lebensunfähige Regionen zerstückelt werden, schreckt mich ab. Dann ist es vielleicht doch besser, alles so zu lassen wie es ist, bevor am Ende Murks rauskommt.

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      Bernd Schneider

      Gerade die Guérot ist ein Sargnagel der Nationalstaaten. Sie formuliert es nur immer sehr charmant, sodaß ihr viele auf den Leim gehen.

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    Bert

    Das wird und kann niemals funktionieren. Die USA sind ein Einwanderungsland mit klaren Regeln und einer gemeinsamen Sprache. Europa ist ein Verbund souveräner Nationalstaaten. Offene Grenzen innerhalb(!) Europas sowie eine gemeinsame Währung (weitestgehend auch nur) sowie wirtschaftliche Zusammenarbeit ok! Aber unterschiedliche Sprachen und Gesetze sowie nationale Souveränität werden Europa niemals zu dem werden lassen, was die USA sind. Politische, linksliberale unrealistische Träumereien!

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      Thomas

      Ich stimme Ihnen in allen Punkten zu bis auf die Währungsunion. Schon allein eine gemeinsame Währung zu haben auf Grund unterschiedlicher wirtschaftlichen Leistungen ist eine unsinnige Utopie. Gerade, weil der Euro zu einem Problem der EU wurde, wird früher oder später die EU auseinanderbrechen. Die Briten haben es vorgemacht. Weitere Staaten werden folgen.

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    Klaus

    Eine Europäische Föderation ist mittel- bis langfristig die einzige Möglichkeit, die Selbständigkeit Europas zu erhalten. Ein wie bis in die ersten Jahrzehnte des 20.Jhd. in Nationalstaaten zersplittertes Europa wird sich nicht behaupten können gegen die alten Großmächte USA und Russland sowie die neuen, wie China oder Indien. Zumal sicher ist, das solche europäischen Kleinstaaten sich durch Eifersüchteleien und Machtstreben einzelner nationalistischer Politiker gegenseitig schwächen werden (siehe aktuelle Tagespolitik). Diejenigen, die behaupten, eine Europäische Union könne nicht funktionieren unterschätzen die Anpassungsfähigkeit des Menschen. Das einzige Hindernis sind nicht sprachliche oder kulturelle Unterschiede, sondern Nationalisten, die uns ständig einreden, daß es nicht ginge, in der Hoffnung, eine sich selbst erfüllende Prophezeiung zu schaffen.

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      Jacek

      Stimme ich absolut zu. Auch USA sind kein homogenes Gebilde mit unterschiedlichen Sprachen, wirtschaftlicher Leistung, Steuersätzen und trotzdem ist deren Stärke in der Einheit trotz vieler Unterschiede. Wichtig für Europäer ist immer wieder über die Gemeinsamkeiten zu reden und davon gibt es genug, Geschichte, Kultur, Werte und Lifestyle und wirtschaftliche Interessen

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      mister-ede

      @Klaus
      Das sehe ich ähnlich. Mit einer Europäischen Föderation können wir unsere Souveränität bewahren. In Nationalstaaten zersplittert werden wir hingegen auf Dauer unsere Souveränität an globale Konzerne und die weltweite Vermögenselite verlieren.

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      Daniel

      Das Problem ist weniger „Nationalismus“ sondern die Uneinigkeit innerhalb aller Staaten in der Frage „ob Europa ein Schutzraum nur für Europäisch-stämmige-Menschen sein soll, oder ob es auch Ausser-Europäischen-Ethnien zur Ansiedelung offen stehen soll ?“ – Diese Frage ist so fundametal weil sie die Existenz der Europäischen Ethnien betrifft, die bei Ausser-Europäischer- Zuwanderung innerhalb vier bis zehn Generationen zu einer Einheitsethnie werden würden, und die Ethnische-Vielfalt mit all den tollen Merkmalen unwiederbringlich verloren ginge. Die meisten Menschen wollen die „Vielfalt“ erhalten, damit auch künftig „Europäer“ noch am Aussehen erkennbar sind. Solange da keine Einigkeit besteht wird es keine US-Europa geben…

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    mister-ede

    Ich halte die Vereinigten Staaten von Europa, die Europäische Föderation oder einen europäischen Bundesstaat für realisierbar. Unrealistisch glaube ich aber, ist der Gedanke, dass dabei alle 28(27) EU-Länder mitmachen werden. Wer diese Diskussion ehrlich führen will, muss daher auch sagen, wer bei einem solchen Projekt, das viel weiter als die EU geht, dabei wäre.

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    Klaus

    Das ist mein größter Wunsch – ja, selbst vor 6 Richtigen im Lotto.
    Aber glauben (im Sinne von für wahrscheinlich halten) tue ich nicht daran, dafür sind diese ganzen Nationalisten wie anno dunnemals zu sehr auf dem Vormarsch. Ich fürchte eher, daß die EU im Laufe der nächsten (sicher nicht mehr als 5) Jahre zerfallen wird :-(

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    Bernd Schneider

    Der absolute Alptraum für alle Patrioten und der feuchte Traum aller linksliberalen Internationalsozialisten. Aber wenn man einfach mal emotionsfrei und rational analysiert, wird man erkennen, daß die Zeiten großer Organisationen endgültig vorbei ist. Die Ökonomie ist ja der Politik in der Entwicklung ja immer mindestens zehn bis zwanzig Jahre voraus. Große Konzerne zerbrechen oder werden von kleinen Neugründungen aus dem Markt gedrängt. Die Zeiten, in denen die Großen die Kleinen fressen sind vorbei. Die Zeit, in der die Schnellen die Langsamen fressen hat schon längst begonnen. Hier wie überall auf dem Planeten gilt §1: Charles Darwin hat immer recht!

  8. avatar
    Raphael

    Wurde man nicht als Verschwörungstheoretiker abgestempelt wenn man vor einigen Jahren noch behauptete dies sei insgeheim der Plan hinter der EU?
    Wir sollten Recht behalten

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    Raphael

    Hoffentlich nicht.
    Es bedarf einer Neugründung der EU, mit ausschließlich zuverlässigen Partnern.

  10. avatar
    Conny

    Die Nationen müssen erhalten werden . Der jungen Menschen verstehen nicht,wie wichtig es ist, die eigenen Kulturen zu bewahren. EU nur als lockere Gemeinschaft der Vaterländer.

  11. avatar
    Michael

    Conny Winkler …..Kultur erhalten hat nicht wirklich was mit Nation erhalten zu tun . Kulturen sterben auch bei uns aus….wenn keiner mehr Interesse daran hat 😉 bzw. die Ältern weg sterben

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    Conny

    Weil man uns die Kultur abtrainiert hat mir der Begründung,das sei alles Nazi. Und Kultur hat sehr wohl etwas mit Nation zu tun.es würden Nationen auseinder gerissen,um deren Kultur zu zerstören!

  13. avatar
    Ingo

    NEIN, es wird kein geeintes Europa geben. Dafür sorgen schon jene mit übersteigerten Nationalbewustsein. Rudimentär ist es aber in allen Staaten vorhanden. Und die Kultur? Gerade die Kultur hat sich über die Jahrhunderte aus allen Richtungen geholt was sie zum überleben brauchte. Die Griechen, die alten haben die europäische Kultur begründet. Die Italiener mit ihrer Malerei und Musik fortgeführt. Die „Holländer“ mit ihrer Malerei erweitert. Die Österreicher mit Mozart und Strauss die Musik revolutioniert. Das frühe 20. Jahrhundert wurde durch deutschsprachige Filme entwickelt. Dann der RockandRoll aus USA mit seinen Wurzeln auch in Afrika. Dann die Beatles und Rolling Stones haben noch einmal die Musikgeschichte auf den Kopf gestellt. Nebenbei die Schweden mit ABBA ebenso eine Musikrichtung geschaffen. Ach noch eines: Ein Aramäer (Kleinasien) hat vor ca. 2000 Jahren durch seinen Tot eine Glaubensgemeinschaft begründet, welche heute unwidersprochen auch zu unserer Kultur gehört. Also ist jedes nationalistiche Kultur Getue für die Katz. Oder besser spricht der Entwicklung auf dem europäischen Kontinent Hohn!

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    Herrman

    Ähm, Verzeihung, aber ist nur teilweise richtig. Diese Gesamteuropäische Kultur mit ihren diversen Einflüssen aus der Geschichte ist nur ein Teil der nationalen oder besser regionalen Identität. Diese wird hauptsächlich gebildet aus Einflüssen des direkten Umfelds hinsichtlich Musik, Malerei, (Kunst-)Handwerk, Bekleidung, Essgewohnheiten, sprachlichen Besonderheiten (Dialekten). Die gesamteuropäischen Einflüsse ergänzen diese regionale Kultur nur. Und diese Regionalität gilt es, zu bewahren. Der fjordangelnde Däne wird mit dem vespafahrenden Italiener niemals identisch sein.

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      Ingo

      Wer will denn die regionale Identität aufgeben? Sie werden dem Bayern nicht seinen Dialekt wegnehmen können,. Ebensowenig dem Schwaben seine Maultaschen. Auch den Schweizern ihr Röschti nicht! Wenn sich denn unsere Kultur nicht auch auf das römische Recht beruft und nur teilweise richtig sein soll? Wenn die Zeit der Aufklärung nicht ebenso Deutschland, Frankreich ja ganz Europa erfasst hätte bis hin zur französischen und deutschen Revulotion 1848 würde ich Ihnen Recht geben. Dann müssen Sie aber auch Luther, Dr. Martin verdammen welcher den „Deutschen“ das Mittelhochdeutsche überstülpte und sich um regionale Dialekte einen Sch… kümmerte! Seit den römische Verträgen (EWG) am 25. März 1957 und dem Élysée-Vertrag 1963 (deutsch-französische Freundschaftsvertrag) gibt es eine der längsten Friedenszeiten in Mitteleuropa. Was Sie meinen ist Gleichmacherei und hat mit einem vereinigten Europa nichts zu tun.

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    Heinrich

    Wir sind doch schon die Vereinigten Staaten, aber nicht Europas.

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    Thorsten

    Hierfür brauchts in den Partnerstaaten viel Motivationsarbeit, finde ich. Zumal auch ich generell nicht wirklich den Mehrwert im vergleich zur aktuellen Situ sehe. innereuropäische Kooperation kann auch im aktuellen Rahmen gesteigert werden.

  17. avatar
    Raziel

    Kann man ihr nicht einen passender qualifizierten Job geben? 😳
    Paketbotin bei nen Sub sub Unternehmen von Hermes oder DHL?

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