Können wir die alten Konflikte nicht ruhen lassen? Europa ist ein diverser Kontinent, der schon immer Heimat sehr unterschiedlicher Kulturen, Religionen und Bevölkerungsgruppen war. Aber unsere gemeinsame Geschichte ist auch von blutigen Konflikten geprägt – von den Kreuzzügen, über den Dreißigjährigen Krieg bis hin zum Zweiten Weltkrieg. Vor allem religiöse Fragen haben Konflikte befeuert und auch heute scheint oftmals schnell eine Gruppe von Schuldigen für alle Probleme gefunden.

 Frankreich hat wohl die strengste Trennung von Staat und Kirche in der EU etabliert. Das betrifft den gesamten öffentlichen Raum des Landes. Frankreich war das erste europäische Land, das ein Burkaverbot umsetzte, 2016 ließ ein französisches Gericht eine Marienstatue aus einem öffentlichen Park entfernen. Katholische Kruzifixe werden sich in französischen Klassenzimmern genauso wenig finden lassen wie muslimische Burkas. Im Wahlkampf 2017 schlug Marine Le Pen ein generelles Verbot religiöser Symbole in der Öffentlichkeit vor. Sollte Religion reine Privatsache werden?

Was denken unsere Leser? Wir erhielten einen Kommentar von Raluca, der alle religiösen Symbole aus der Öffentlichkeit verbannt sehen will. Das ist natürlich extrem, aber was, wenn wir diese Frage in Bezug auf staatliche Räume stellen? Sollten religiöse Symbole in Gerichten, Krankenhäusern und Schulen erlaubt sein?

Sollten religiöse Symbole aus der Öffentlichkeit verschwinden? Wir haben Europaabgeordnete aus dem gesamten politischen Spektrum gefragt, wie ihre Parteien zu dieser Frage stehen. Seht ihre Antworten und bildet euch eine Meinung. Welche Ansichten unterstützt ihr? Wem würdet ihr bei den Parlamentswahlen eure Stimme geben? Stimmt jetzt ab, wir geben euer Wahlergebnis weiter!

Linke

Europaabgeordnete Martina Anderson (Die Linke, GUE/NGL):

Ich glaube, dass religiöse Symbole vielen Menschen Halt geben. Ein Verbot halte ich nicht für notwendig, aber ich denke, dass Religionen den Theologen und Gesetze dem Gesetzgeber vorbehalten bleiben sollten. Wir brauchen eine klare Trennung von Staat und Kirche und das schließt die Rolle religiöser Institutionen mit ein. Ich mache einen Unterschied zwischen den Institutionen und den Symbolen, da letztere von einigen mit Stolz getragen werden und Ausdrucksmöglichkeit ihres Glaubens sind.

Grüne

Europaabgeordneter Klaus Buchner (Grüne, EGP):

Liberale

Europaabgeordnete Yana Toom (Liberale, ALDE):

Christdemokraten

Europaabgeordneter Elmar Brok (Christdemokraten, EPP):

Ich glaube nicht. Es ist etwas anderes, wenn es einen negativen Einfluss auf Mitmenschen hat, aber wenn lediglich die eigene Religionszugehörigkeit ausgedrückt wird, fällt das unter Meinungsfreiheit. Ich  habe auch kein Problem mit einer muslimischen Lehrerin, die ein Kopftuch trägt, wenn sie ihre Arbeit macht. Wir müssen dazu in der Lage sein, unseren eigenen Glauben auszudrücken als auch die Religionen der anderen zu akzeptieren.

Konservative

Europaabgeordneter Morten Messerschmidt (Konservative, EKR):

Ich glaube, dass es große Unterschiede zwischen den Symbolen der unterschiedlichen Religionen gibt. Im Christentum haben wir eine sehr tolerante Herangehensweise – im Gegensatz zum Islam stellen wir zum Beispiel unseren Gott auf unterschiedliche Weisen bildlich dar. Die Burka ist auch ein ganz anderes Symbol als eine Halskette mit Kruzifix. Meine persönliche Meinung ist, dass muslimische Symbole eine andere politische Tragweite haben und daher ein Problem schaffen. Aber ich würde nie einem anderen Mitgliedsland sagen, wie das geregelt werden soll. Das müssen die Länder selbst entscheiden.

Europaskeptiker

Europaabgeordneter Gilles Lebreton (Europaskeptiker, EFDD):

Auffällige religiöse Symbole müssen aus dem Staatsdienst verbannt werden wann immer sie einen geregelten Ablauf einschränken können: das trifft vor allem auf Krankenhäuser und Universitäten zu. Daher haben wir auch seit 2004 ein Verbot in öffentlichen und weiterführenden Schulen. Andererseits sollten einige religiöse Symbole (so wie Weihnachtskrippen) erlaubt sein, da sie an eine Tradition anknüpfen.

Findet mehr Infos zum Thema auf unserer Infografik.

Fotos: (c) / BigStockPhoto – Zwiebackesser – PORTRAITS: Anderson CC / WikiMedia – David Iliff, Post CC / WikiMedia – Frankie Fouganthin, Lebreton CC / WikiMedia – Polomartini, Brok CC / WikiMedia – Claude Truong-Ngoc, Messerschmidt CC / WikiMedia – Elgaard
Mit Unterstützung durch das Europäische Parlament.

 



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52 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare


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    Hans

    Ganz schlecht Herr Söder, in Frage der Religion sollte der Staat soch raushalten, neutral sein.
    Hats seiner Zeit nicht das Bundesverfassunbgsgericht Kruzifixe in zB Schulen verboten?

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    Jörg

    Ich seh das anders…..die Kreuze in den Behörden und Ämtern werden bestimmt nur stellvertretend anstatt Söder, Seehofer und Konsorten aufghängt

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    Thomas

    Offensichtlicher kann man den braunblöden Voralpenwichteln nicht in den Arsch kriechen.
    Ist halt Wahlkampf und mit unserem Grundgesetz haben es Söder und seine CSU-Lederseppeln ja eh nicht so.

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    Phillip

    Dem Söder wird ab sofort die Fränkische Volkszugehörigkeit entzogen

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    Sebastian

    Furchtbar. Erstens ist es wert- und funktionslos, zweitens verletzt es das Neutralitätsgebot, und letztlich scheint es, als hätte man bei der CSU gefunden, dass die richtige Antwort auf islamische Angriffe gegen die liberale Demokratie christliche Angriffe auf die liberale Demokratie sind.

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    Tolga

    Ich bin elhamdülillah Moslem habe aber kein Problem mit dem Kreuz und schon gar nicht mit dem Christentum. Uns wird gelehrt, dass auch in der Bibel das Wort Gottes steckt.
    Ich finde es nur traurig, dass diese Aktion aus reinem politischem Interesse geschieht und nicht aus religiöser Überzeugung

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    André

    Wer hängt sich ein Folterinstrument mit dem Abbild eines Gequälten an die Wand?

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    Martin

    Das Christentum ist ein Grundpfeiler der europäischen Identität/Zivilisation.
    Auf der anderen Seite ist die EU nicht Europa, sondern lediglich ein missglücktes Sozialexperiment.

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      Elajah

      Das Christentum ist auch nur eine eingeschleppte Seuche. Wer ein vermeintlich säkularer Staat sein will muss diesem Hokuspokus abschwören.
      Diese Entlastung auch im finanziellen Sinne könnte Deutschland gut gebrauchen.

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      Martin

      Elajah Till
      Geschichte und Kultur sind wohl nicht so ihr Ding, oder?

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      Martin

      Dann gab es vor 312 keine europäische Zivilisation. Einverstanden. :poop:

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      Lukas

      Martin Skorny Und der Name Europa entstammt der Griechischen Mythologie wenn ich mich richtig erinnere. Und das Christentum ist nur Grundpfeiler weil es alle anderen Religion verfolgt und verboten hat.

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      Dietlind Rother

      Das Christentum ist bestenfalls ein Grundpfeiler religiöser Idiotie

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    Michael

    So langsam fangen wir an zu spinnen!!! Gib sicher wichtigeres als das …..

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      Elajah

      Wir sind kein Gottesstaat ergo haben religiöse Symbole auch nichts in der Öffentlichkeit zu suchen.

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      Michael

      Elajah Till Aha …… Vergleich hinkt schon sehr,aber wir sind eine Demokratie wo jeder seine Meinung äußern darf ! Zustimmen muss ich ihr nicht …. würden wir das machen, wäre wir nicht besser als der IS bei der Zerstörung von Historischem . Und was kommt als nächstes ??? Schmuck in Kreuzform verbieten …..Kirchen abreißen usw . Kommt mir auch bekannt vor

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      Matthias

      Eine aufgeklärte, humanistische, freiheitlich-demokratische Gesellschaft schließt per se jede Art von Religion aus.

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    Elajah

    Ja. Wer Frieden in seinem Land haben möchte muss Religionen aus der Öffentlichkeit entfernen.

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      Tim

      Richtig, solange es jede der großen Religionen nicht hinbekommt, z. B. die Gleichberechtigung von Mann und Frau, oder die Aufgabe des eigenen Kirchenrechts (Parallelgesellschaft mit eigener „Justiz“) oder auch das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung zu achten und zu praktizieren. Entweder wird einer oder gleich mehrere Punkte nicht erfüllt. Wer es ernst mit diesen Menschenrechten meint, darf diesem (Irr-)Glauben keinen Platz einräumen und muss als Angehöriger einer der Konfessionen auf Veränderung drängen und bestehen. Es ist an der Zeit, dass Christentum, Islam, Judentum sich da weiterentwickeln. Zeit haben sie eigentlich schon lang genug gehabt. Sonst bitte raus aus der Öffentlichkeit bleiben. Und wir haben da auch so schon immer noch genug zu tun, da brauchen wir das nicht noch zusätzlich mit einem schein-heiligen Deckmäntelchen drüber.
      Ist das alles erfüllt, dann kann die Religion gerne wieder mehr in der Öffentlichkeit in Erscheinung treten, aber „nur“ gleichberechtigt mit anderen weltanschaulichen Auffassungen.

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    Julia

    unsere europ. religion ist nicht agressiv, warum sollte sie nicht mehr in der öffentlichkeit sein?

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      Anonymous

      Wenn man die Tatsache, dass z. B. Frauen in der katholischen Kirche kein Priesteramt ausüben dürfen als nicht aggressiv definiert, dann ist alles möglich.

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      Julia

      Tim Harrow ach tim, seit beginn der heutigen religionen werden frauen benachteiligt, ist leider normal. dies ist übrigens auch in der wirtschaft und politik ganzhnormal – sollen wir deshalb die wirtschaft und die politik abschaffen? wäre gar nicht schlecht

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      Matthias

      Es gibt keine „europäische Religion“. Das Christentum wurde auch nur mit Gewalt und Unterdrückung in Europa verbreitet.

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    Nilza

    Nein. Bitte nicht. Es gehört zu unserer Geschichte, Tradition. Und überhaupt wir sind ein christliches Land.

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      Andy

      inquisition und antisemitismus gehören auch zur geschichte…auch erhalten?

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      Dietlind Rother

      Wir sind ein christliches Land, sagt wer? Wie schon Matthias sagte, das Christentum wurde in Europa mit Gewalt verbreitet und dessen Vertreter haben alles, was wir heute unter Menschenrechten verstehen, solange bekämpft, wie nur möglich. Wenn die Kirchen heute noch so bestimmen könnten, wie sie wollten, hätten wir immer noch Inquisition, Hexenverbrennungen usw. von der Volksverblödung mit ihren dämlichen Bibelgeschichten mal ganz abgesehen. Zudem wird den Kirchen von unseren Politikern immer noch viel zu viel Einfluss auf Politik und Kultur gestattet. Religion gehört raus aus dem öffentlichen Leben und auch privat sollte man sich eher schämen, seine Gesinnung ständig durch entsprechende Kleidung oder Schmuck zur Schau zu stellen. Kann man meiner Meinung nach als permanente Aggression Andersdenkenden gegenüber ansehen.

  13. avatar
    Evelyn

    Wo fängt Glaube und Religion, im Zeichen von Sinnbild und Symbole als Zeichen der Zugehörigkeit an und wo enden diese?
    Ein Kreuz habe ich auch im Rücken und das Rückrat(d) lässt sich schwer verbieten !!!!
    Heute würde man vieles moderner auslegen und interpretieren oder als Erfahrung ausweiten, als ein Geschehen, welches sich ohne Menschlich zu sein, weder trennen, verbieten oder wegoperieren lässt oder gar dem Mensch seine Natürliche Beschaffenheit zu exmatrikulieren!
    Menschen im Zeichen der Natur und die entstandene Kraft dieser Möglichkeit in
    Komm uni kat ion zu treten!
    Studiere das Leben !!!!!

  14. avatar
    Christian

    Ja unbedingt…. die religiösen Gefühle anderer Leute zu ihren imaginären Freunden verletzen meine atheistische Vernunft und versuchen anderen.vorzuschreiben wie Sie ihr Leben zu gestalten haben.

    Das darf jetzt mal.vorbei sein, wir leben.ja nicht mehr im Mittelalter….

  15. avatar
    Undine

    Nicht aus der Öffentlichkeit, denn das hieße ja, dass man Kirchen und deren ikonografisches Beiwerk aus dem Blickfeld der Menschen entfernen müsste. Nein – das nicht. Auch eine Kreuzkette muss erlaubt sein wie das Kopftuch einer Muslima. Aber in Schulen, Krankenhäusern oder Ämtern würde ich keine anderen religiösen Symbole dulden. Es sei denn, es handele sich um eine Institution in entsprechender religiöser Trägerschaft.

  16. avatar
    Dirk

    Die gestellte Frage ist mir zu unscharf gestellt. Was ist hier mit Öffentlichkeit gemeint? Der Staat und seine Institutionen? Oder ich selbst sowie jeder Einzelne?

  17. avatar
    Sid

    Ja! Leben doch nicht mehr in der Steinzeit wo man an uralte Ammenmächen glaubt! Vor allem in der Politik und öffentlichen Einrichtungen hat das nichts zu suchen! Auch in der Schule nicht!

  18. avatar
    Goran

    Sonst habt ihr kein anderes Thema schämt euch so was nicht

  19. avatar
    Raziel

    Ein totales verbannen von allen religiösen Symbolen würde uns so einigen Ärger ersparen.
    Religion sollte so privat sein wie die eigenen Geschlechtsteile.
    Im Internet und daheim, darf jeder damit seinen Spaß haben, aber andere damit nicht belästigen.
    Alles andere gilt dann als Strafbar! 😉
    Es wäre auch mit dem Grundrecht vereinbar. Denn die Ausübung wäre dann nicht verboten, sondern nur der rechtliche Bezug.
    Alle Menschen sind gleich vor dem Gesetz und haben die gleichen Rechte!
    Der Mensch steht im Mittelpunkt und nicht irgendein Fantasiewesen oder imaginärer „ganz großer Freund“
    Es wären alle gleich behandelt, ohne Extrawurst!
    (Kein Rumgeheule wegen Gotteslästerung, keine Möglichkeit der Verteidigung mit kulturellen Hintergrund, keine Sonderrechte für Lärmbelästigung)

  20. avatar
    Raphael

    Ja, Religion hat in der Öffentlichkeit eines säkularen Staates nichts verloren

    • avatar
      Jöns-Peter

      Raphael Deutschland ist nach dem Grundgesetz – Gott sei Dank – und in der Tradition der Weimarer Verfassung kein laizistischer Staat.

  21. avatar
    Jöns-Peter

    Selbstverständlich gehören religiöse Symbole als Ausdruck des Glaubens von Menschen genauso wie alle anderen Symbole für Meinungen und Weltanschauungen in die Öffentlichkeit!

  22. avatar
    Phillip

    Ich praktiziere keine Religion, aber schön anzuschauen sind die Symbole schon. Ich finde nicht, dass sie aus der Öffentluchkeit entfernt gehören, man soll sie nur nicht in Amtsstuben und Klassenzimmern aufhängen

  23. avatar
    Raphael

    Religion und Staat müssen im Sinne der diversen Religionen getrennt sein.
    Jeder darf seine Religion in den eigenen vier Wänden ausüben.
    Damit ist das Grundrecht auf Religionsfreiheit erfüllt und wird auch nicht eingeschränkt.

  24. avatar
    Seb

    wenn alle verschwinden müssen ist es keine diskriminierung

  25. avatar
    Christian

    äh doch. Wenn mir einer verbietet das Kreuz als Zeichen meines Glaubens zu tragen, ist das Diskriminierung.

  26. avatar
    Seb

    nicht wenn es alle nicht mehr dürfen es ist zwar diskrimierung aber nur wenn es nur gegen eine Religion geht

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