Sollte Europa Neonicotinoide verbieten? Neo…was?! Neonicotinoide sind hochwirksame Insektizide. Es geht also um Insektenvernichtungsmittel, die Schädlinge wie Blattläuse, Schmetterlinge und Käfer bekämpfen. Es sterben aber auch zunehmend andere Insekten wie Bienen, die unser Ökosystem dringend braucht. Lässt sich das auf den Einsatz von Insektiziden zurückführen? Darüber will die EU neu entscheiden.

Umweltschützer argumentieren, dass Insektizide am weltweiten Insektensterben schuld sind. Insekten sind die Grundlage für unser funktionierendes Ökosystem – sie bestäuben Pflanzen, sind Nahrungsquelle und zersetzen tote Tiere und sind damit ein wesentlicher Bestandteil unserer Biodiversität. Ohne Insekten werden Obst und Gemüse zur Luxusware. Daher drängen sie auf ein Verbot, um das Insektensterben einzudämmen.

Andererseits begann das Sterben der Honigbienen schon vor dem breiten Einsatz von Neonicotinoiden. Sie können also zumindest nicht der einzige Schuldige sein. Auch muss man bei einem Verbot von bestimmten Insektiziden nach den Alternativen fragen. Die Landwirte werden dann nicht automatisch auf eine biologische Landwirtschaft umsteigen. Sie argumentieren, dass bei einem Verbot andere, weniger etablierte Insektenvernichtungsmittel zum Einsatz kämen. Die Landwirtschaft klagt vielmehr, dass mit den ersten Einschränkungen bereits Ernteausfälle zu verzeichnen sind.

Sollte die EU also ein vorsorgliches Verbot beschließen? Frankreich hat bereits mit seinem nationalen Verbot von Neonicotinoiden ab September diesen Jahres Tatsachen geschaffen. Auch Großbritannien will ein europaweites Verbot unterstützen. In Deutschland sind die gängigen Pflanzenschutzmittel, die Neonicotinoide enthalten, zugelassen.

Was denken unsere Leser? Wir erhielten einen Kommentar von Tom. Er ist davon überzeugt, dass Pestizide Schuld am Bienensterben haben. Stimmt das? Wir fragten bei Dave Goulson nach, der als Biologieprofessor an der Universität Sussex Bienenexperte ist.

Es gibt über 2000 verschieden Bienenarten in Europa und bei mehr als der Hälfte haben wir keine Daten. Wir wissen nicht, wie es ihnen geht. Die Mehrheit der Bienenarten wird nicht erforscht. Von den Wildbienen wissen wir am meisten über Hummeln. Bei den meisten Hummelarten sieht es europaweit nicht gut aus, ihr Bestand geht zurück und die ersten Arten sind nachweislich ausgestorben. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich das Schicksal der Hummeln auf andere Bienenarten übertragen lässt. Pestizide spielen hier sicher eine große Rolle. Aber der wichtigste Faktor des Bienensterbens ist der Verlust ihres Lebensraums. Durch die großen Anbauflächen der Landwirtschaft verschwinden wilde Wiesen und Grünland. Aber Pestizide tragen ihren Teil zum Bienensterben bei, vor allem Neonicotinoide. Sie sind nicht der einzige aber ein wichtiger Faktor.

Für eine weitere Meinung sprachen wir mit Alina Cretu. Sie setzt sich als Geschäftsführerin der Romanian Maize Growers Association (APPR) für die Maisfarmer ein. Was sagt sie zu Toms Vorwurf?

Es kann schon sein, dass die Anzahl der Bienen in einigen Regionen abnimmt. Aber in Rumänien haben wir Statistiken vorliegen, nach denen die Bienenpopulation in den letzten sieben Jahren um 50% zugenommen hat. Daher können wir nicht generell von einer Abnahme in ganz Europa sprechen. Wir wissen auch nicht sicher, dass die Abnahme der Bienenpopulation tatsächlich an Pestiziden liegt. Ich glaube, viele Faktoren spielen hier eine Rolle und wir verstehen die Zusammenhänge noch nicht.

Wie können wir Bienen und andere Bestäuber schützen? Kann ein Verbot bestimmter Pestizide die Bienen schützen? Was wären die Folgen für die europäische Landwirtschaft? Schreib uns deine Fragen und wir verschaffen dir Gehör bei den Entscheidungsträgern Europas!

Foto: CC / Flickr – Mark Robinson

Dieser Beitrag wurde finanziell von der European Crop Protection Association (ECPA) unterstützt. Mehr dazu im FAQ.
ECPA


20 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst du?

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    Thorsten

    Wichtig ist die erhaltung lebensfreundlicher Umgebungen,weil Bienen erwiesenermaßen den Erhalt unserer Nahrungskette garantieren.

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      Jochen Böhrer

      Über 80% unserer Nahrung sind nicht insektenabhängig. Trotzdem müssen Biensne selbstverständlich erhalten werden. Seit 2008 steigt die Anzahl in Deutschland an und 2017 hatten wir eine Rekordhonigernte.

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    Ulrich

    Fraglos, zweifellos existenziellste Lebensgrundlagen diskutieren?
    Das wäre mein Beitrag: Hört auf diese Dummpfdebatten anzustoßen.

    DA GIBT ES NICHTS zu DEBATTIERN.
    SUMMIT als Eurovisionssendung um zu ENTSCHEIDEN.
    HIER GEHÖRT RIGOROS ENTSCHIEDEN.

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      Ulrich

      Onlineabstimmung mit Gewichtung der Zuschauer, Politiker sw.

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    Inge

    Selbstverständlich ist Pestizide schuld an dem Bienen sterben .Es gibt auf den Wiesen keine Blumen und Kräuter mehr für die Bienen ,Hummeln und Schmetterlinge .Auch kein gesundes Gras mehr ,durch die Pestezide .Auch die Vögel werden immer weniger weil sie die vergifteten Käfer und Würmer , im vergifteten Gras fressen und daran Sterben .Irgend so ein Blöd erwähnte sogar eine Katzensteuer weil die Vögel immer weniger werden .Da wollte man vertuschen ,daß die Pestizide schuld ist .Also wir werden doch immer Veräppelt

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      Bernd

      Inge , du hast die Milbe vergessen.

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    Alois gandorfer

    Ich meine, dass Neonicotinoide nicht von wesentlicher Bedeutung für die landwirtschaft sind. Auf meinem Betrieb sehe ich absolut keine Notwendigkeit dafür, da wir im Einklang der Natur arbeiten. Zudem muss ich mir von Bayer, BASF, Dupont…. auch nichts einreden lassen, nur weil diese Unternehmen meinen etwas von der Pflanzenproduktion zu verstehen.
    Die gesamten Agrarprämien müssen umgewandelt werden, in eine ganz einfache Förderung. Auf Kleegrasflächen die nicht gedüngt werden dürfen außer mit Kalk und Schwefel und auch beim Umbruch keine PSM durchgeführt werden. Auf diese Flächen sollten dann umgerechnet etwa 1200€ /ha Prämie entfallen. Allerdings mit max. 25% flächenanteil. Innerhalb eines Jahres haben wir deutschlandweit eine grüne Oase mit extremen Humusaufbau und der damit verbundenen Nachhaltigkeit.

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    Siegfried

    Jedes Tier hat einen natürlichen Gegner also Schaf natürliche Grundlagen für alle nutz Tiere und aus die Maus früher mußte es auch gehen

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    Frank

    Nicht nur das pestizit ist schuld..natürlich hats die mega schuld.aber denkt mal nach!wie war das mit der flurbereinigung?haine weg..heckensäume.weg..alles rückzugs bereiche wo karnickel..vögel..fasane.rebhühner.und und.sich verstecken brüten konnten..und nu?fast nix mehr zu finden…wo ich mit freunden und fernglas tiere beobachtet habe..die hecken sind weg…all das fällt ind gewicht.

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      Reinhard

      Schuld ist unsere ausgeräumte Landschaft und Krankheiten und Schädlinge wie die Varroamilbe.
      Pestizide werden umfangreich geprüft und nur zugelassen wenn es keine negativen Auswirkungen gibt oder nur mit umfangreichen Anwendungsauflagen (nicht im Bienenflug anwenden etz.).

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      Frank

      Reinhard wegener…und wie oft wurde der bürger ,,verarscht,,es hat nie eine gefahr führ den bürger bestanden??glaub ruhig weiter die ammen märchenvdie man dir fein garniert zum dessert serviert.

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      Reinhard

      Frank, die drei Neonikotinoide die in Verruf geraten sind seit Jahren „gebannt“. Dh die kritischen Anwendungen sind nicht mehr zugelassen. Komisch dass jetzt gerade ein Rückgang von Honigbienen erfolgen soll. Gerade das Verbot der Mittel hat doch das Problem weiter verschärft da die Landwirte weniger Raps angebaut haben der dringend von den Bienen als Nahrungsquelle im Frühjahr gebraucht wird. Zudem ist das Bienensterben in Australien wo die besagten Mittel viel häufiger angewendet werden vergleichsweise gering.
      Das deutet auf mehrere Faktoren hin die sich negativ auf die Bienenvölker auswirken.
      Bestimmte spendensammelnde Organisationen leben von Deiner Angst

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      Frank

      In vielen punkten gebe ich dir ohne wenn und aber recht..wir werden nach allen regeln der kunst verarscht…aber der ich kenne persönlich leute die mir ebenfalls bestätigt haben das hier in deutschland..eifel rheinland.ihre bienen völker kaum noch honig produzieren…denk ich an meine jugend gab es feldhaine und mischwiesen…wo sind die.??alles weg zugepflastert.bebaut.die krabbeler müssen doch irgend wo was finden..und die landwirte werden geködert mit ,,dreck ,,aufs feld zu sprühen..und tun die es nocht werden die ernten lau..kommt doch irgendwoher oder denkst nicht auch.das vieles übertriebenvwird um uns ins geldsäckchenzu greifen ,da denke och sind wir im selben lager.oder??

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      Wolfgang

      Ist Frank krank…es gab eine Überproduktion bei Honig..

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      Wolfgang

      Die Ernten werden jedoch jedes Jahr besser..auch bei noch soviel deppen gefasel!! Immer neue Rekorde….

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      Frank

      Nein frank ist nicht krank…ich kenne jemand der sogar ettiketten schwindel betrieben hat..weil der honig hier nicht reichte…noch fragen?

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    Norbert

    Wir, das sind die Konzerne und schlappe Politiker, zerstören die Natur systematisch in vieler Art und Weise.

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    Reiner

    Im Raps wird immer noch der meiste Honig geerntet sagen die Imker . Ohne insektiziede lässt sich Raps kaum wirtschaftlich anbauen . Ein Verbot der Neonikoiden würde bedeuten dass kaum noch Raps angebaut wird was für die Imker bedeuten würde nur noch sehr wenig Blühpflanzen im Frühjahr ( auf einem Quadratmeter 2 -4000 Blühten ! ) also deutlich weniger Honig und deutlich weniger Bienenvölker . Die Rapsanbaufläche ist in Deutschland dank des EEG deutlich zurück gegangen just in diesem Moment hat das Bienensterben angefangen kann jemand Paralellen sehen ?

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    Bernd

    Monokulturen durch Biogasanlagen hier , Palmölplantagen in Ünersee.
    Alles fosiert und gewünscht von unseren Grünen Fachidioten die ihr so fleißig wählt.

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