
Proletarier aller Länder, vereinigt euch! „Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen.“ So lautete das Versprechen von Karl Marx in seinem Kommunistischen Manifest, das 1848 veröffentlicht wurde.
Karl Marx Theorien und Schriften werden noch heute diskutiert, auch von unseren Lesern haben wir sehr viele Kommentare erhalten. Warum interessieren wir uns noch heute für seine Visionen? Sind sie nicht schließlich gescheitert? „Seine“ Revolution sollte von hoch industrialisierten Gesellschaften ausgehen, Marx hatte Länder wie Deutschland, Großbritannien, die USA oder Frankreich im Sinn. Diese Revolution der Arbeiter würde sich dann weltweit ausbreiten. Den „Sieg des Proletariats“ hielt er für „unvermeidlich“.
Das ist aber nie passiert. Die ersten Revolutionen, die sich auf Marx beriefen, fanden dann aber in landwirtschaftlich geprägten Ländern wie Russland und China statt. Einen weltweiten Aufstand von Arbeitern hat es bisher sicher nicht gegeben. Hat sich Karl Marx also geirrt?
Im Mai 2018 jährt sich Karl Marxs Geburtstag zum 200. Mal. Im Februar ist sein Kommunistisches Manifest seit 170 Jahren veröffentlicht. In Erinnerung an diese Jubiläen werden wir eine Debattenserie zu Karl Marxs Vermächtnis veröffentlichen.
Unser Leser Proactive geht sogar noch einen Schritt weiter. Er denkt, dass die Schriften von Marx nicht mehr gelesen werden sollten, da er sich doch bei der globalen Revolution geirrt habe. Stimmt ihr ihm zu?
Wir fragten Terrell Carver, der als Professor politischer Theorie an der Universität Bristol ein Experte bei der Übersetzung, Ananlyse und Interpretation von Karl Marx ist.
Also Proactive hat seinen Nutzernamen ganz passend gewählt. Marx war auch proaktiv und niemals dumm genug, Vorhersagen zu machen. Das Kommunistische Manifest sollte die Leute zwar motivieren, etwas zu tun, aber er beschreibt auch ein alternatives Szenario. Es ist auch möglich, dass der Kampf zu einem „gemeinsamen Untergang der kämpfenden Klassen“ führen könnte. Man sollte Marxs interessante und explorative Beschreibungen sozialer Bewegungen also nicht darauf reduzieren, ob er nun recht hatte oder nicht.
Für eine zweite Perspektive auf das Thema fragten wir bei Jonathan Portes nach. Er ist Wirtschaftsprofessor am King’s College, London. Was sagt er zu Proactives Kommentar?
Ich glaube, Marx hat sich wegen einer Sache geirrt, bei der er recht hatte, der Dynamik des Kapitalismus. Die Art und Weise, wie der Kapitalismus die Wirtschaft verändert hat, so hat dann auch die Wirtschaft die Politik verändert. Der Kapitalismus konnte so angepasst werden, dass die Arbeiter eben nicht verarmten und verhungerten.
Marx hat unterschätzt, wie wandelbar der Kapitalismus ist. Aber gleichzeitig werden durch den Kapitalismus heute, wieder die alten Fragen gestellt. Ich sage weder voraus noch schlage ich vor, dass die richtige Antwort auf diese Entwicklung eine sozialistische Revolution sein sollte – was das auch immer heißt – aber einige Fragen von Marx müssen wieder gestellt werden. Wenn es um das Monopol von Kapital geht, wenn es um Ausbeutung geht, dann müssen wir angesichts unserer wirtschaftlichen und technologischen Entwicklungen Antworten finden.
Hat sich Karl Marx geirrt? Warum gab es eine weltweite Revolution des Proletariats? Macht diese Fehleinschätzung seine Schriften unbrauchbar? Was denkst du?
Foto: c/ Bigstock – palinchak
Also Proactive hat seinen Nutzernamen ganz passend gewählt. Marx war auch proaktiv und niemals dumm genug, Vorhersagen zu machen. Das Kommunistische Manifest sollte die Leute zwar motivieren, etwas zu tun, aber er beschreibt auch ein alternatives Szenario. Es ist auch möglich, dass der Kampf zu einem „gemeinsamen Untergang der kämpfenden Klassen“ führen könnte. Man sollte Marxs interessante und explorative Beschreibungen sozialer Bewegungen also nicht darauf reduzieren, ob er nun recht hatte oder nicht.
Ich glaube, Marx hat sich wegen einer Sache geirrt, bei der er recht hatte, der Dynamik des Kapitalismus. Die Art und Weise, wie der Kapitalismus die Wirtschaft verändert hat, so hat dann auch die Wirtschaft die Politik verändert. Der Kapitalismus konnte so angepasst werden, dass die Arbeiter eben nicht verarmten und verhungerten.
36 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare
Wir haben keine Kapitalismus. Wir haben dank der Mont Pelerin Society einen globalen Neoliberalen Staatsstreich der Gier, welcher sich den Kapitalismus übergezogen hat, wie der “böse“ Wolf sich das Lammfell….
„[Gründungsmitglied] Popper blieb bei seiner humanitär orientierten statt marktorientierten Einstellung und betonte noch kurz vor seinem Tod, er halte es für Nonsens, das Prinzip freier Märkte zum Götzen zu erheben.“
Christoph Starzengruber Ist halt leichter Fundamentalkritik zu äußern, als differenzierte Kritik. ;)
Aber Poppers Standpunkte wurden nicht berücksichtigt und die MPS wandte sich in den 50ern endgültig marktradikalen Inhalten zu….
Erziehungsangelegenheit. Wer als Kind Mitgefühl und fairnes schätzen lernt, wird diese Werte auch noch als Erwachsener leben.
Die Freiheit, welcher sich der Kapitalismus rühmt, ist auch sein Untergang im Monopol. Marx hat sich nur in einer Sache geirrt, dass der Innovationsstand derart schnell wächst. Allerdings hat sich indess Adam Smith genau so geirrt. Denn beide haben keine Antwort auf eine KI die alle Leistung selbst erbringt. Und die Energie dafür nicht mehr aus Verbrennung kommt, sondern frei von der Sonne. Also ebenfalls fast keine Leistung benötigt.Und wenn ihr da mehr Wissen wollt, dann lest Homo Deus und alles über Ressourcen basierte Wirtschaft. Denn Besitz wird dem Nutzen weichen, sonst hat Besitz bald weniger Nutzen als der Nutzen selbst. Das nennt man Überfluss. Und darin befinden wir uns. Die Leistungsindoktrinierten haben es nur noch nicht im Bildungswesen verstanden zu vermitteln, da sie es nicht glauben wollen oder können.
Nicht abwarten, sondern loslegen! Die Revolution passiert nicht einfach so von alleine.
Oli will wieder eine Mauer ? Oder zustände wie Venezuela. Am Besten wandersd doch gleich mal nach Nordkorea aus des muss Ja das Paradies für dich sein .
Denke eher an Rätedemokratie oder Anarchosyndikalismus. Natürlich basierend auf den heutigen technischen Möglichkeiten. Und Mauern gehören eingerissen, zum Beispiel die Mauern an den EU-Außengrenzen.
Genau, solange der Kühlschrank voll ist darf jeder mal reingreifen.
Wie wärs mit nem Argument?
Marx hat von nichts ne Ahnung gehabt
Karl , ja der alte Sozialist ,würde wohl jetzt auch einsehen das sein Projekt gescheitert ist ?
Welches Projekt? Er würde vor allem sehen dass seine Analyse auch 150 Jahre später noch zutrifft.
komisch bloß klappen tuts nirgenst ? siehe in jüngster Zeit Venezuela , ein Demokratisch gewählter Sozialismus z.b.
Hat er sich geirrt? Allerdings!
Nur in sehr wenigen Punkten. Seine Analyse trifft immer noch zu.
Die kontinuierliche Verdummung der Gesellschaft unterdrückt jegliche Vernunft und Logik
Die Kapitalisten haben auch sein Buch gelesen – kenne deinen Feind.
Er hat sich nicht geirrt nur die, die macht inne haben wissen zu beruhigen…
Die AfD ist die Revolution. Wart’s ab.
Damit ich nicht missverstanden werde: ich bin Mitglied der Partei Die Linke.
Querfrontler? 😫
Nein.
Nicht abwarten! Sondern aufwachen!!!
Nöö
https://www.facebook.com/debatingDE/posts/2025261604384317
Ja… hat sich geirrt…
Marx ist Murx
Ja, ganz offensichtlich. Europas Industriearbeiter sind ganz offensichtlich nicht verarmt, sondern haben einen Lebensstandard, der über dem der Mittelschicht zu Marx‘ Zeit liegt. Und die Mittelschicht ist auch nicht verschwunden, sondern es haben sich neue Mittelschichten herausgebildet.
Die sozialen Fortschritte des 19. Jahrhunderts sind weitestgehend auf das Erstarken der Arbeiterbewegung zurückzuführen. Und im 20. Jahrhundert zwang der Kommunismus Marktwirtschaften vorübergehend ein sozialeres Gesicht zu zeigen. So gesehen hat Marx tatsächlich viel bewirkt.
Ja, aber die Linderung von sozialer Not durch den Aufbau eines Sozialstaats innerhalb eines marktwirtschaftlichen Systems hat Marx zeitlebens für einen Irrweg gehalten. Daß er etwas bewirkt hat, schließt ja nicht aus, daß er sich geirrt hat. Gerade in diesem Punkt hat er sich ganz gewaltig geirrt.
Selten so einen Müll gelesen.
Heutzutage haben wir immer noch „moderne Sklavenarbeit“, den Industriearbeitern geht es wunderbar… Scheinbar leben sie in einem andern Deutschland als ich, in einem in dem die Lebenshaltungskosten nicht rasant steigen und die Löhne im Vergleich sinken.
Die „neue Mittelschicht“ steht knapp vor der „Unterschicht“ nur will das nicht wahrhaben.
Womit er nicht recht hatte war, dass ein Wille der Arbeiter auf Verbesserung existiert – heutzutage gibt sich der gewöhnliche Arbeiter mit dem zufrieden was er hat, solange er einmal im Jahr in den Urlaub fahren kann…
Offensichtlich haben Sie sich noch nie mit der Lage der Arbeiter im 19. Jahrhundert beschäftigt. Diese hatten damals erheblich weniger als Arbeiter in Deutschland heute. Aber Marx sagte vorher, daß sie immer mehr verarmen würden. Das ist offensichtlich nicht eingetreten. Nicht, wenn man die Kalorienmenge vergleicht, nicht wenn man die Wohnfläche vergleicht, nicht, wenn man die Menge der Dinge, die die Arbeiter besitzen, vergleicht, nicht, wenn man die Gesundheitsversorgung vergleicht, nicht, wenn man die Sicherheit am Arbeitsplatz vergleicht, nicht, wenn man die Arbeitszeiten vergleicht.
Aber Marx war der Meinung, daß eine Verbesserung der Lage der Arbeiter im Kapitalismus unmöglich war, daß im Gegenteil die Lage immer schlechter werden würde. Und damit lag er objektiv falsch.
Ein Deutsche irrt sich nie ?
Kommunisten leben in einem Paralleluniversum, dass so gar nichts mit der Realität gemein hat.
Sie irren sich deshalb immer.
Marx ist Murx, das sollte inzwischen jeder begriffen haben.
Marx war ein brillanter Wirtschaftsanalytiker und dafür muss man ihn auch anerkennen. Natürlich muss man dabei auch sehen in welcher Zeit Marx und unter welchen Umständen gelebt hat um das Ganze ins richtige Licht zu setzen.
Was seine Schlüsse betrifft, hat er sich jedoch in meinen Augen geirrt. Nein er hat damit recht das Kommunismus das Ziel sein muss, nur der Weg dorthin, der Glaube das sich staatliche Machtstrukturen irgendwann von selbst in Wohlgefallen auflösen würden, ist in meinen Augen falsch. Den Machtstrukturen, egal ob staatlich oder kapitalistisch sind selbsterhaltend.
Somit wäre es wichtig diese Strukturen zu beseitigen und durch etwas anderes zu ersetzen. Den Menschen Freiheit, Selbstermächtigung aber auch Verantwortung zu geben. Und zwar auf dezentraler Basis.