Der Wolf hat Europa zurückerobert. Nachdem die Tiere fast ausgerottet wurden, sind sie seit dem letzten Winter in jedem Staat des europäischen Festlands gesichtet wurden. Das klingt erst einmal nach guten Nachrichten, zumindest eine heimische bedrohte Tierart, deren Population sich erholt. Gleichzeitig stellt sich bei Wildtieren immer auch die Frage, welche Risiken von ihnen ausgehen. Wir haben verlernt, mit wilden Tieren zu leben. Können die Wölfe dem Menschen oder Nutztieren gefährlich werden?

Vor allem die Landwirtschaft fürchtet, dass die Wölfe kaum zwischen Wild- und Nutztieren unterscheiden werden. Tatsächlich wurden 2016 um die tausend Nutztiere in Deutschland von Wölfen gerissen. Was ist dann zu tun? Niedersachsens CDU forderte, die Jagd auf den Wolf wieder zuzulassen. Mit dieser Forderung ist sie nicht allein. Im Bundestag machten AfD und FDP ähnliche Vorschläge. In Frankreich wurden im letzten Jahr 40 Wölfe zum Abschuss freigegeben, Finnland will die Population auf 150 Tiere begrenzen und Norwegen auf weniger als 100 Tiere.

Die EU stellt Wölfe als bedrohte Art jedoch nach wie vor unter Schutz, das macht den Abschuss eines Wolfes zur Straftat. Der Bestand wird in Deutschland auf 140 erwachsene Tiere geschätzt, damit ist der Wolf nach wie vor vom Aussterben bedroht und braucht Schutz. So plädiert beispielsweise Bundesministerin Hendricks für einen konsequenten Herdenschutz, statt Abschussquoten einzuführen. Ist das eine gute Lösung?

Wir bekamen einen Kommentar von unserem Leser Timo, er glaubt, dass wir uns viel weniger Sorgen um die Umwelt machen müssten, wenn es in Europa mehr Raum für Natur gäbe – mit Bären, Wölfen, Totholz und allem was dazu gehört.

Sind die Wölfe also ein Indiz für einen guten Zustand unserer Natur? Wir haben den Experten Lucas Ende gefragt, der beim NABU Wolfsprojekt mitarbeitet.

Das ist eine Frage, die uns öfter erreicht. Wir müssen darauf antworten, dass der Wolf sehr anpassungsfähig ist. Der Fakt, dass sich Wölfe wieder hier ansiedeln bedeutet nicht, dass es wieder viel Wildnis gibt. Sondern der Schutzstatus des Wolfes lässt seine Ausbreitung zu. Zuvor wurden sie gezielt und systematisch ausgerottet. In Gegenden mit geringer Bevölkerungsdichte ist er erhalten geblieben und konnte sich dann von dort aus wieder ausbreiten. Der Wolf ist also kein Anzeichen dafür, dass die Natur intakt ist. Man kann aber davon ausgehen, dass er dazu beitragen wird. Das Ökosystem wird mit dem Wolf vollständiger. Er erfüllt als Predator Zwecke im Ökosystem. Zum Beispiel gibt es in Deutschland keine Geier mehr, weil es in unseren Wäldern keine Tierkadaver und kein Aas mehr gibt. Die kann der Wolf bereitstellen.

Aber ist ein friedliches Zusammenleben überhaupt möglich oder ist ein wildes Tier wie der Wolf immer auch eine Bedrohung für den Menschen?

Der gesunde Wolf ist erst einmal keine Bedrohung für den Menschen. Das kann man so sagen, wenn man sich das Gesamtbild anschaut. Es geht aber natürlich von jedem Wildtier ein Risiko aus, das man aber durch das richtige Verhalten minimieren kann. Wir müssen jetzt lernen, was es bedeutet, wieder den Wolf in Europa zu haben. Ein Wolf darf den Menschen nicht mit etwas Positivem in Verbindung bringen. Das kann passieren, wenn Menschen Wölfe Futter bereitstellen. Dann kann es zu Konflikten oder Unfällen kommen. Der Wolf darf seine natürliche Distanz zum Menschen nicht verlieren, er darf nicht erfahren, dass es Sinn macht, zu einem Menschen zu gehen, weil er dann Futter bekommt. Dann ist er für den Menschen auch nicht gefährlich.

Bedroht der Wolf den Menschen? Können wir wieder lernen, miteinander zu leben oder ist es an der Zeit, Gesetze zum Schutz des Wolfes zu ändern? Was denkt ihr? Wir fragen nach!

Foto: Flickr/ cc – Ralf Κλενγελ



26 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst du?

  1. Michael Rabolt

    Nein…..Der einzige Bedrohte ist der Wolf .Wird Zeit das wir lernen …..Mit der Natur wieder zu leben,nicht gegen sie!

  2. Gabriele Etgeton

    Wir brauchen die Tiere in der Natur zurück. Sie gehören alle dort hin und wir müssen uns mit Ihnen arrangieren und sie schützen.

  3. Gabriele Etgeton

    Ich mache dieses Jahr wieder einen wildbienen Wiese , man staunt wie schön das ist und wieviele Insekten sich ansiedeln 😁

  4. Lars

    Da es mehr Vollidioten, vorallem in Berlin, gibt als Wölfe … sollte sich echt fragen wer vor wem geschützt werden muß!

  5. Michael

    Momentan muss wohl eher der Wolf vor den Menschen geschützt werden!
    Wir brauchen mehr Raum für die Natur und mehr Wildtiere, auch etwas größere, damit der Wolf und andere Tiere auch Nahrung finden können ohne den Menschen ins Gehege zu kommen.

  6. Sarah

    Sehr schweres Thema.Ich selber wäre für den Schutz des Wolfes und bin selber mit dem Pferd viel im Wald.Aber bei aller Romantik ist dieses Tier dich gefährlich zumindest im Rudel und wenn es Hunger hat.Man sollte mal in den Nachbarländern schaun wie zum Beispiel Rumänien oder Italien damit zurecht kommen.Ob da Menschen angefallen wurden oder nicht.Genug Wild hätte er da bin ich sicher.Schafe und Co müssen geschützt werden und die Halter brauchen Hilfe.

  7. Marcel

    Der Wolf muss vor den Menschen geschützt werden. Sie verwandeln Wüsten in blühende Landschaften. Wo ist die petition zum unterschreiben zahme Pferde haben nichts im Wald zu suchen. So wie Hunde.

  8. Bodo

    Es gibt ein serbisches Sprichwort: Wo der Wolf wohnt wächst der Wald! Generationen vor uns, ohne Strom und Hightech, sind mit dem Wolf ausgekommen! Das was der Wolf in Wald und Flur uns abverlangt ist nicht Angst sondern Respekt!

  9. Fotini

    Die Wölfe sitzen im Bundestag und ganz oben der AlfaWOLF SCHABE!!!

  10. Phillip

    Ein Wolfsrudel mag für einen einzelnen Menschen eine Gefahr sein, aber im Allgemeinen dürften Wölfe für Menschen keine Bedrohung darstellen. Es gibt eigentlich kein Tier auf der Welt das noch eine ernstzunehmende Bedrohung für Menschen darstellt, immer nur für solche die die Konfrontation herausfordern (bewusst oder versehentlich).

    • Alexander

      Frag mal die Großmutter vom Rotkäppchen. In einem Happs verschlungen und dann erkennt der Wolf noch seine transgender Seite und verkleidet sich als vertrauenswürdige Oma um auch noch das Rotkäppchen in einem Happs zu verschlingen…Und dann redest du von einem Wolfsrudel, dass eventuell gefährlich werden könnte. Oder diese blutrünstige Bestie, die dieses Massaker im Geißenhaushalt veranstaltet hat….

    • Phillip

      Wahrscheinlich hat Rotkäppchens Oma den Wolf mit ihrem Verwesungsgeruch angelockt 😂😂😂😂😂

    • Alexander

      Phillip Thern einem leicht fischigen Verwesungsgeruch, und, btw, was wurde aus dem Wein und dem Kuchen? Hat er den auch noch gefressen?

    • Phillip

      Irgendwie hat er sie ja runterspülen müssen 😂😂😂😂😂😂😂

    • Alexander

      Phillip Thern Nee, der Wein und der Kuchen kam ja erst mit dem Rotkäppchen. Vermutlich hat er mit Klosterfrau und Doppelherz gespült…

    • Philip

      Alte Mütterschen haben doch oft auch noch nen guten Cognac oder Whisky rumstehen, der seit ihrem Geburtstag reift…

    • Alexander

      Phillip Thern Trugschluss, der wird immer gleich vernichtet, quasi als Herztropfen….

  11. Arnold

    Ich glaube, dass es an der Zeit ist sich diesmal dem Wolf anzupassen, nachdem man ihn fast ausgerottet hat. Nicht nur „Serengeti darf nicht sterben“

Pflichtfeld
Pflichtfeld Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Notify me of new comments. You can also subscribe without commenting.