Die Europäische Union hat 24 offizielle Amtssprachen. Theoretisch sind auch alle als Arbeitssprachen innerhalb der europäischen Behörden zugelassen. Praktisch dominieren im Alltag dann aber doch Englisch und Französisch – wobei Englisch klar auf Platz 1 steht.

Jetzt da Großbritannien mit dem Brexit entschieden hat, die EU zu verlassen, werden auch weniger Mitarbeiter Englisch als Muttersprache sprechen. Einige sehen schon neue Chancen für Französisch, andererseits hat sich Englisch auch bei Europas Bürgern und in der weltweiten Wirtschaft fest etabliert. Aber natürlich werden politische Entscheidungen nicht immer rational getroffen.

Die meistgesprochene Muttersprache in der EU ist Deutsch. Aber die Hälfte der Europäer spricht Englisch, da können weder Deutsch noch Französisch mithalten. Auch die Zukunft scheint Englisch: Laut der Eurobarometerstudie zu Sprachen sind 77 Prozent der EU-Bürger der Ansicht, dass Kinder Englisch als Fremdsprache lernen sollten.

Wir bekamen einen Kommentar von Toni, dass dies eine Frage des Prinzips sei: „Wenn die Briten Nein zur EU sagen, warum sollte die EU dann Ja zu Englisch als Arbeitssprache sagen?“

Wir fragten Danuta Hübner. Als ehemalige EU-Kommissarin für Regionalpolitik und polnische Europaabgeordnete seit 2009 kennt sie den brüsseler Arbeitsalltag mit seinem Sprachenwirrwarr gut.

hubnerLieber Toni, wir haben auch noch Irland und Malta in der Reihe unserer Mitgliedsländer. Da die offizielle Landessprache in beiden Ländern Englisch ist haben sie ein Recht auf Englisch als EU-Amtssprache.

Dann müssen wir auch noch daran denken, dass Englisch sehr weit verbreitet ist. Vor allem bei Europäern, die innerhalb der EU reisen. Als Lingua franca hat Englisch wahrscheinlich längst gewonnen.

Englisch hat sich über Jahrzehnte als internationale Sprache entwickelt. Auch bei der europäischen Integration haben wir Englisch genutzt, ob bei Gesetzen, Initiativen oder schriftlichen Dokumenten. Ich sehe keinen Grund dafür, mit dieser Praxis aufzuhören.

Bleibt Englisch die dominante Sprache in der EU nach dem Brexit? Großbritannien hat sich gegen die EU entschieden, ist dann eine andere Arbeitssprache sinnvoller? Oder ist das angesichts der Verbreitung von Englisch in Europa realitätsfremd? Diskutiert mit!

Foto: CC / Flickr – Curtis Perry



11 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

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    Valentin de Lowry

    In der Tat, wie Grosssbritanien jetzt weg ist, vielleicht sollen Französich, Spanich oder auch Deutsch die dominanten Sprachen der EU werden !

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    Martin Behnke

    Da Englisch extrem einfach und bereits weit verbreitet ist, wäre es unlogisch jetzt eine andere Sprache zu wählen. Der Rest der Welt hält ja trotzdem an Englisch fest. Es wäre eine bockige, kindische Entscheidung.

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      Karin Fandrey

      Das finde ich aber auch … an den Haaren herbeigezogen 🙃 … albern …

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    Julia Heinrichsdottir

    Englisch als Lingua Franca ist einfach nicht abzulösen heute, denke ich. Andere Sprachen zu können schadet ja nun aber nie..

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    Phillip Thern

    Es ist ja jetzt nicht so, als würden die Leute plötzlich alle Englisch verlernen, und in den Schulen wird es weiterhin gelehrt werden. Spanisch, Französisch und Italienisch haben eine echte Chance, weil romanische Sprachen einen ordentlichen Anteil an der Muttersprachlerbevölkerung haben, und Deutsch für viele einfach zu schwierig ist, aber die nächsten 3 Generationen mindestens werden in Europa vom Englischen dominiert

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    Heinrich Guzy

    …alles Quatsch. Es kommt nur die Deutsche Sprache in Betrcht. Ohne „D“ ist doch die EU am Ende. Zweimal haben die anderen den Kohl ausgetrickt. Das dritte mal dürfen wir es nicht mehr zulassen. Auch wenn die Amis Amoklaufen. Nun, wen haben wir denn in der EU ?

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    Christian

    Angesicht der Verbreitung der englischen Sprache in der Welt, wäre eine EU ohne Englisch als Amtssprache realitätsfern. Darum sollte daran festgehalten werden!

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    Absalom

    Schätzungen zufolge sprechen und verstehen im Jahr 2019 höchstens noch ca. 19 % der Weltbevölkerung Englisch. In den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts waren es noch über 50 %. In einer multipolaren Welt, deren Zentrum zukünftig im asiatischen Raum liegen wird, dürfte auch das Englische als Sprache etlicher Länder eine bedeutende Rolle spielen. Es wird aber weder die einzige noch die wichtigste Weltsprache sein und in seiner Reichweite wohl schon bald von dem Chinesischen überholt werden. Es gibt keinen vernünftigen Grund, das Englische weiterhin als Arbeitssprache der Europäischen Union zu verwenden. Deutsch und Französisch waren vor dem Beitritt Großbritanniens die beiden EG-Arbeitssprachen und können es auch zukünftig wieder sein. Das Französische wird in der EU und dadurch auch in der Welt durch den Brexit sicherlich an Bedeutung gewinnen. Die erste flächendeckende Einführung des Englischunterrichts in Deutschland geht übrigens auf Adolf Hitler und seinen Rassenwahn zurück. Vor 1933 lernte man Englisch vor allem an Realschulen, aber nicht sonderlich oft an Gymnasien.2033 wird man vielleicht an vielen Gymnasien bereits Chinesisch als erste oder zweite Fremdsprache lernen. Tempora mutantur!

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    Juan

    Ich finde das Deutsch und Französisch die dominierenden Amtsprachen sein sollen. Dies würde die historische Bedeutung der beiden Sprachen (Französisch die Zweitsprache des Bürgertums, Deutsch die Sprache der Wissenschaft) wiederspiegeln und im geografischen Kontext zur EU stehen.

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    Fabian Stefan

    Es kann nicht sein, dass englisch weiter die bedeutende Rolle innerhalb der EU spielt wie bisher. Die Faulheit nur englisch als Fremdsprache zu lernen, sollte man zudem nicht unterstützen. Es ist taktisch klug, gegenüber den Angelsachsen auf z.B. deutsch oder französisch zu beharren. Englisch ist nur so lange in der EU bedeutend, wie man das akzeptiert. Kippt die Akzeptanz, wird sich das schlagartig ändern – die EU wurde nicht durch die Angelsachsen gegründet und niemals durch sie unterstützt.

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    Anonymous

    es fällt wahrscheinlich gerade Deutschen schwer sich für ihre Sprache stark zu machen – warum auch immer. Lieber kämpfen sie für Englisch obwohl die meisten es wahrscheinlich wesentlich einfacher mit Deutsch hätten. In Frankreich oder Spanien wäre das wohl nur schwer vorstellbar

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