Irland war das erste europäische Land, das gleichgeschlechtliche Ehen über ein Referendum einführte. Die Gegenkampagne war vor allem gegen das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare und wollte so für ein Nein bei den Wählern werben. Die irische Justizministerin Frances Fitzgerald hielt dagegen. Einzelpersonen hätten längst unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung das Recht auf Adoption, daher würde das Recht auf gleichgeschlechtliche Ehen nur noch die gängige Realität bestätigen. 

Tatsächlich verbreitet sich das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare zunehmend in Europa. Heute ist es in 17 europäischen Staaten anerkannt, inklusive beim Nachzügler Deutschland. Bei uns ist die gleichgeschlechtliche Adoption seit Oktober 2017 zugelassen. Dann gibt es noch Staaten, die eine Adoption durch Stiefeltern erlauben und damit möglich machen, das Kind des Partners zu adoptieren.  

Familienrecht ist aktuell eine klare Sache der EU-Staaten, das schließt Ehe und Adoption mit ein. Was aber, wenn Paare mit ihren Kindern in den Urlaub fahren? Länder, die keine gleichgeschlechtlichen Ehen oder Adoption erlauben, müssten legale Ehen und Adoptionen nicht anerkennen. Noch komplizierter wird es bei binationalen Ehen. Es ist nicht festgelegt welcher Staat zum Beispiel im Falle einer Scheidung zuständig ist. Brauchen wir daher vielleicht doch europaweite Regeln? 

Wir erhielten einen Kommentar von Tamás. Er ist der Meinung, dass die Länder selbst entscheiden sollten. Er vergleicht Europa mit den USA, die gleichgeschlechtliche Ehen nicht einmal landesweit geregelt haben. Er ist der Meinung, dass gleichgeschlechtliche Paare mit Adoptionswunsch in ein Land umziehen sollten, wo es erlaubt ist. 

Wir baten Anton Chromik von der Slowakischen Allianz für die Familie, zu antworten. 

chromikJa, es sollte auf nationaler Ebene entschieden werden. Aber ich würde sogar noch weitergehen; bei dem Thema sollten die Menschen selbst entscheiden, in einem Referendum. Das kann nicht von Autoritäten, Eliten oder Richtern aufgezwungen werden. Es ist sehr wichtig, dass die Leute selbst entscheiden, ob sie die Institution Ehe zwischen Mann und Frau erhalten wollen…

Für eine weitere Perspektive auf das Thema sprachen wir mit Ulrike Lunacek. Sie war bis 2017 Europaabgeordnete der österreichischen Grünen und Vizepräsidentin im Europäischen Parlament. 

Ich möchte nicht wirklich nicht bei allen Fragen die USA als Vorbild für die EU nehmen, zum Beispiel bei der Todesstrafe oder dem Waffenrecht. Aber bei Fragen zur gleichgeschlechtlichen Ehe und Adoption bewegt sich in den USA und Europa zurzeit so einiges. Ehe und Adoption sind in der EU eindeutig staatlich geregelt. Aber wir haben immer mehr Paare, auch heterosexuelle, die aus unterschiedlichen Ländern kommen. Manchmal haben sogar die Kinder eine andere Staatsangehörigkeit als ihre Eltern, egal ob sie adoptiert sind oder nicht. Daher brauchen wir gemeinsame Regeln, damit jeder in der Europäischen Union die gleichen Rechte hat. Das ist eines unserer Prinzipien und ich hoffe, dass es bald auch für homosexuelle und lesbische Paare umgesetzt wird. 

Sollte es europaweite Adoptionsregeln für gleichgeschlechtliche Paare geben? Oder ist das für euch auch eine nationale Angelegenheit? Schreibt uns eure Meinung und wir fragen nach!

Foto: CC / Flickr – Caitlin Childs



8 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst du?

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    Martin Rehntier

    Ist zweifelsohne eine nationale Angelegenheit und nicht im Kompetenzbereich der Union.
    Die Anerkennung einer solchen hingegen vielleicht nicht.

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      Martin Rehntier

      In den US lag die Regelung dieses Themas an der (meiner Meinung nach richtigen) Auslegung der Verfassung, in vielen anderen Belangen haben die einzelnen Länder der US sehr viele eigene „State Laws“ & ich denke auch mehr Gestaltungsmöglichkeiten als einzelne EU-Länder.

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    Erik Dorn

    Polen und Ungarn würden auf keinen Fall mitmachen, einige andere wohl auch nicht. Damit wäre es eh vom Tisch.

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      Ivane Maskhulia

      Ja klar wieso soll Kind Möglichkeit haben in normale Familie zu leben…

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    Christian Jurko

    Da Homosexualität in großen Teilen der Gesellschaft noch nicht akzeptiert ist, sollten Adoptionen durch gleichgeschlechtliche Paare nicht möglich sein. Die Kinder würden in vielen Bereichen, vor allem von ihren Mitschülern diskriminiert und verspottet werden. Warten wir bis zur Ermöglichung solcher Adoptionen noch 50 Jahre.

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