Was ist das Vermächtnis von Karl Marx? Er war sicherlich ein einflussreicher Vordenker. Viele Arbeitnehmerrechte von heute basieren auf seiner Philosophie. Nichtsdestotrotz gab es auch viele Opfer, die von kommunistischen Regimen in seinem Namen getötet wurden. Kann er dafür verantwortlich gemacht werden? Oder müssen wir seine Ideen von der politischen Realität trennen? 

Nach dem Fall der Sowjetunion schien es so, als hätte Karl Marx unrecht gehabt. Aber seit der Finanzkrise von 2008 sehen viele unseren Kapitalismus in einer Dauerkrise, die einen neuen Marxismus hervorbringen könnte. Es steht nicht immer Kommunismus drauf, wo radikale antikapitalistische Ideen drin sind, aber der politische Trend ist vor allem in Europa sichtbar. Oder sind die modernen Linken etwas ganz anderes? 

Im Mai 2018 jährt sich Karl Marxs Geburtstag zum 200. Mal. Im Februar ist sein Kommunistisches Manifest seit 170 Jahren veröffentlicht. In Erinnerung an diese Jubiläen werden wir eine Debattenserie zu Karl Marxs Vermächtnis veröffentlichen. 

Was denken unsere Leser? Wir erhielten einen Kommentar von Ruth, die sich fragt, was „Marxismus“ eigentlich bedeutet und ob die Ideologien nach Marx – Maoismus, Stalinismus und Leninismus – überhaupt etwas mit Marx zu tun haben. 

Wir stellten Simon Tormey Ruths Frage. Herr Tormey ist Professor für politische Theorie an der Universität Sidney. Was ist seine Antwort? 

Das ist eine tolle Frage, sie ist schwierig zu beantworten. Zurück zu den Fakten: Marx hat über fünfzig Bände seiner Schriften veröffentlicht. Diese sind konsistent, trotzdem können wir kaum von „einem“ Marx sprechen, er hat sich und seine Arbeit im Lauf seines Lebens weiterentwickelt. 

Damit kommen wir zum zweiten Teil der Frage, was ist mit den ganzen Strömungen, die sich auf Marx berufen? Es sind alles Interpretationen von Marxs Schriften und 150 Jahre Zeit, dem Ganzen seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Wir haben unterschiedliche Texte, die ihre Berechtigung haben. 

Aber Marx war immer sehr skeptisch gegenüber einer Gefolgschaft, die dachte, auf alles eine Antwort zu haben. Dogmatiker und Träumer hätte er ermahnt. 

Unser Leser Bernd hat sich gefragt, ob wir die Ideen von Karl Marx von der blutigen Geschichte, die ihnen folgte, trennen können. 

Wir hakten bei Luigi Marco Bassani nach, der Professor für die Geschichte politischer Theorie an der Universität Milan in Italien ist.

Das ist eine wichtige Frage. Meiner Meinung nach gleicht die Geschichte des Marxismus einem Schlachtfeld und es gab 40 Millionen Opfer im Namen einer „neuen Gesellschaft“ nach den Ideen von Karl Marx. 

Streng genommen können wir Marx und Engels aber nur für die Toten der Revolution verantwortlich machen. Also die Opfer von Maos „langem Marsch“ oder der Oktoberrevolution. Marx und Engels gingen davon aus, dass der Revolution ein friedlicher Prozess folgen würde. Das ist eindeutig anders gelaufen. 

Marxs Buch „Das Kapital“ erlaubt keine Gewalt. Wenn man aber liest, was dem folgte, sieht die Analyse anders aus. Es gibt daher keine eindeutige Antwort auf diese Frage. 

Sind die Ideen von Karl Marx heute noch relevant? Was haben wir von seinem Vermächtnis zu halten? Schreib‘ uns deine Meinung und wir fragen nach!

Foto: CC / Flickr – thierry ehrmann



44 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst du?

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    Udo Rosenkranz

    Schaut mal in die Runde der sich entwickelten Industriestaaten in wievielen die Menschen Marx heute noch lesen und nach Marx Sozialistusche Politik gestalten , verschiedenen dieser Staaten geht es heute schon besser als Deutschland .

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      Martin Rehntier

      Jetzt würden mich Beispiele interessieren…

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      Franz Josef Manderfeld

      Martin Rehntier Er meint bestimmt China. Ich persönlich würde den wirtschaftlichen Erfolg Chinas, nicht dem Sozialismus zuschreiben. Wohl eher hat China Erfolg, trotz des Sozialismus. Aber ob die gesellschaftlichen und Umwelt Probleme, als Erfolg gelten, wage ich zu bezweifeln.

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      Claudia Leuschke

      Leider ist Kommunismus , so wie Marx und Engels es sich vorstellten, mit Menschen, nicht umsetzbar. Sie haben Diktatur daraus gemacht. Traurig.

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      Udo Rosenkranz

      Also ich lebe seid 26 Jahre , wie weitere 8,3 Millionen Deutsche , beruflich in Mexico . Die Mexicaner lesen Marx , und die Politik ist Democratisch Sozialistisch . Waere diese Politik so schlecht wie es viele ueberkandidelte Deutsche in Deutschland erklaeren ohne sich mit Mexico befasst zu haben oder hier gewesen zu sein * wuerde bestimmt nicht 80 % Deutscher Industrie hier seit Jahren ansiedeln .

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      Tobias Eckert

      Udo Rosenkranz Aber demokratisch sozialistisch ist ja auch nicht zu 100 % marxistisch, oder?

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      Udo Rosenkranz

      Tobias Eckert
      Es gibt auch nicht 100 % Marxistisch * wie es auch nicht 100 % Commonistisch gibt * aber es gibt traurigerweise 100 % Capitalistisch in dem die Armut ganzer Voelker und eigener Gruppen produziert werden * das nennen sie Wohlstand +++

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      Daniel Rohden

      Udo Rosenkranz
      Ohh ja, wer kennt es nicht. Mexiko, das Land von Milch und Honig. 😂😂

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      Steffen Maximilian Ebener

      Es gab bisher noch nie eine 100% Kapitalistische Gesellschaft…da dafür ALLE Produktionsmittel in Privathand sein hätten müssen also auch Sicherheitsdienstleistungen wie das Militär.

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      Hermine Maria Ritter

      Weshalb fliehen zB soviele Mexikaner als illegale Einwanderer in die Usa, wenn dieses Land so gut läuft?
      Udo Rosenkranz

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      Udo Rosenkranz

      Warum sind 8,3 Millionen Deutsche Facharbeiter nach Mexico eingewandert ?
      Und ihr Wissen ueber Illegale Mexicaner nach / in USA ist schlechte Info deutscher Medien / die Haelfte der heutigen USA ist Mexicanisches Mutterland , der groesste Anteil der sogenannten Illegalen Latinos sind aus Honduras , Paraguay , auch Panama usw. Warum haben wir 80 % Deutsche Industrie in Mexico ? Googeln Sie mal nach BMW San Luis Potosi und Mercedes , Deutsche Airbus in Monterrey und Liebherr 6 Werke , Audi in Leon , thyssebkrupp , Siemens , BASF u. Hamburg/Sued in Tampico OT Altamira , Mercedes / Nissan in Agua Caliente , Dr. Oetker uvam. Mexico ist fuer Deutschland 4. wichtigster Wirtschaftshandelspartner . Informiert Euch alles besser .

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    Martin Rehntier

    Der Historiker L. Bassani schreibt:

    „Streng genommen können wir Marx und Engels aber nur für die Toten der Revolution verantwortlich machen. Also die Opfer von Maos „langem Marsch“ oder der Oktoberrevolution. Marx und Engels gingen davon aus, dass der Revolution ein friedlicher Prozess folgen würde. Das ist eindeutig anders gelaufen.“
    Ich ergänze:
    Wenn man eine flächendeckende staatliche Enteignung fordere ist nicht nur die Unmittelbare Gewaltanwendung die logische Konsequenz darraus sondern auch das daraus zwangsläufig entstehende Regime.

    Weiter schreibt er:

    Marxs Buch „Das Kapital“ erlaubt keine Gewalt.“

    Mein Senf:
    Wenn eine philosophische Arbeit zu wirtschtaft, Wert & Produktion schon zu Gewalt aufrufen würde….naja.
    Nun wäre interessant an welcher Stelle das Kapital diese Verbietet, ich kann mich nicht daran erinnern etwas in der Art darin gelesen zu haben, ist aber schon einige Zeit her….
    Marx hat übrigens nicht nur diese Werke verfasst sondern sich auch anders geäußert, und das klang dann sehr wohl auch martialisch.

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    Martin Skorny

    Marx war Satanist, ein Sozialschmarotzer und Soziopath, der nicht nur seine Frau in den Suizid führte, sondern ebenso sein gesamtes soziales Umfeld ausnutzte.
    Sogar Engels hat sich irgendwann von diesem dehumanisierten Subjekt distanziert.

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      Udo Rosenkranz

      Che Guevara und Jesus kannten zwar die Ideen des Marx und auch Engels nicht , hatten jedoch vergleichbare Ideen * wie z.B. eine Buergerversicherung * beide waren Visionaere und Revolucionaere * alles das besitzen z.B. die politischen Typen die jetzt die Groko in Berlin fortsetzen wollen nicht annaehernd .

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    Hans Meierding

    Kann man selbstverständlich nicht.
    Es sind Diktatoren, Stalin, Pol Pot, Mao, etcpp gewesen die seine Lehren für ihre Verbrechen missbraucht haben.

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    Tobias Eckert

    Mein Gedanke dazu ist dass Karl Marx ein Theoretiker war der eben aus den Problemen seiner Zeit Theorien entwickelt hat wie es besser gehen könnte. Und mit einer Theorie kann man ja bekanntlich auch teilweise oder vollständig falsch liegen…

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    Udo Rosenkranz

    So wie Frau Angela Merkel ? 12 Jahre falsch gewesen ist ? Oder Kohl mit schwarzen Koffern ohne Spender ?

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    Phillip Thern

    Kann man Jesus das anlasten, was die Kreuzritter in Seinem Namen angerichtet haben? Natürlich nicht. Wenn er nicht seinem Grabe entsprungen wäre, hätte er sich spätestens dann da herausgebohrt, bei den Umdrehungen die ihm das gegeben hätte. Marx ist nicht für die Fehlinterpretationen seiner Leser und die darauffolgende Gewalt verantwortlich.

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      Ingo Zander

      er selber hat sich Fehlinterpretationen geleistet und zwar ganz massive.

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      Phillip Thern

      Ingo Zander meinst du Jesus, oder Marx, oder beide? Was Marx angeht: ja,mit Sicherheit. Er war trotz seiner herausragenden Begabungen dennoch nur ein Mensch. Was Jesus angeht: Als Sohn Gottes, oder Gott in menschlichem Fleisch, musste er auch irren können, denn nur durch vollkommene Empathie konnte er alle Sünde von uns nehmen

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      Hermine Maria Ritter

      Die Christianisierung Amerikas und der Nordmänner war ein ganz furchtbares Kapitel des Christentums, welches unverzeihlich ist. Das Kreuzrittertum allerdings war eine Abwehr und der leider gescheiterte Versuch verschleppte und versklavte Christen zu befreien.

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    Ingo Zander

    Ob Talmud, Bibel, Koran oder gar Marx wurden und werden vermutlich immer nur als Feigenblätter für eine aggressive Machtpolitik von Einzelnen missbraucht. Einen Kommunismus hat es nie in Russland gegeben. Es waren die Bolschewiki welche sehr schnell und brutal die Macht an sich gerissen haben. Welche dann in einer Jahrzehnten langen Diktatur unter Stalin endete. Übrigens mit 40 Millionen Toten ohne den „Vaterländischen Krieg“ 2ter Weltkrieg gerechnet! Wieso ein Herbert Wehner, Walter Ulbricht und andere gerade in Moskau nach dem Einmarsch von Hitler als Deutsche überleben konnten, bleibt wohl für immer deren Geheimnis.

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      Alexander Plum

      Weil die Ideen nivht verkehrt sind aber zu Fehleranfällig. Und der Mensch ist leider so ein Fehler. Der Mensch wird was das angeht wohl auch nicht mehr schlauer. 😂 Naja vielleicht geben wir in ferner Zukunft das an eine KI ab, die das dann regelt. 🤔

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    Klaus

    Falls ihr da alle noch nicht hinter gekommen seit 1989 ist die DDR pleite gegangen

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    Martin

    Nur wenn man weiterhin im Namen seiner Ideologie hundert von Millionen Menschen umbringen möchte.

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    Marcel Maciewski

    Marx war vor allem Humanist, der eine herrschaftsfreie, auf Gleichheit, Gerechtigkeit und Frieden basierende Welt vor Augen hatte. Eine Utopie, die den Menschen wohl ewig vorschweben wird und die auch den Menschen in seiner Zeit vorschwebte, auch dem liberalen Bürgertum.
    Marx stellte aber heraus, dass die kapitalistische Produktionsweise dem entgegen steht. Der Mensch wird versklavt, ausgebeutetet und steht bei Krisen vor dem Abgrund. Die Menschen werden gegen ihre Interessen gelenkt und in Konkurrenz und Kriege geleitet.
    Marx hat eine äußerst präzise Analyse unseres Wirtschaftssystems geliefert, die mehr den je gilt.
    Durch Marx versteht man, warum wir immer mehr brauchen, die Natur zerstören, Kriege führen, warum es Armut gibt und gleichzeitig exorbitanten Reichtum. Jeder, der die Welt verbessern will, muss sehen, das Veränderung immer auch ein Kampf gegen die kapitalistischen Verhältnisse ist, da diese nicht nur gegen eine würdevolles Leben stehen, sondern auch permanent schon errungene Fortschritte in der Verbesserung der Lebenssituation wieder in Frage stellt.
    Der Kapitalismus ist der natürliche Gegner aller, die sich für soziale, demokratische und ökologische Rechte einsetzen.
    Es ist auch wichtig sich mit Marx zu beschäftigen, weil immer die Möglichkeit besteht, dass der Kapitalismus an seiner eigenen Logik scheitert und zerbricht. Spätestens dann müssen Alternativen gedacht werden.

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    Daniel

    Irgendwann sobald der Mensch bereit ist, wird die Revolution starten … so anno 2200 oder so 😅😢

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    Günay

    Das kannst knicken . Der Mensch wird dümmer und schläft immer tiefer in seiner Blase als das er jemals irgend was merken wird .

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    Matze

    Sie sind insofern relevant, als das sie vor dem Kontext der Geschichte eine lebenswichtige Botschaft transportieren:

    Kommunismus tötet!

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    Andreas

    Du weißt, dass es bei Marx hauptsächlich um eine dialektische Analyse des Kapitalismus geht, oder? Und hauptsächlich insofern sind seine Ideen auch heute noch relevant Brudi.

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    Matze

    Andreas Fredrich Marx hatte im kommunistischen Manifest Gewalt als notwendiges und legitimes Mittel verherrlicht, um die „Diktatur des Proletariats“ zu errichten.

    Das macht ihn zum Vater aller kommunistischen Massenmorde, die in ihrer Summe etwa 100 MILLIONEN Menschen das Leben kostete.

    Wer diesen Verbrecher verharmlost, hat kein Gewissen.

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    franz-josef kruse

    Es gilt immer noch: Religion ist Opium fürs Volk! Das wird mir, je länger ich lebe, immer deutlicher!

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