Internationaler Welthandel erinnert in letzter Zeit an eine Buchstabensuppe! Abkürzungen wie TTIP, CETA, TPP – wer blickt da noch durch? Einiges haben sie jedoch gemeinsam, es geht um Globalisierung, eine ganze Menge Geld und zunehmenden Protest.
Freihandelsabkommen wurden einst als Lösung für die Probleme des internationalen Handels gepriesen, sie sollten Einsparungen schaffen, Bürokratie abbauen sowie Jobs und Wohlstand fördern. Die Proteste gegen die Abkommen mehren sich jedoch: Kritiker fürchten einen Abbau von Arbeitnehmerstandards, Verbraucherrechten und Umweltschutz. Auch die fehlende Transparenz bei den Verhandlungen wird bemängelt.
Das umstrittene Freihandelsabkommen CETA der EU mit Kanada trat gestern vorläufig in Kraft. Streng genommen müssen sowohl das Europäische Parlament als auch 38 nationale und regionale Parlamente ihre Zustimmung für internationale Abkommen erteilen. Zuletzt stimmte das sozialistische Parlament der Wallonen in Belgien gegen CETA, da die Abgeordneten ihre Bauern vor internationalen Großkonzernen schützen wollten. Jetzt prüft der Europäische Gerichtshof das System der Schiedsgerichte, die Bedingung für das wallonische Ja zum Abkommen. Viele Parlamente haben aber noch nicht abgestimmt, daher liegt die Betonung bei CETA auf vorläufig und der Widerstand in der Bevölkerung aber auch auf politischer Ebene bleibt.
Wir haben einen Kommentar von Akos erhalten, der kritisiert, dass Verhandlungen der Freihandelsabkommen im Geheimen geführt werden und damit Transparenz fehlt. Wir haben seine Kritik an den Europaparlamentarier Bernd Lange (SPD) weitergegeben, der als Vorsitzender des Ausschusses für internationalen Handel im Europäischen Parlament und Berichterstatter für das Handelsabkommen zwischen der EU und den USA (TTIP) zuständig war.
Zu Beginn waren die Verhandlungen wirklich zu verschwiegen. Das zu ändern war meine erste Aufgabe, als ich den Vorsitz im Ausschuss für internationalen Handel übernahm. Wir machten der Kommission klar, dass wir Transparenz bräuchten, andererseits könnten wir keine Handelsabkommen verhandeln. Es hat sich langsam etwas verändert. Jetzt werden Dokumente veröffentlicht und wir führen einen Dialog mit der Zivilgesellschaft. Es reicht nicht, aber wir machen Schritte in die richtige Richtung. Ich bin davon überzeugt, dass wir keine Handelsabkommen ohne Transparenz abschließen können, weil diese Abkommen das ökonomische und soziale Leben zu sehr beeinflussen. Transparenz ist daher eine Bedingung.
Für eine zweite Meinung fragten wir auch Tiziana Beghin (Fünf-Sterne-Bewegung), eine Europaabgeordnete aus Italien, die auch Mitglied im Handelsausschuss ist. Was sagt sie zu Akos?
Man sagt, dass die TTIP Verhandlungen jetzt transparenter sind, aber das stimmt überhaupt nicht. Das einzige, was sich geändert hat ist, dass jetzt alle Europaabgeordneten Zugang zu den EU Dokumenten haben und nicht nur einige wenige. Auch wenn wir das jetzt können, dürfen wir weder Computer noch Handy oder Wörterbuch mit in den Leseraum nehmen. Ich kann mir Notizen machen, aber das reicht nicht.
Diese technischen Texte sind nur auf Englisch. Ich bin nicht in jedem Bereich, der TTIP betrifft, Expertin. Daher ist das eine sehr arme Art der Transparenz. Alle Bürger, die Zivilgesellschaft und Experten sollten Zugang zu den Dokumenten haben, nicht nur ich. Abgeordnete brauchen Experten, die uns bei diesen sehr technischen Details beraten. Daher ist das keine Transparenz.
Warum wächst der Protest gegen Freihandelsabkommen? Teilst du die Sorgen der Kritiker oder siehst du eher Vorteile? Lass uns deine Meinung wissen und wir fragen nach!
FOTO: cc / flickr – Campact
Zu Beginn waren die Verhandlungen wirklich zu verschwiegen. Das zu ändern war meine erste Aufgabe, als ich den Vorsitz im Ausschuss für internationalen Handel übernahm. Wir machten der Kommission klar, dass wir Transparenz bräuchten, andererseits könnten wir keine Handelsabkommen verhandeln. Es hat sich langsam etwas verändert. Jetzt werden Dokumente veröffentlicht und wir führen einen Dialog mit der Zivilgesellschaft. Es reicht nicht, aber wir machen Schritte in die richtige Richtung. Ich bin davon überzeugt, dass wir keine Handelsabkommen ohne Transparenz abschließen können, weil diese Abkommen das ökonomische und soziale Leben zu sehr beeinflussen. Transparenz ist daher eine Bedingung.
Man sagt, dass die TTIP Verhandlungen jetzt transparenter sind, aber das stimmt überhaupt nicht. Das einzige, was sich geändert hat ist, dass jetzt alle Europaabgeordneten Zugang zu den EU Dokumenten haben und nicht nur einige wenige. Auch wenn wir das jetzt können, dürfen wir weder Computer noch Handy oder Wörterbuch mit in den Leseraum nehmen. Ich kann mir Notizen machen, aber das reicht nicht.
6 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare
NEIN!!! JA ZU CETA
Du bist doch doof
Weißt du was das alles für Schäden verursacht?
Belangloser Aktionismus.
Die globalistische Agenda ist schon längst im vollem Gange, und durch solche Veranstaltungen sicherlich nicht auf zu halten.
Gegen solche Abkommen weil….
….Nachteile für Verbraucher
….Übervorteilung der Wirtschaftslobby und vereinfachte Privatisierung
… Ausfallklagen und damit abwälzen d. Unternehmerischen Risikos auf die Steuerzahler
…. extrallegale, ausserjuristische Schattengerichte (ISDS)
…. absicherung des expotentiellen Wachstums statt Wachstum durch Innovation
…… Arbeitsplatzverlust und Billiglöhne…. siehe NAFTA in Mexico …..
Weil es mehr schaden anrichtet als positives hervorbringt
Problematisch ist sicherlich nicht nur das Thema Arbeitsplätze, sondern auch das riesige Verkehrsaufkommen. Zumindest innerhalb Europas leider sehr viel auf der Straße, wobei zusätzlich zum immensen Verkehrsaufkommen und dessen Auswirkungen auch die Ausbeutung vor allem osteuropäischer Fahrer kritisch gesehen werden muss. Wie wäre es denn, wenn EU-weit Verkehr im Allgemeinen (also jeglicher Straßen-, Schienen-, Wasser- & Luftverkehr, egal ob Personen oder Güter transportiert werden) durch Steuern und Mindest-Sozialstandards erheblich verteuert wird? Ich zähle einfach mal ein paar Themengebiete auf, bei denen ich mir davon zumindest auf längere Sicht Vorteile verspreche: es könnten wieder mehr lokale / kleinere Produzenten wirtschaftlich arbeiten, weniger Straßenbau nötig, weniger Verpestung der Luft, bessere Arbeits- und Lebensbedingungen für LKW-Fahrer, viele LKW-Fahrer können sinnvollerer Arbeit nachgehen als nur „ein Lenkrad festzuhalten“ (sicher ist das arg vereinfacht und wahrscheinlich sogar böse), eingenommene Steuern könnten z.B. für die Stärkung der Schiene gegenüber der Straße verwendet werden. Kurzfristig gibt’s sicherlich Umstellungs-Schmerzen. Aber langfristig? Woher ist, außer natürlich von Auto- und LKW-Herstellern und Autonarren bzw. Leuten, die ihr Leben sehr auf das Auto ausgerichtet haben, mit Widerstand zu rechnen? Meinungen?