Europas Wirtschaft scheint sich zu erholen. Die EU tuckert nach einigen ökonomischen Stürmen so langsam in den sicheren Hafen. Beispielsweise liegt die Arbeitslosigkeit derzeit nur einen Prozentpunkt höher als vor der Wirtschaftskrise 2007, auch wenn sie in der Eurozone höher ist als in der EU im Ganzen. In Anbetracht der letzten Dekade sind positive Nachrichten zur Wirtschaftslage Europas rar geworden.

Es sieht nach Fortschritt aus, aber es gibt noch viel zu tun. Die französische Regierung unter Präsident Emmanuel Macron hat vor kurzem angekündigt, Steuern um 11 Milliarden Euro zu senken. Dies ist Teil einer Strategie, neue Jobs zu schaffen und damit die Arbeitslosigkeit in Frankreich zu bekämpfen. Wird das funktionieren?

Analysiert man die Steuerdaten aus den USA der letzten sechzig Jahre, scheint es kaum einen Zusammenhang zwischen Steuersenkungen und Investitionen oder Wachstum zu geben. Makroökonomie ist dann wohl doch etwas komplizierter als die Formel „Steuer = schlecht“.

Einfache Zusammenhänge zwischen Arbeitsplätzen und Steuern aufzustellen, kann in die Irre führen. So werden die USA oft exemplarisch als Volkswirtschaft mit niedrigen Steuern dargestellt, das bedeutet aber noch lange nicht, dass der Bürger weniger Abzüge als der Durchschnittseuropäer zahlt. Die Kosten für eine Gesundheitsvorsorge können beispielsweise sehr viel höher liegen.

So hat auch die niedrige britische Körperschaftssteuer die Produktivität im Land nicht erhöht, sie liegt unter dem Schnitt im Vergleich mit großen Volkswirtschaften. Der britische Schatzkanzler kommentierte hierzu, dass ein deutscher Arbeiter in vier Tagen an Produktivität schaffe, wofür sein britischer Kollege fünf brauche. Das bedeutet auch einen niedrigeren Stundenlohn für die Arbeitnehmer auf der Insel.

Schaffen Steuersenkungen Jobs? Oder ist die Verbindung zwischen Steuern und Jobs komplizierter als angenommen? Was ist deine Meinung zum Thema?

FOTO: CC / Flickr –  Tim Reckmann



24 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

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    Phillip Thern

    Wir haben viele Arbeitsplätze – für Leute mit einem hohen Bildungsabschluss. Wieso fehlt es an Fachkräften? Nicht etwa, weil ein Großteil der Menschheit dumm wäre, sondern weil die meisten Menschen in dem Glauben aufwachsen, dass sie nur Geld brauchen um glücklich zu werden, und der kürzeste Weg zum Geld ist nun mal ein verkürzter Bildungsweg

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      Paul Tobias Dahlmann

      Das stimmt so nicht. Die vorhandenen Arbeitsplätze richten sich vor allem an Leuten mit einem Bildungsgrad im unteren Mittelfeld. (Facharbeiter und Handwerk) Wirklich gebildete Leute will die sogenannte Elite nicht zu viele haben. Sonst sieht sie ihren eigenen Stand gefährdet. Deshalb sind in dem Bereich viele Menschen arbeitslos.

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      Paul Tobias Dahlmann

      Was die Wirtschaftler nicht in den Kopf kriegen, ist, dass die allermeisten anderen Menschen nicht, oder nicht primär wegen des Geldes studieren. Deshalb geht ihr Konzept nicht wirklich auf…

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      Phillip Thern

      Paul Tobias Dahlmann ‚Die Eliten‘ können zwar viel, und sind vor allem gut darin, oben zu bleiben, aber der Berg auf dem sie stehen wächst von alleine

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    Phillip Thern

    Wir haben viele Arbeitsplätze – für Leute mit einem hohen Bildungsabschluss. Wieso fehlt es an Fachkräften? Nicht etwa, weil ein Großteil der Menschheit dumm wäre, sondern weil die meisten Menschen in dem Glauben aufwachsen, dass sie nur Geld brauchen um glücklich zu werden, und der kürzeste Weg zum Geld ist nun mal ein verkürzter Bildungsweg

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    Pierre Gummersheimer

    Bevor man über die Steuern redet, sollte die Entwicklung Europa’s nachdenken.
    Der Brexit ist noch nicht abgehandelt. In einigen Ländern ändern sich die politischen Verhältnisse. Darauf müsste der Focus liegen.

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    Pierre Gummersheimer

    Bevor man über die Steuern redet, sollte die Entwicklung Europa’s nachdenken.
    Der Brexit ist noch nicht abgehandelt. In einigen Ländern ändern sich die politischen Verhältnisse. Darauf müsste der Focus liegen.

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    Claudia Maron

    Steuersenkungen schaffen weniger Arbeitsplaetze als es stärkere Lohnerhöhungen tun. Denn damit wird kurz- und mittelfristig die Binnennachfrage angekurbelt. Das schafft Arbeitsplaetze und stabilisiert die Wirtschaft.

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    Claudia Maron

    Steuersenkungen schaffen weniger Arbeitsplaetze als es stärkere Lohnerhöhungen tun. Denn damit wird kurz- und mittelfristig die Binnennachfrage angekurbelt. Das schafft Arbeitsplaetze und stabilisiert die Wirtschaft.

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    Paul Tobias Dahlmann

    Nein. Steuersenkungen führen nur zu mehr Ungleichheit. Wir brauchen im Gegenteil dringend Steuererhöhungen und mehr Staat. (Dieser darf dabei natürlich nicht von der Großindustrie gesteuert werden.)

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    Kevin

    Eindeutig ja, schließlich gibt das jedem Unternehmen mehr Wettbewerb Vorteile. Und diese können in neue Jobs investieren. Aus diesem werden neue Umsätze generiert.

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    Dieter

    Da hab ich meine bedenken so lang die EZB die Zinsen niedrig hält tuckert Europas Wirtschaft ins nirgendwo.

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    Daniel Fechner

    Steuersenkungen haben in erster Linie nur ein größeres Netto von Brutto zur Folge. Ob eine Firma investiert liegt aber in erster Linie daran, ob dies durch die derzeitige Konjunktur erlaubt wird. Mit anderen Worten, ob eine erhöhte Produktion auch mehr Gewinn abwirft, insbesondere für die Aktienbesitzer.
    Deshalb denke ich, dass in manchen Fällen eine Verringerung der Steuerlast sehr wohl zu einer Abnahme der Arbeitslosigkeit führen kann, doch wird der positive Effekt wohl oder übel durch die Minderung der Einnahmen der Staaten wieder wettgemacht.

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    LehrerInnen für Nachhaltige Entwicklung

    Volkswirtschaftlich spielt es erst mal keine Rolle, ob der Staat das Geld ausgibt oder Haushalte und Unternehmen. Dann hängt es davon ab, wer das Geld wo ausgibt. Steuersenkungen können natürlich die Produktionskosten (auf Kosten anderer Volkswirtschaften) nach unten drücken. Kurzfristig kann man sich so einen Standortvorteil verschaffen, langfristig kommt es zum Steuerwettlauf nach unten. Wichtig wäre eine Debatte darüber, auf welche Produktionsfaktoren die Steuern erhoben werden (Arbeit oder z. B. Umweltverbraucht…).

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    Patrik

    Wer bei dieser Innovation noch Jobs erschafft ist ein wenig dumm!

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    Christian

    @Kevin Gabbe …. das mit dem reinvestieren hatten wir mal als wir noch so etwas wie ein Kapitalismus hatten.

    Nun herrscht die neoliberale Ideologie, die Menschen die existenzielle Haut vom Leibe zieht solange es nach Haut zum ziehen gibt…..

    Nein, Steuersenkungen helfen nur denen die eh schon genug haben und in der neoliberalen Doktrin wird nicht reinvestiert um Jobs und Wachstum zu schaffen Sonnenuhr um kurzfristig Gewinne zu ziehen.

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