Brexit_post_18

Ist kein Deal wirklich besser als ein schlechter Deal? In einer Rede vom Januar 2017, warnte die britische Premierministerin Theresa May die EU davor, dass sie die Verhandlungen abbrechen würde, wenn sie nicht bekommt, was sie will. Dann, im März, schien es, als ob die britische Regierung ihre Strategie etwas zu mildern versuchte, da Sorgen aufkamen, dass kein Deal mit der EU katastrophale Auswirkungen auf die britische Wirtschaft haben könnte.

Jetzt sieht alles aber wieder ganz anders aus. Die Torys krempeln die Ärmel hoch, machen sich wieder bereit zum Kampf und ihr Wahlprogramm unterstützt wieder die These: „Kein Deal ist besser als ein schlechter Deal“. Doch welche Auswirkungen hätte es wirklich, wenn kein Deal zustande käme?

Wir haben einen Kommentar von Fátima bekommen, die meint, dass wir alle doch die Konsequenzen eines „No Deals“ bereits kennen würden. Stimmt das? Was würde ein „No Deal“ wirklich für Großbritannien bedeuten?

Wir sprachen daraufhin mit Peter Liley, ehemaliges Mitglied im Parlament für die Konservativen, der bei den kommenden Wahlen nicht mehr antreten wird. Glaubt er, dass kein Deal wirklich besser wäre, als ein schlechter Deal?

peter-lilleyJa, es wäre wahrlich besser. Außerdem kann man keine guten Verhandlungen führen, wenn man nicht bereit ist, ohne Deal davonzugehen. Warum wäre kein Deal besser als ein schlechter Deal? Wegen einer Reihe von Gründen. Aber wenn wir keinen Deal haben, dann handeln wir mit der EU auf Basis des Meistbegünstigungsprinzips, was bedeutet, dass wir die gleichen Zölle haben wie Amerika, Japan und China, die alle sehr erfolgreich Handel mit Europa führen. Diese Zölle liegen bei etwa 4% im Durchschnitt bei den Dingen, die wir nach Europa exportieren.

Wir haben derzeit einen Nettozuschuss an die EU von 10 Milliarden Pfund pro Jahr, das Geld, das wir von der EU zurückbekommen bereits eingerechnet. Das sind etwa 7% unseres Exportwertes. In Zukunft müssen wir diese 7% nicht mehr zahlen, und ohne Deal müssten mir 4% zahlen. Wir stehen also eindeutig besser da.

Für eine weitere Meinung haben wir Fátimas Kommentar zu Richard Corbett gebracht, Mitglied im Europäischen Parlament für die Labour Party. Was sagt er dazu?

Ein weiterer Kommentar kam von Julia, die befürchtet, dass das Vereinigte Königreich ein Steuerparadies außerhalb der EU werden könnte. Der britische Schatzkanzler, Philip Hammond, sagte, dass Großbritannien bereit dafür sei, sein „wirtschaftliches Modell zu ändern“, wenn es keinen Deal mit der EU geben werde. Ist damit das Steuerparadies gemeint, das Julia befürchtete?

peter-lilleyIch bin mir nicht 100% sicher, was Hammond damit meinte. Wenn er damit meinte, dass Großbritannien ein dereguliertes Land mit niedrigen Steuern werden könnte, dann wäre ich nicht dafür. Ich bin für das Minimum an Regulierungen, was bereits sehr viel ist, und für das Minimum an Steuern, was ebenfalls sehr viel ist. Und das sollten wir tun, egal ob wir einen Deal bekommen oder nicht.

Wir sollten versuchen, ein Land mit relativ geringen Steuern und sensiblen, aber nicht zu verordneten Regulierungen zu werden. Aber wir sollten das tun, gleichwohl ob sie einem Abkommen zustimmen, denn es wäre gut für unsere Wirtschaft.

Die gleiche Frage haben wir auch an Richard Corbett gestellt. Hat Julia Recht? Könnte Großbritannien zu einer Steueroase werden?

Was würde „Kein Deal“ in den Brexit-Verhandlungen für Großbritannien bedeuten? Müsste Großbritannien sein „wirtschaftliches Modell ändern“? Schreib uns deine Gedanken und wir fragen Europas Experten nach ihrer.

FOTO: CC / Flickr – Duncan Hull / Banksy



27 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst du?

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    Nicholas Fa

    Die Zukunft steht relativ offen, aber eines ist sicher: Die EU wird alles daran tun, andere Staaten zu hindern auszutreten. GB wird wohl gezwungen kein deal zu nehmen, als sich demütigen zu lassen.

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    Mickey Glencairn

    Soll Britanien mal sehen wie es klar kommt ohne Europäische Union und ohne Zugeständnisse für Zoll und Transfer von Geldströmen.

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      Marcel Burghart

      dir ist aber schon bewusst das diese Geldströme ca 200 mio Pfund die die briten bekommen pro woche im vorraus aber mit über 300 mio pfund pro Woche durch die Briten im Endeffekt selber bezahlt wurden oder? Dir ist schon bewusst wenn die Eu rumspackt jetzt und die Briten einfach ihren Steuersatz auf 17% senken wie die USA was dann Passiert oder? Du bist auf dem völlig falschen Dampfer die Firmen werden den Briten die Buden einrennen Zoll hin oder her und die EU brauchen die Briten nicht die Welt ist gross um zu handeln. Nichts und niemand braucht die EU die EU ist ein insolventes künstliches Konstrukt was nur durch Phantasiegeld am Leben erhalten wird. Dir ist hoffentlich auch bewusst das die Negativzinspolitik der EZB deine Altersvorsorge massiv schädigt oder? Aber ja die EU ist das beste (Ironie) . Die Briten haben alles richtig gemacht sie verlassen das sinkende Schiff rechtzeitig sicher wird es vielleicht nicht einfach am Anfang aber langfristig werden die Briten die Gewinner sein.

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      Rene Nee

      Marcel Burghart kurz mal quergelesen. Und überzeugt. UK hat ja noch allerhand Reserven & der wichtigere Partner liegt weiter westlich. Das sollten wir mal so hinnhemen. Die Interessen der Staaten und deren Erfolge sind absehbarer, kalkulierbarer und profitabler. Das ist ganz klar eine viel, viel bessere Aussicht für die Jungs. Und – Nachschub – sie besitzen keinerlei Verantwortungsgefühl für den Kontient (haben wir uns zuzuschreiben..). Britten halt..
      P.S.: Ich würde auf 220 Mrd. erhöhen.. ;)

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      Ralf Peter

      Früher ging es doch auch ohne EU ???

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      Marcus Kaminski

      Ralf Peter Mhm und früher gab es auch ww2, ww1 und jede Menge anderer Kriege.

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      Marcel Burghart

      ja und jetzt gibt es andere Kriege die gegen uns geführt werden finanzielle und religiöse und?

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    Ulrich Radsey

    GB will den Harten Austritt aus der EU. Also will sich nicht an EU Verträge halten wie Handelsabkommen und Arbeitsabkommen der EU. Sich auch nicht angleichen. Und ich finde es nur gerecht das GB Zahlungen der EU die bis 2020 geleistet wurden Anteilig zurückzahlen muss.

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      Dagmar Mund

      Sie wissen aber schon, dass die Briten nach Deutschland zweitgrößter Nettozahler ist. Sprich, sie haben Milliarden mehr in den Topf eingezahlt als sie von der EU erhielten.

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    Sabine von Malotki

    Ich denke die Briten haben alles richtig gemacht, als sie die Schein-Gemeinschaft verlassen haben. Wenn ich allein an die vielen sinnfreien Normen denke. Wie z.B. die Begradigung der Schlangengurke, da lache ich immer noch :-D

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    Mirko Fröbel

    Wenn sich die wirtschaft gleichwertig mit Bündnis Partnern gestaltet müsste es machbar sein

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    Nicholas Fa

    Warum nicht die frage, was mit der EU passiert? Ich glaube das kann man sich auch mal angucken. Was passiert wenn einer ihrer stabilsten und reichsten investoren aussteigt?
    Antwort: nichts gutes. Warum glaubt ihr dass die EU so entschlossen ist, die UK drinnen zu halten, etwa, Weil wir so gute freunde sind? Diese realität warf die EU mit ihren beleidigungen und dämonisierungen aus dem fenster.

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    Paul Meier

    Er hat nicht berücksichtigt, dass die jeweiligen Firmen den Schaden davon nehmen werden, die auf die EU angewiesen sind, nicht der Staat. Es müsste also Hilfe vom Staat kommen und da die UK auf dem Weg in die freie MW ist, wie sie schon beschrieben haben, wird das wohl nicht passieren. Die Industrie geht somit krachen und wird vollkommen sich selbst überlassen.
    Dass sie in Europa weniger Absatz haben werden, aufgrund des gestiegenen Preises, ganz abgesehen.

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    Erna Götze

    Die Briten können nicht die Rosinen ausder EU herauspicken und keine Vepflichtungen für Europäische Länder eingehen.sie wollen aus der EU und dann sollte das im harten Scnitt auch erfolgen.

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    Matthias Schlicht

    Großbritannien wäre zwar pünktlich draußen, aber dann kämen sll die handels- und wirtschaftspolitischen Ptobleme…und wenn die Schotten aus dem UK aussteigen würden, gingen Großbritannien die Erdöleinnahmen verloren… unf plötzlich kommt so etwas Unerwsrtetes und der Felsen Rockall stürzt im Atlantic um…400 Seemeilen Wirtschaftszone (im Durchmesser) wären futsch…und die Fischereirechte nicht vergessen.

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    Adalar Schmidt

    Die Briten haben rechtzeitig erkannt was Merkel vor hat. Die haben gesagt nicht mit uns. Sie haben alles richtig gemacht. Wenn Deutschland mit Pflichtlingen überflutet ist und der Halbmond auf den Straßen regiert dann gibt es noch die Insel der Angelsachsen wohin wir flüchten können oder Südamerika zum Beispiel :)

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    Anonymous

    Deutschland hat scheinbar noch nicht verstanden, was finanziell auf uns zukommt. Deutschland ist der Ware Verlierer beim Brexit. Die Briten werden Freihandelsabkommen mit Ozeanien Indien und den USA schließen – das was die EU nicht kann. Die EU wäre schön blöd wenn sie dieses Türchen auch noch schließt.

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      Anonymous

      Das würde den Briten aber auch lange nicht helfen. Beide Seiten verlieren, das ist aber auch nicht die Frage gewesen.

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      Anonymous

      Die EU zerfällt und die Regierenden wollen es nicht wahrhaben. Die Briten gewinnen mehr als dass sie verlieren.

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