app-economy

Man hört oft, dass Menschen aufgrund von technologischem Fortschritt auf der Strecke bleiben werden. Der Erfolg der AfD, von Donald Trump, Brexit, Marine Le Pen und Geert Wilders basiert angeblich auf der Angst, dass Fortschritt den Menschen mehr wegnimmt als er ihnen bringt. Beispielsweise fallen immer mehr Jobs der Automatisierung zum Opfer.

Keine Frage, neue Technologien bringen viele neue Möglichkeiten, wie fahrerlose Autos, Drohnen, die App-Economy, Machine Learning und virtuelle Realität. Doch wie können wir sicherstellen, dass das Wachstum allen zugutekommt, und nicht nur den gut ausgebildeten und hochqualifizierten Arbeitskräften?

2016 haben wir eine Debatte veröffentlicht, die sich mit dem Wachstum der „App-Industrie“ in Europa beschäftigte. Es wurde debattiert, dass Apps eine „Peer-To-Peer-Wirtschaft“ in Europa in Schwung bringen könnten, in der Menschen Dienstleistungen sich direkt gegenseitig anbieten. Außerdem könnten Regierungen und Unternehmen Apps nutzen, um andere Teile der Wirtschaft zu fördern: von Apps für Touristen bis hin zum Onlinebanking auf dem Smartphone oder Tablet.

Wird die „App-Industrie“ also allen nutzen? Wir haben einen Kommentar von Sebastian bekommen, der befürchtet, dass manche Europäer „technologisch auf der Strecke bleiben“. Klingt logisch: Nicht jeder kann ja Entwickler oder Software-Ingenieur werden. Wie können wir also verhindern, dass manche Menschen im digitalen Zeitalter auf der Strecke bleiben?

Um eine Antwort zu finden, sprachen wir mit Dr. Michael Mandel, Chefstratege für Wirtschaft beim Progressive Policy Institute, ein Think Tank in Washington, der Innovationen und Wachstum in Wissensgesellschaften vorantreibt. Was würde er also Sebastian antworten, besonders in Bezug auf die App-Industrie?

mandelEs gibt zwei Antworten auf diese Frage. Erstens: die App-Industrie schafft mehr Arbeitsplätze als nur Jobs für Programmierer und Coder. Sie schafft zum Beispiel auch Jobs für Leute, die in Firmen arbeiten, die Programmierer unterstützen. Es werden also viele Jobs in der Mittelschicht durch die App-Industrie geschaffen, zum Beispiel Bürojobs in Firmen, die Apps entwickeln.

Zweitens: Wir müssen uns mehr um die Menschen kümmern, die auf der Strecke bleiben, wenn die App-Industrie weiter wächst. Und zwar moralisch und auch finanziell.

Als wir damals unsere Debatte über das Wachstum der App-Industrie veröffentlicht hatten, haben wir einen Kommentar von Marcel gekriegt, der behauptet, dass die App-Industrie die Wirtschaft auf den Kopf stellt und Jobs vernichtet. Hat er Recht, zerstört sie mehr Jobs als sie schafft?

mandelDie App-Industrie schafft Arbeitsplätze für App-Entwickler, sie schafft Jobs für Leute, die die Apps betreiben und Support anbieten, sie schafft Jobs für Menschen, die App-Entwickler unterstützen und sie schafft Arbeitsplätze darüber hinaus. Nach unserer letzten Schätzung brachte die App-Industrie mehr als 1,6 Millionen Jobs in Europa. Wir glauben also, dass die App-Industrie viele Arbeitsplätze schafft.

Wir haben auch einen Beitrag von Paul bekommen. Paul glaubt, dass die App-Industrie qualitativ sehr ungleich und nicht nachhaltig sei. Und tatsächlich, manche Artikel verweisen auf die Tatsache, dass 99% der Apps niemals Gewinn machen werden. Ist die App-Industrie also zukunftsfähig?

mandelDas ist etwas irreführend. Die meisten Apps wurden nicht dafür programmiert, um Geld über den App Store zu machen. Es gibt solche Apps, wie Spiele zum Beispiel, die dafür programmiert wurden. Aber es gibt wesentlich mehr Apps, die von Firmen oder Regierungen kreiert wurden, um andere Teile der Wirtschaft zu fördern. Wenn also eine Regierung beispielsweise eine App sponsert, die sich um den Nahverkehr in der Stadt dreht, taucht diese App zwar nicht in den Ranglisten der App Stores auf, aber die App kreiert trotzdem Jobs für Entwickler. Die App-Industrie beinhaltet also wesentlich mehr als nur die Apps, die auf den Ranglisten der App Stores erscheinen.

Wie können wir verhindern, dass wir im digitalen Zeitalter auf der Strecke bleiben? Schafft die App-Industrie mehr Jobs als dass sie vernichtet? Am 28. März 2017 organisieren wir gemeinsam mit Google ein Event unter dem Titel: „Digitale Transformation im mobilen Zeitalter: Neue Fähigkeiten, Jobs und Wachstum“. Und wir werden deine Fragen an die Teilnehmer der Veranstaltung stellen. Schreib uns also deine Meinung, wir fragen, was die Experten und Politiker dazu zu sagen haben!

FOTO: CC / Flickr – ebayink


8 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst du?

  1. avatar
    Chris Pyak

    Ich glaube nicht dass uns die Arbeit ausgeht. Die freiwerdende Zeit setzen wir für neue Projekte ein.

    Jeder kennt das aus dem Privatleben: Wir würden alle gerne tausend Dinge tun – aber die Zeit fehlt uns.

    Die Herausforderung wird sein, den Übergang von einem Beruf zu einem neuen zu gestalten.

    Wie Unternehmen hier helfen können: Bei Stellenauschreibungen zuerst das gewünschte *Ergebnis* zu definieren – und es dem Kandidaten überlassen zu zeigen wie er dieses Ergebnis erreichen würde.

    Das prozess-ororientierte Denken schließt fähige Bewerber zu oft aus, weil sie nicht in den vorgefassten Denkprozess passen.

  2. avatar
    Mickey Glencairn

    Man kann es nicht verhindern. Vielen fehlt beteits heute der Zugang und die Kenntnisse von Digitalen Medien oder Technik die in Beruf immer wichtiger und größere Rolle spielen.

  3. avatar
    Pierre Gummersheimer

    Technik kann immer missbraucht werden und wird ,in Bezug Meinungsbildung.
    Die sogenannten Alternativ Nationalisten haben die Möglichkeiten früher erkannt.
    Apps werden Kooperation mit der High Tech Industrie eingehen. Die Jobs werden eine höhere Qualifikation verlangen.

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