prostitution_DE

Den Spruch kennt fast jeder: Prostitution sei das „älteste Gewerbe der Welt“. Denn irgendwie gab es sie schon immer und alle bisherigen Versuche Prostitution zu verbieten, liefen ins Leere. Doch trotz dieser Tatsache haben es die meisten Staaten bisher abgelehnt, das horizontale Gewerbe als gewöhnliche Dienstleistung anzuerkennen. Befürworter einer Legalisierung argumentieren, dass der legale Status den Sexarbeiterinnen mehr Schutz bieten kann, was zu weniger Kriminalität und weniger Krankheiten führt.

In Deutschland ist Prostitution offiziell erlaubt. Bis zum 1. Januar 2002 galt die Prostitution in der Bundesrepublik als sittenwidrig. Sie war damit nicht ausdrücklich offiziell verboten, sondern nur geduldet. Dann kam das sogenannte Prostitutionsgesetz, das das Gewerbe legalisierte. Europaweit betrachtet variiert die Gesetzgebung drastisch: In manchen EU-Ländern ist die Prostitution noch immer verboten, in anderen geduldet, in manchen legalisiert.

Wir haben einen Kommentar von Akos bekommen, der meint, dass die EU mehr für Prostituierte tun müsse. Vor allem müssten Frauen davor geschützt werden, zu Sexarbeit gezwungen und ausgebeutet zu werden.

Daraufhin sprachen wir mit Mariska Majoor, einer ehemaligen Sexarbeiterin und Gründerin des Prostitution Information Center (PIC) in Amsterdam, eine Nichtregierungsorganisation, die für mehr Aufmerksamkeit für die Probleme von Sexarbeiterinnen kämpft.

majoorIch stimme Akos total zu. Erstens, es geht nicht nur um Menschenhandel – manche Prostituierten wurden verschleppt, andere haben diesen Beruf freiwillig gewählt. Aber für beide Gruppen ist es unglaublich wichtig, dass sie einen rechtlichen Status haben. Denn wenn man solch einen Status hat, dann kann man für seine Rechte eintreten, dann fühlt man sich sicherer und man kann zur Polizei gehen, wenn man ein Problem hat, anstatt davon zu laufen, weil man selbst etwas Illegales tut.

Persönliche Sicherheit, gute Arbeitsbedingungen, Hygiene etc., das alles ist in der Hand der Regierung und abhängig vom Rechtsstatus der Prostitution. Die Regierung muss also aktiv werden und die Lage von Sexarbeiterinnen verbessern, ihnen helfen oder ihnen mehr Rechte und bessere Arbeitsbedingungen geben.

Man kann Prostituierten nur helfen, wenn sie sichtbarer werden. Aber solange Prostitution in vielen Ländern der Welt illegal ist, ist es sehr schwer Sexarbeiterinnen zu erreichen.

Wir haben auch mit Mary Honeyball gesprochen, eine britische Abgeordnete im Europäischen Parlament und Mitglied der Sozialdemokraten. 2014 schrieb Honeyball einen Report für den „Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter“ über sexuelle Ausbeutung und Prostitution und deren Einfluss auf die Geschlechtergleichberechtigung. In diesem Report empfahl sie das sogenannte „Nordische Modell“, in dem der Verkauf von Sex legal ist, der Kauf jedoch kriminalisiert wird.

Es ist wichtig zu erwähnen, dass dieser Vorschlag zwar von der EU übernommen wurde, aber nicht bindend ist, da die Europäische Union keine Gesetze in der Sozialpolitik erlassen kann. Auch Jovan hat uns geschrieben, und er meint, es sei nicht sehr realistisch, dass die EU zu diesem Thema ein Gesetz erlässt. Denn die nationale Gesetzgebung sei viel zu unterschiedlich, damit es eine gemeinsame Regelung geben kann.

Was sagt Mary Honeyball dazu?

honeyballAlso er hat vollkommen Recht: Die Sozialpolitik liegt im Kompetenzbereich der Mitgliedstaaten. Aber es gibt Elemente der Prostitution, die auch andere Bereiche schneiden. Der Menschenhandel ist eines davon, weshalb die EU dagegen auch eine Direktive erlassen hat… Außerdem gibt es auch Angelegenheiten, die mehrere Länder betreffen. An der Grenze zwischen Dänemark und Schweden zum Beispiel. Schweden benutzt das „Nordische Modell“, in Dänemark ist Prostitution legal. Und dadurch gibt es viel Grenzverkehr. Es entstehen Probleme mit denen man sich beschäftigen muss. Es ist also nicht so einfach, dass man sagen kann, Prostitution gehört zur Sozialpolitik und ist damit Ländersache.

Es gibt also eindeutig verschiedene Einstellung bezüglich Prostitution in Europa. Könnte das „Nordische Modell“, das Prostituierten einen legalen Status gibt, die Freier aber unter Strafe stellt, eine Kompromisslösung sein? Was hält Mariska Majoor davon?

majoorEs bereitet mir wirklich Sorge, dass dieses Modell Sexarbeit legalisiert aber die Kunden bestraft, denn es wird die Prostituierten nicht davon abhalten, zu tun was sie tun. Denn sie möchten ihr Einkommen beschützen, und das bedeutet, dass sie die Freier beschützen.

Dieses Modell ermutigt die Sexarbeiterinnen also, in den Untergrund zu gehen, versteckt zu arbeiten, um die Kunden beschützen zu können. Sexarbeiterinnen ins Verdeckte zu drängen und sie unsichtbar zu machen, bedeutet aber dass es für sie gefährlicher wird. Dieses gesamte Modell bedeutet mehr Gefahren für die Sexarbeiterinnen, diejenigen also, die es eigentlich beschützen sollte. Es würde also genau den gegenteiligen Effekt haben.

Was hat Mary Honeyball dazu zu sagen?

honeyballIch bin mir nicht sicher, ob es wirklich so laufen würde. Wenn man solche Konzepte erstellt, ist es sehr schwer in die Zukunft zu schauen. Jeder hat eine andere Interpretation der Auswirkungen. Die Statistik, die ich immer zitiere, kommt von der schwedischen Polizei und sie sagt, dass Prostitution seit 1999 signifikant zurückgegangen ist, seitdem der Kauf von Sexdienstleistung unter Strafe gestellt wurde. Ich habe Menschen gesehen, die versuchen, gegen diese Statistik zu argumentieren, aber sie kommt von der schwedischen Polizei. Wenn man dieser nicht glaubt, welcher dann?

Ein weiteres Gegenargument wäre, dass Frauen nicht kriminalisiert werden. Die Männer werden kriminalisiert. Ich weiß also nicht, warum sich Frauen vor dem schwedischen Modell so fürchten. Denn sie begehen ja keine Form von Verbrechen. Eine andere Interpretation wäre also, dass es den Frauen wesentlich besser gehen wird, weil sie nicht, wie in anderen Ländern, kriminalisiert werden würden.

Sollte Prostitution in Europa legalisiert werden? Schreib uns, was du dazu denkst in einem Kommentar und wir fragen Europas Politiker, was sie zu sagen haben.



12 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst du?

  1. avatar
    Nicholas Fa

    Ich finde schon, es ist eine weitere einkommensmöglichkeit, muss natürlich dann auch versteuert werden. Der verbot wäre eine einschränkung der persönliche freiheit.

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    Christian Fischer

    Prostitution ist Europa legal. Lediglich einzelne Staaten sehen das nicht so. In sofern muss man da nichts „legalisieren“. Sondern lediglich die Sanktionierung in einzelnen Staaten abschaffen.

  3. avatar
    Sandy Müller

    Auf gar keinen Fall!!!

    Das schwedische Modell ist zumindest ein Anfang, unserer Gesellschaft klar zu machen, dass nicht alles auf der Welt käuflich ist. Niemand hat das Recht, seine persönlichen sexuellen Bedürfnisse durch Einkaufen und auf Kosten anderer unter Verletzung ihrer Würde und ihrer körperlichen und seelischen Unversehrtheit zu befriedigen. Da sich zu über 90 Prozent nur Frauen prostituieren und die Konsumenten in der Hauptsache Männer sind, handelt es sich noch immer nur um ein mittelalterliches Rollen- und Geschäftsmodell, bei der Frauen durch Männer dominiert und benutzt werden. Ein gleichberechtigtes und der Menschenwürde entsprechendes Miteinander findet hier nicht statt. Früher hatten Frauen keine Rechte und wurden nach Belieben von Männern oder auch anderen Frauen mit mehr Macht benutzt, und jetzt wird ihnen von genau denselben Kräften eingetrichtert, dass den eigenen Körper zur Befriedigung fremder Menschen zu verkaufen, eine berufliche Tätigkeit ist. Wann endlich begreifen Frauen, dass sie, um als gleichberechtigt anerkannt zu werden, aufhören müssen, sich anderen Menschen anzubieten. Auch nicht gegen Geld.
    Es findet eine regelrechte Gehirnwäsche statt, wenn Prostitution als Ausdruck der sexuellen Selbstbestimmung und freien Entfaltung der Persönlichkeit angepriesen wird und der Opferstatus als schwach und wehrlos verteufelt wird. Niemand will schwach und wehrlos sein, also will niemand Opfer sein, also behaupten Frauen, sie sind keine Opfer der Prostitution sondern handeln selbstbestimmt. Wie sollen sie da also rauskommen?!

    Besser ist daher absolutes Prostitutionsverbot und der Fokus auf gute Bildung für jede Einkommensschicht, soziale und finanzielle Unterstützung von Familien und Alleinerziehenden und eine aufgeklärte Gesellschaft, die diese Ungleichbehandlung von Männern und Frauen nicht länger duldet.

    Ein absolutes Prostitutionsverbot lässt keine ungeregelten Schattenseiten zu, in denen sich Menschenhändler tummeln können und weiterhin „Ware“ zur sexuellen Ausbeutung heranschaffen, weil es keinen Markt mehr dafür gibt.

    Es ist ein Prozess und ja, es wird nicht leicht und es wird dauern. Aber wenn man nicht anfängt, ändert sich nie etwas.

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    Raziel

    Ganz klar, sollte legal sein.
    Registriert als eigenes Unternehmen und damit auch Steuern, sowie Versicherung zahlen.
    Damit kommt gut Geld in die allgemeine Staatskasse und Ausbeutung ließe sich besser nachweisen.
    Erst Recht hilfreich wäre, wenn die Prostituierten Sozialversicherungspflichtig sind.
    Kriminalität bekämpft man am leichtesten , in der Mitte der Gesellschaft. (da wird es gesehen)

  5. avatar
    Hans

    Verbote bringen nichts, weiß jeder, mir Verbot wird das Millieu noch krimineller, Frauen nur noch ausgebeutet.
    .
    Bleibt nur der Wege einer vernünftig geregelten Legalisierung

  6. avatar
    Helen

    If a woman or man want to have sex for money it is their own decision. Nobody should be allowed to regulate what a person does to their own body.

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