christian_continent_DE

Einer der ersten Vorschläge für ein „geeintes Europa“ kam nicht etwa aus dem 20., sondern aus dem 15. Jahrhundert. Der böhmische König Georg von Podiebrad schlug damals ein Bündnis zwischen allen christlichen Nationen vor. Die Mitglieder sollten sich dazu verpflichten, Auseinandersetzungen friedlich zu lösen und ihre militärischen Kräfte gegen das osmanische Reich einzusetzen. Außerdem waren auch überstaatliche Institutionen und ein christliches Parlament vorgesehen.

„Europa“ war damals jedoch noch kein gängiger Begriff. Die Union wäre ein rein christlicher Verbund gewesen. Und er war als Bollwerk gegen „nicht-christliche“ Kräfte gedacht. Das lateinische Wort „Europa“ wurde damals von den Menschen kaum benutzt. Viel gebräuchlicher war der Begriff „Christianitas“ (Christenheit).

Historisch gesehen wurde Europa also als christlicher Kontinent betrachtet. Aber gilt das auch noch heute? Laut einer Eurobarometer Umfrage aus dem Jahr 2012 sehen sich 72% der Menschen in Europa als christlich, nur 23% behaupten, sie seien Atheisten oder Agnostiker (und 2% beschreiben sich als muslimisch, während weniger als 1% sich als Buddhisten, Sikh, Hindu oder Juden bezeichnen).

Trotzdem könnte man sagen, dass es in den letzten Jahrzehnten (wenn nicht sogar Jahrhunderten) einen Trend zu einem „weniger religiösen“ Europa gab. Todor sieht das etwas anders. Er schreibt: „Europa ist ein christlicher Kontinent, [weil] europäische Länder christlich sind…“

Um darauf eine Reaktion zu bekommen sprachen wir mit Ben Ryan, ein Forscher bei Theos, einem christlichen Think Tank, der in den Bereichen Religion, Politik und Gesellschaft arbeitet. Ist Europa ein christlicher Kontinent?

ben-ryanJa, Europa ist ein christlicher Kontinent. Aber er ist nicht nur christlich, und das ist sehr wichtig. Es ist ein christlicher Kontinent, aber es ist auch ein „griechischer“ Kontinent, es ist auch ein demokratischer Kontinent. Der Raum den wir „Europa“ nennen ist nicht wirklich ein geographisches Ding, es gibt keine echten Grenzen für Europa, geographisch gesehen. Es gibt Inseln vor der Küste und keine klaren Grenzen nach Osten.

Was Europa stattdessen definiert, ist kultureller und intellektueller Natur. Ein Raum, der dadurch definiert wird, was davor war. Er ist beeinflusst durch das Christentum und durch die griechische Philosophie, und durch eine Reihe anderer Bewegungen. Es ist also ein Fehler zu glauben, dass wir ein richtiger Kontinent sind. Es gibt nicht so etwas wie das „geographische Europa“, es kann nur als intellektueller Raum gesehen werden.

Um auch eine andere Reaktion zu kriegen, sprachen wir mit Peter Margry, Professor für Europäische Ethnologie an der Universität von Amsterdam. Er meint, dass Europa historisch betrachtet, als christlicher Kontinent gesehen werden kann, aber dass diese Bezeichnung heute nicht mehr unbedingt passt:

Wir haben auch einen Kommentar von Bastian bekommen. Bastian liegt von Professor Margrys Meinung gar nicht so weit entfernt. Auch er glaubt, dass Europa zunehmend säkularer wird, mit mehr und mehr Atheisten, Agnostikern, Humanisten etc. Wie würde Ben Ryan darauf antworten?

ben-ryanIch denke, es ist falsch zu glauben, dass Europa weniger christlich wird, nur weil es zunehmend säkularer wird. Der Akademiker Emmanuel Levinas sagte: „Europa ist die Bibel und die Griechen.“ In anderen Worten: Europas intellektueller Raum ist seine Geschichte, die eng mit der griechischen Philosophie, dem römischen Reich und natürlich mit dem Christentum verbunden ist. Dinge, die einen enormen Einfluss auf Kultur und Politik hatten, quasi auf alles, was wir heute „Europa“ nennen würden.

Das Christentum wird also immer da sein. Europa ist darin eingebettet. Sogar die Form des heutigen Säkularismus ist sozusagen ein christlicher Säkularismus und diese Tatsache wird nicht einfach so verschwinden. [Europa] wird also nicht ein „nicht-christlicher“ Ort werden, nur weil die Menschen nicht länger Christen sind. Europa beinhaltet sozusagen das Christentum.

Ist Europa ein christlicher Kontinent? Oder ist es zunehmend ein säkularer Kontinent und Heimat von einer Vielzahl anderer Religionen? Ist die christliche Identität wirklich „eingebettet“ in Europa? Teile deine Gedanken mit uns und wir hören uns an, was Europas Entscheidungsträger zu sagen haben.

FOTO: CC / Flickr – Stefano Mortellaro


51 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst du?

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      Raziel Nihilesta

      Stimmt… Imagine Freunde, Mönchhausensyndrom und Halluzinationen lassen sich zum Glück mittlerweile ärztlich behandeln. :p

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      Raziel Nihilesta

      Mittlerweile selbst ernannter Gottkönig.
      Sogar mit staatlich eingetragenen Jüngern. :p

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    Holleman Wiberg

    Kommt drauf an, zu welchem Zeitpunkt man Europa betrachtet und wie groß man Europa wählt. Wenn man Mal so an’s osmanische Reich denkt, …

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      Krisztina Juhasz

      ja, aber das osmanische Reich blieb auch nicht lang , die haben die Menschen eher gefärbt, aber nicht geändert.

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      Holleman Wiberg

      Wie man’s nimmt. Ein Recht großer Teil des Balkans, zu dem sich das OR erstreckte, ist nach wie vor muslimisch geprägt.

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      Krisztina Juhasz

      Holleman Wiberg ,

      geprägt, aber Kern Europa blieb überwiegend christlich.

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      Krisztina Juhasz

      egal wasfür Kontinent es wird,
      wenn wir in Frieden und Glücklichsein leben können, dann ist es egal.

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      Udo Rosenkranz

      Nachdem der Kapitalismus in die heutigen Kapital gestuetzten Kirchen eingezogen ist sind die Kirchen keine Organisacion auf Christlichen Grundlagen mehr !

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      Thomas Goppel

      Die Türkei ist das Beste Beispiel. Ein Witz was sich die deutsche Bundesregierung alles gefallen lässt. Die sollen mal die ganzen finanziellen Hilfen einstellen. Herr Erdowahn lacht die deutsche Politik doch nur aus!

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      Franz Josef Manderfeld

      Krisztina Juhasz Naive und blauäugige Menschen, werden uns in den Abgrund stürzen!!

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    Angeli Shah

    Christlich diktatorisch?
    Christus ist scheinbar in Bremen oder Leipzig geboren…

    Christus s ErwähnSprache ist lateinisch Latein
    … ergo … Damals existierte schon Mittelmeerroute

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      Angeli Shah

      Jenner …ä ne jenseits, zu damaligen Zeit ging es schon um lukrative Gewinne… Arabischer Händler … später wurden‘ s dann CHRISTEN vielleicht durch jüdische Freundschaften… Zweckfreundschaften(worst case scenario)

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      Bernd Weimann

      Christus Sprache war wohl aramäisch …nicht lateinisch….

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      Angeli Shah

      danke für das update…aber die sprache, der sich die kirche im namen christi bedient ist latein.
      Man kann auch sagen, dass die kirche den heiligen nikolaus angeeignet hat… Oder es als blasphemisch abtun…sind nur anekdoten

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      Angeli Shah

      Der ehmals wohl eher viel götter arabische händler hat erst den ganzen gewinn machen wollen, erhob zölle, daraufhin wurde der seeweg rund um die welt ins leben gerufen, und diesmal schloss man den aus, der zuerst wohl im alleingang wohl gewinne machen wollte… Es geht nicht nur um schuldfragen

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    Deniz Celik

    Selbst wenn,offenheit sollte ein wichtigeres thema sein als religion oder herkunft

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    Sina Koch

    Also ich kann darauf sehr schwer antworten. Wenn man die Sache genau betrachtet , kann man eh vom Glauben abfallen.

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    Franka Laeven

    An Europa kann nichts christlich sein … Wenn man bedenkt, wieviele Waffen und Kriegsinstrumente Europa verkauft … Für das Töten von Menschen, sogar Kindern (!) auf anderen und dem eigenen Kontinent! Solange Europa das zulässt, ist hier nichts christlich!

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    Franz Müller

    Bei manchen die sich als Christ bezeichnen fehlt es an christlicher Nächstenliebe.
    Und haltet auch die andere Wange hin.

    Alle drei Religionen stammen voneinander ab (Die nur an einen Gott glauben und nicht an Götter)
    Der älteste Glaube ist das Judentum ca 3000 Jahre alt, daraus entstammte das Christentum und ja 610 Jahre nach Christus würde der lslam gegründet.

    Alle drei Glaubensrichtungen
    Sollten über ihre unterschiede und auch Gemeinsamkeiten miteinander reden.

    Und nicht wie viele fehlgeleitete Menschen sich gegenseitig auf die Köpfe zu hauen.
    ( ich weiß, Köpfe hauen, ist untertrieben )

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      Mustafa Kanbur

      Ein wunder das ihre schreiben nicht kritisiert worden ist

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    Erna Götze

    Europa ist von der christlichen Kultur ,die in der Religion ihren Ursprung hat geprägt.Muslime verfälschen diese Kultur und bekämpfen sie auch in einigen Gebieten.Der Islam gehört nicht zu Europa und deshalb sollten Muslime besser in Länder ihrer Religionsbrüder leben,oder unsetre Kultr akzeptieren und sich ihr unterordnen.

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      Emmo Tevkliss

      Unsere Kultur ist seit der Aufklärung, daß jeder nach seiner Fasson selig werden werden darf, ob als Christ, Moslem, Buddhist oder sonst etwas. Das hat, auch 200 Jahre nach dem Tod Gottes, noch nicht jeder verstanden. Aber wir tolerieren auch die Unverständigen, solange sie ihren Kult privat praktizieren und andere nicht belästigen.

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      Votan Wahnwitz

      Also ich habe nichts mit ihrem Christentum am Hut!

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      Bernd Weimann

      Es soll 2000 Jahr her sein Emmo Tevkliss…

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      Bernd Weimann

      Der Tod Gottes, bzw. seines Sohnes….

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      Emmo Tevkliss

      Zwischen Vater und Sohn sollte man schon noch unterscheiden!

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      Heinz Müller

      Nach der trinitätslehre sind Vater, Sohn und heiliger Geist ohnehin 3 Aspekte des einen Gottes.
      Gott hat also sich selbst losgeschickt um eine verheiratete Frau zu schwängern, die ihn selbst zur Welt bringen soll.
      Er Opfert dann in seinem eigenen Namen sein Leben (oder besser sein Wochenende, da er unsterblich ist und 3 Tage später zurück kommt) um uns die Sünden zu vergeben, die er uns zuvor, trotz seiner Allmacht hat begehen lassen….christliche Theologie ist so ein Schwachsinn….

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    Bernd Weimann

    Alle Götter und die Bücher über sie sind menschengemacht….Mit F II. Jedem nach seiner Fasson. + Religion ist Privatsache !

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    Uwe Wünsch

    Alleine die Amtskirche hat hierzu eine wenig ruhmreiche Geschichte. Vom Bruch ihrer eigenen Gebote, nebst der Macht eigener Gesetzgebung gar nicht zu reden. Menschlichkeit hat mit Kirche und Glauben aber auch gar nichts zu tun

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    Holger Wnuck

    Unsere Werte basieren zwar auf Christlichen Werten, allerdings sollte die Säkularisation wieder mehr in den Vordergrund rücken. Denn noch viel wichtiger sind die Werte der Aufklärung. Und wenn man schon eine Leitkulturdebatte führen möchte, dann sollte man von einer mitteleuropäischen Leitkultur reden!

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