Die Olympischen Winterspiele vom 9. bis 25. Februar 2018 werden in der südkoreanischen Stadt Pyeongchang stattfinden, nur 90 Kilometer entfernt von Nordkorea. Als würde dieser Umstand nicht schon für genug Spannung im Vorfeld der Spiele sorgen, spielt sich um die russischen Athleten ein ganz anderes Drama ab. Über den Sport wird jedenfalls nicht mehr diskutiert.

Kann man eine Kollektivstrafe für Doping verhängen? Unser Rechtssystem lässt nur individuelle Schuld zu, niemand kann beispielsweise für die Taten seiner Verwandten in Sippenhaft genommen werden. Dennoch verhängte das Olympische Komitee (IOC) eine Strafe für ein ganzes Land. Bei den Winterspielen in Sotchi vor vier Jahren soll Russland ein staatliches Dopingsystem eingesetzt haben, wobei der Geheimdienst positive Proben von Sportlern verschwinden hat lassen soll. Ohne Proben kann den einzelnen Athleten jetzt kaum noch etwas nachgewiesen werden. Haben sie also von einem Betrug profitiert oder gilt die Unschuldsvermutung?

Als Konsequenz darf ein ganzes Land nicht an Olympia teilnehmen und zahlreiche Sportler erhielten eine lebenslange Sperre. Dagegen gingen einige Sportler erfolgreich vor. Eine Einladung der nachträglich freigesprochenen Sportler lehnte das IOC jedoch ab, da das Komitee die Dopingvorwürfe nach wie vor für berechtigt hält. Es gilt lediglich die Einladung für 169 Sportler aus Russland unter neutraler Flagge und ohne Hymne – aber nicht für ihr Heimatland Russland – in Südkorea anzutreten. War das eine gute Lösung?

Unser Leser Matej sieht die Olympischen Spiele sowieso nur noch als Schwindel. Das kann man angesichts der Dopingvorwürfe, die inzwischen jedes Sportereignis begleiten, schon nachvollziehen. Was ist dagegen zu tun? Sollte Russland mit seinen Athleten komplett von den Spielen ausgeschlossen werden?

Wir haben den Europaabgeordneten Bogdan Wenta gefragt. Er war vor seiner Karriere als Politiker Handballnationalspieler und Trainer in Polen und Deutschland. Wie schätzt er Matejs Kommentar ein?

Sollten russische Sportler für Olympia gesperrt werden? Doping und politische Spannungen bestimmen die Berichterstattung über die Spiele. Was ist von der Olympischen Idee übrig geblieben? Wer berichtet noch über die Völkerverbindung, die sportlichen Wettkämpfe und das gemeinsame Fest? Erreichen wir das mit Sperren? Was denkt ihr?

Foto: cc/ Russischer Kreml



7 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst du?

  1. Ingo

    die Idee war ja mal ganz gut. Leider was daraus geworden ist, hat für mich folgendes Fazit: Ich schaue kein Olympia, weder Winter noch Sommerspiele und auch keinen Fußball mehr. Es ist durch korrupte Führung, Machtgier und Doping nur noch verkommen. Der einzelne Sportler ist nichts mehr wert, wenn er sich nicht den Zwängen wie zum Beispiel Doping unterwirft. Und da ist es Wurscht ob Russland, USA, China, ja und auch Deutschland gesperrt werden müssten!

  2. Beatrix

    Ich glaube alles was Funktionäre beinhaltet, verkommt irgendwann zum Sumpf.

  3. Jens

    Deutsche Doppelmoral vom feinsten.
    Gerade ARD und ZDF “bekämpfen“ das böse Doping.
    Aber für die Einschaltquoten verlangen sie ständig höher, weiter, schneller von den Athleten.
    Wenn das auf herkömmlichen Weg nicht mehr geht, wird über die bösen Doping Sünder hergefallen.
    Und der böse Russe betrügt ja von Grund auf, auch wenn es oft keine Beweise gibt. Und ganz vorn die Jean d’Arc des Doping Kampfes Hajo Seppelt.
    Deutsches Doping wird nicht oder halbherzig aufgeklärt (Uni Freiburg), weil nicht sein kann was nicht sein darf.

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