Sex sells! Die Werbung nutzt Stereotype von Frauen und Männern um Produkte zu verkaufen. Dabei sind Frauen oft stille Dekoration, während Männer zu dusselig für das Bedienen der Waschmaschine sind. Einige Regionen in Europa und Deutschland sind jetzt aktiv geworden, so verbietet beispielsweise der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg in Berlin sexistische Werbung auf seinen Reklameflächen. Aber wo liegen die Grenzen zwischen schlechtem Geschmack und offenem Sexismus und wem schadet Sexismus in der Werbung?

Sicher ist, dass Werbung allgegenwärtig ist, wir begegnen ihr im Stadtbild, beim Fernsehen, in Zeitschriften und online. Da wir die Reklame kaum mehr wahrnehmen, geht es um Aufmerksamkeit, die vor allem nackte Körper erregen können. Aber wie viel Provokation ist erlaubt? Darüber entscheidet im Zweifelsfall der Deutsche Werberat. Beschwerden über Werbung werden hier geprüft und die verantwortliche Firma gerügt. Daraufhin wird die Werbung meist zurückgezogen – das geschieht allerdings freiwillig.

Der Britische Werberat will sexistische Werbung verbieten. Er gab eine Studie über die Folgen der stereotypen Geschlechterrollen von Kampagnen in Auftrag, die zu dem Schluss kam, dass vor allem Kinder die gezeigten Rollenbilder verinnerlichen. Werbung, in der Frauen allein für den Haushalt zuständig sind während der Mann daran scheitert, soll verboten werden. Dann geht es nicht mehr nur um Sexismus sondern auch Stereotype. Kann Großbritanniens Beispiel in Europa Schule machen?

Wir bekamen einen Kommentar von unserem Leser Ben zu dem Thema: „Emanzipation bedeutet doch nicht, dass man bei fast jeder Joghurtwerbung eine nackte Frau als Sexobjekt  haben muss. Das zeigt nur, welchen  Stellenwert die Frau in unserer Gesellschaft hat. Statt ihrer Kompetenzen, ihren Intellekt im Blick zu halten, wird sie eher auf Ihr Geschlecht reduziert.“

Für eine Reaktion auf Bens Kommentar fragten wir bei der geschäftsführenden Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) nach. Ist sie von einem Sexismusverbot in Werbung überzeugt?

Es muss endlich aufhören, dass Frauen in der Werbung zum reinen Sexobjekt reduziert werden, mit dem man seine Produkte besser verkaufen kann. Deswegen wollten wir auch ein entsprechendes Verbot sexistischer Werbung durchsetzen. Leider war das mit unserem Koalitionspartner nicht machbar. Das Frauenbild in einer Gesellschaft prägt auch immer das Verhalten der Menschen untereinander. Deswegen ist es wichtig, dass Frauen gerade in der Werbung würdevoll behandelt werden. Es geht uns nicht darum zu verbieten, dass Frauenkörper gezeigt werden – etwa bei Werbung für Unterwäsche oder Duschgel. Der alleinige Grundsatz „sex sells“ mit dem alles Mögliche beworben wird ist aber sexistisch und erniedrigend für alle Frauen.

Für eine weitere Meinung fragten wir bei der Journalistin Birgit Kelle nach. Sie setzt sich in ihren Artikeln und Büchern für ein positives Image traditioneller Frauenbilder ein. Glaubt sie, dass ein Verbot sexistischer Werbung den Stellenwert der Frau verbessern kann?

Nein, das glaube ich grundsätzlich nicht. Wir können uns weder in Deutschland noch europaweit darauf einigen, was denn sexistische Werbung ist. Wir sehen in der Debatte, dass Sexismus ganz unterschiedlich ausgelegt wird. Wenn wir Dinge verbieten wollten, müssten wir sie zuerst eingrenzen. Was sexistisch ist, was einfach nur witzig ist, was vielleicht freizügig ist aber noch nicht sexistisch, da gehen die Meinungen und Definitionen weit auseinander. Ich glaube, dass wir hier eher mit gesundem Menschenverstand weiterkommen. Im Zweifelsfall haben wir einen nationalen Werberat, der sich mit den grenzwertigen Fällen beschäftigt und eine Entscheidung trifft. Ich tue mich schwer damit, dass ein Beamter in seinem Amt allein entscheiden soll, welche Werbung im öffentlichen Raum gesehen werden darf und welche nicht.

Abschließend stellten wir Frau Dr. Stevie Schmiedel Bens Frage. Die Geschäftsführerin der  Nichtregierungsorganisation Pinkstinks organisiert regelmäßig Kampagnen gegen Werbung mit eingrenzenden Geschlechterrollen. Würde sie ein Verbot unterstützen?

Ich glaube auf jeden Fall, dass ein Verbot sexistischer Werbung den Stellenwert der Frau verbessern kann. Die Frage ist, ob wir solch ein Verbot brauchen oder ob es nicht auch andere Wege gibt, die Gesellschaft zu sensibilisieren. Pinkstinks hat zum Beispiel mit dem Bundesfamilienministerium die App Werbermelder*in gestartet, mit der man sexistische Werbung melden kann, dann wird sie von uns überprüft und gegebenenfalls als sexistisch oder stereotyp eingeordnet. Dann bieten wir auch Sensibilisierungsmaßnahmen in Form von Bildungsmaterialien, Beratungen und Material an, um über Sexismus ins Gespräch zu kommen. Damit Unternehmen nicht mehr länger den Joghurt, den Angelhaken und das Hundefutter neben die nackte Frau stellen.

Sollte Sexismus in Werbung verboten werden? Brauchen wir ein Verbot, mehr Sensibilisierung oder ist das einfach eine Frage des Geschmacks? Schreibt uns eure Ideen und wir fragen nach!

Foto: Flickr/ cc – m.p.3.

Portraits: c Steffen Kugler (Barley), c Kerstin Pukall (Kelle), c Yvonne Schmedemann (Schmiedel)



30 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst du?

  1. Thorsten Kann

    Ich vergleichs mal mit „youNow“, Da gibts Leute, die völligst langweilig sind, aber eben ihre Brüste, bzw Muskeln spielen lassen. Nach einiger Zeit klicke ich schon *rollEyes* direkt weiter, ohne mich wirklich dafür zu interessieren.

    • Josef Besel

      Die Diskussion ist doch schon uralt seit den späten Sechziger. Es fing doch mit den bunten Boulevardblättchen Neue Revue; Quick usw. an ! Wer damals was dagegen hatte galt als Dekadent und als Spießer ! Weiß nur nicht genau ob es den Absatzmarkt überhaupt nachhaltig beeinflusst hat !

  2. Ursula Prem

    Ich finde das ganze Thema höchst überflüssig, da Sexismus immer im Auge des Betrachters liegt und Undefinierbares immer die Tendenz hat, sich auszuweiten. Wo ein Verbot heute sinnvoll scheint, um bestimmte nachvollziehbare Einzelfälle abzustellen, wird es bereits morgen nur noch der Zensur dienen. Auch wenn Sexismus im konkreten Fall noch so ärgerlich sein mag, wie zum Beispiel die pinkfarbene Katjes-Werbung mit der Kopftuchfrau, so sollte die Einordnung doch dem Konsumenten überlassen bleiben, der solchen Kram dann irgendwann einfach nicht mehr kauft.

  3. Martin Skorny

    Gegenfrage: Sollte nicht vielmehr das Diktat der Political Correctness verboten werden, dass in jedem und allem potentiellen Sexismus vermutet.

  4. Adrian Berggrün

    Ich würde sagen, das Anstand, Sitte und Stil wieder einen höheren Stellenwert bekommen sollten. Dann würden sich viele Probleme von allein erledigen. Aber hier wüten Kulturmarxisten. Diese Debatte ist und bleibt nur eine Scheindebatte, die der Ablenkung von wirklichen Problemem dient.

  5. Elajah Till

    Was sollte an dem Cover sexistisch sein, es sind sowohl Männer als auch eine Frau zusehen.

    • Matze Stein

      Der Autor scheint Sexismus mit Sexualität (falls man das Bild reizvoll findet) zu verwechseln.

    • Elajah Till

      Es ist nur eine Bier Werbung 😂🤷‍♂️

    • David Peifer

      Ich glaube ebenfalls das viele Menschen den Unterschied zwischen Sexualität und Sexismus nicht kennen. Auf dem Bild sieht man lediglich drei nackte Hintern. Hier wird keine Frau und kein Mann unterdrückt und somit ist es auch kein Sexismus.

  6. Serban Precup

    Gegenfrage
    Warum soll man nicht wieder non-gender-neutral Worter benutzen?
    Ladies and Gentlemen kling besser als political correctness
    #LondonmetroPCculture

  7. Phillip Thern

    Wenn die dargestellte Werbung sexistisch ist, dann weiß ich auch nicht…. Da sieht man ein paar blanke Ärsche, und das mag ja ein bisschen anregend sein, aber wenn es Sittenwidrig wäre, würden wir das in der Öffentlichkeit nicht sehen – Sittsamkeit ist in Deutschland mitnichten abgeschafft. Sexismus ist, wenn z.B. Bügeleisen und Bratpfannen gezielt an Frauen vermarktet werden, Sexualisierung der Werbung ist etwas anderes (siehe die Werbung mit ‚wie das prickelt in meine Bauchnabel‘)

  8. Sebastian Reinke

    Mit welcher Legitimation? Es handelt sich um den offensichtlichsten Fall freier Sprache. Ganz abgesehen davon, dass der Begriff „sexistisch“ zu einem inhaltslosen, ideologischen Kampfbegriff verkommt.

  9. Hans Gernand

    Ich bin den ganzen Tag von Arschlöchern umgeben, da machen ein paar Ärsche mehr oder weniger nichts aus!

  10. David

    Ein Verbot könnte ausgesprochen werden wenn es um den Schutz der Bevölkerung geht (v.a. Kinder denke ich). Die müsste abe mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung abgewogen werden.
    Dass ein Verbot auf jeden Fall machbar und möglich ist sieht man an Tabakwerbung. Dass es manchmal nur schwer durchzusetzen ist allerdings auch, an Alkoholwerbung.

  11. Sharky Steinmann

    Also ich empfinde jetzt vor allem in der Konstellation des gewählten Bildes das Thema echt dämlich… Wenn dazu auch noch im Zusammenhang die Kommentare der Personen im Artikel gewählt wurden erinnert mich das ganze immer ein bisschen an: Das ist Barbie, sie vermittelt ein komplett falsches weltbild und Schönheits Ideal für junge Mädchen! Und das ist einfach nur Heman….

  12. Constanze

    Das obige Bild finde ich auch schlecht gewählt, denn da zwei Männerärsche und ein Frauenarsch zu sehen sind, vermittelt es den Eindruck, es gehe bei sexualisierter Werbung gleichberechtigt zu (d.h. keines der Geschlechter wird eher als Sexualobjekt propagiert, sondern beide gleich viel / wenig). Das ist aber nicht der Fall. Tausende von Produkten werden zumeist mit Bildern halb/nackter Frauen beworben, egal, ob oder inwiefern ein solches Bild zum Thema passt (Beispiele hier: http://bit.ly/2nB540t). Deshalb haben wir hier schon einmal ein klares Ungleichgewicht zuungunsten der Frau, deren Körper regelmäßig als Objekt präsentiert wird. Wenn diese Plakate dann ständig in der Stadt hängen, in Zeitschriften auftauchen, im Fernsehen gezeigt werden, gewöhnen sich die Menschen, ob Männer oder Frauen oder Kinder, einfach daran, dass es normal ist, ständig von halbnackten Frauenkörpern umgeben zu sein, während dies bei Männerkörpern nicht (zumindest nicht in diesem Ausmaß) der Fall ist. Mädchen lernen dadurch, dass es auch für sie normal sein wird, sich so darzustellen bzw. dass es von ihnen erwartet wird, während Jungen diesen Anspruch erheben – Mädchen und Frauen haben sich „sexy“ für sie darzustellen. Genau dadurch werden Missstände und die Objektifizierung von überwiegend Frauen weiterhin aufrechterhalten. Deshalb halte ich ein Werbeverbot nackter Menschenkörper bei klar fehlender Relevanz für das Produkt (bei Badeanzugwerbung etc. ist es natürlich was anderes) für absolut gerechtfertigt, damit wir endlich einen Schritt weiterkommen.

  13. Thomas W.

    Sexismus und Sexy sind nicht dass gleiche.

    Mein Gefühl ist, dass eigentlich gegen Attraktivität vorgegangen werden soll. Die drei Hintern auf dem Poster sind genau so, wie die meisten Deutschen ihn nicht haben: trainiert.

    Ich bin dafür, dass nur noch käseweiße, schlaffe und hängenende Hintern gezeigt werden dürfen.

    First World Problems..

  14. Jörg

    Alles was schön ist, aber nicht schön sein darf, wird in den Sog unsäglicher, hysterischer Sexismus-Debatten getrieben.
    Das Problem ist nicht natürliche Schönheit und wie man mit ihr umgeht/mit ihr arbeitet, sondern das darin benachteiligte Frauen den Kampf heutzutage darin sehen soziale Konditionierungen zu verunglimpfen um ihr Schicksal nicht annehmen zu müssen.

    Wer in jedem Wort, jedem Text und jedem Bild Sexismus sieht und verbieten will, sollte dabei erklären das Verkaufsmechanismen und Produktwerbung über innere Instinkte, Bedürfnissweckung und Wünschen funktionieren. Wer das nun unterbinden will hat zu verantworten das Wirtschaft und Finanz ganz sicher nicht die Kosten dafür zahlen, sondern das dies über Löhne und Preise passiert.

    Und das nur weil ein paar hässliche Zeitgenossen mit ihrem Schicksal nicht klarkommen? Und angebl. seit jahrzenten emanzipierte Frauen nicht in der Lage sind Männern ihre zwischenmenschl. Grenzen im Alltag zu setzen?
    Aus Angst vor was? Karriereende? Missgunst?
    Liebe Frauen, schon mal was von Konsequenzen und Überzeugung gehört? Das eine was ich will, das andere was ich kann. Hat das ganze Emanzipations-Theater zu nicht mehr wie Quotenregelungen, Aufschreien und Hysterie geführt?
    Maskuline Frauen gibt es auch, wo ist das Problem? Feminine Männer auch? Und, nun?
    Achja, der große, feuchte Traum von geschlechtslosen Einheitsmenschen aus Klonfabriken wäre da noch, als Ziel dieser absurden Debatte.

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