Erst wurde er belächelt, dann hat er gewonnen: Als Donald Trump letztes Jahr zum US-Präsidenten gewählt wurde, waren Menschen weltweit fassungslos. Wie konnte dieser ehemalige Immobilienunternehmer mit Hang zum Showbusiness und Twitter zum mächtigsten Mann der Welt werden? Die Antwort auf diese Frage war schnell gefunden. Verschiedene Veröffentlichungen von Forbes, der New York Times oder dem Schweizer „Magazin“ deuteten auf die unglaubliche Kraft der Sozialen Medien hin, die Trump ins Amt gewuchtet haben soll.

Doch stimmt das? Können soziale Medien wirklich Wahlen beeinflussen oder sie sogar gewinnen?  Und könnte das auch in Europa passieren, zum Beispiel bei den kommenden Bundestagswahlen? Das Reuters Institute for the Study of Journalism an der University of Oxford hat vor Monaten seinen Digital News Report für das Jahr 2016 vorgelegt. Der wichtigste Fund der Studie: Die Hälfte aller Befragten bezieht Nachrichten inzwischen über soziale Netzwerke (51 Prozent). Und das kann aus verschiedenen Gründen problematisch sein.

Denn das Netz und insbesondere die sozialen Netzwerke sind voll von Meinungsroboter, Filterblasen und viralen Fake News. Es wird immer weniger wichtig, welchen Wert eine Information hat und von welcher Quelle sie stammt. Falschmeldungen aus Mazedonien haben vor der US-Wahl teilweise mehr Klicks bekommen als seriöse Nachrichten. Filterblasen verhindern jegliche Konfrontation mit anderen Meinungen. Und Social Bots gaukeln uns Unterstützung für Politiker vor, die gar nicht existiert.

Willst du mehr über soziale Medien und Social Bots erfahren? Klicke auf unsere Infographik, wir haben ein paar interessante Fakten zusammengestellt:

Auch unsere Leser haben unterschiedlichste Meinungen zu sozialen Medien. Ferdinand hat einen Kommentar geschrieben und er findet, dass Menschen zu viel über soziale Medien kommunizieren. Welche Auswirkungen hat das auf uns? Und könnten dadurch auch Wahlen beeinflusst werden?

Auf diese Frage wollten wir eine Antwort finden und sprachen zunächst mit Dr. Ralf Melzer, der bei der Friedrich-Ebert-Stiftung das Projekt „Gegen Rechtsextremismus“ leitet. Was sagt er dazu?

Ja, soziale Medien können Wahlen beeinflussen, da es immer mehr Menschen gibt, die sich nicht nur ausschließlich über das Internet informieren, sondern ihre Informationen fast ausschließlich über soziale Medien beziehen. Die beengte Informationsbeschaffung ist das eine Problem. Das andere Problem ist die berühmte Filterblase. Sie drückt aus, dass sich unser Informationsverhalten in den letzten Jahren massiv verändert hat. Das Problematische daran ist, dass durch soziale Medien und die Algorithmen, Menschen nur noch mit Menschen kommunizieren, die ihre Meinung teilen. Und innerhalb von Peer-Groups können sich Meinungen radikalisieren. Menschen werden immer weniger mit anderen Meinungen konfrontiert oder dazu angeregt, sich in andere Meinungen hinein zu denken. Das heißt, es fehlt mehr und mehr die großen Bühnen für Debatten […] Diese Abkapselung von Kommunikation in einzelne Filterblasen ist problematisch und wird zwangsläufig auch Wahlen zukünftig beeinflussen…

Die gleiche Frage haben wir auch Nicola Beer gestellt, Generalsekretärin der FDP. Was sagt sie zum Einfluss der sozialen Medien auf Wahlen?

Sicher haben die sozialen Medien Einfluss auf politische Entscheidungen, natürlich auch beim Bürger. Aber es gab auch vorher immer schon manipulierte Nachrichten und Leute, die ihnen Glauben schenken. Erhöht hat sich die Zahl der Kanäle für die Verbreitung gefälschter Nachrichten, ihre Anzahl und die Umlaufgeschwindigkeit. Wie schon immer braucht es den mündigen, aufgeklärten, kritischen Bürger, der die Nachrichten genau prüft und skeptisch bleibt. Das bietet auch Chancen für klassische Medien wie z.B. die Zeitungen, weil es doch ein Unterschied ist, ob auf einer x-beliebigen Internetseite Nachrichten verbreitet werden oder von professionellen Journalisten. Dazu muss bei Verlagen und Sendern jedoch in Qualitätsjournalismus und Nachwuchsförderung investiert werden. Also fundierte Recherche, klare Trennung von Kommentar und Berichterstattung statt immer schneller immer mehr Texte, teilweise mit gezielter politischer Einflussnahme.

Ein weiterer Kommentar kam von Milo. Er findet, dass es Fake News schon immer gab. Doch durch das Internet werden sie schneller verbreitet. Was könnte man dagegen tun? Diese Frage haben wir Ralf Melzer gestellt.

Das ist natürlich eine große Frage. Erstens ist es richtig, was Milo sagt: Es gab auch schon vorher Fake News, in der gesamten Geschichte von Medien und Kommunikation […] Doch durch die sozialen Medien hat sich das Potential vervielfältigt. Auch die Hemmschwelle, sich auf diese Art und Weise zu äußern, ist niedriger…

Was man dagegen tun kann? Das ist eine gute Frage und ich glaube es gibt dagegen kein Patentrezept. Erst einmal ist es wichtig, dass man etwas dagegen tut und nicht sagt, das Internet ist ein Ort, an dem alle machen können, was sie wollen […] Man muss etwas tun. Man muss, glaube ich, was ja jetzt von Justizminister Heiko Maas initiiert wird,  Druck ausüben auf Firmen wie Facebook. Sie müssen dafür sorgen, dass Hassbotschaften möglichst schnell gelöscht werden. Ich glaube wir müssen ein gesellschaftliches Bewusstsein dafür entwickeln, dass das nicht akzeptabel ist. Und darüber hinaus glaube ich, dass Faktenchecks und ähnliches wichtig sind. Man muss Fake News aufdecken und bekannt machen. Das ist sicherlich Sisyphusarbeit, aber man muss es machen.

Zuletzt haben wir auch einen Kommentar von Mirko bekommen. Er glaubt, dass die AfD  Fake News und Social Bots im Wahlkampf benutzen wird. Vor allem die Rechtspopulisten, in Amerika und Europa, sollen verstanden haben, wie man Social Media zum eigenen Nutzen einsetzt. In Deutschland haben die etablierten Parteien den Einsatz von Social Bots ausgeschlossen. Auch die AfD hat das letztes Jahr im Oktober versprochen. Doch laut Medienberichten gibt es im Umfeld der Partei mehrere Bot-Netzwerke, die Wahlwerbung machen. Wir wollten das von der AfD selbst hören und trafen Beatrix von Storch, stellvertretende Bundesvorsitzende der AfD und Abgeordnete im EU-Parlament.

Können soziale Medien Wahlen beeinflussen? Könnte das auch dieses Jahr bei Wahlen in Europa oder bei den Bundestagswahlen passieren? Werden vor allem die Rechtspopulisten davon profitieren? Oder wird die Macht des Internets hier überschätzt? Schreib uns deine Meinung und wir bringen sie zu Europas Experten und Politiker.

FOTO: CC / Flickr – Anders Henrikson



23 Kommentare Schreib einen KommentarKommentare

Was denkst du?

  1. Ralf Peter

    Würde die Presse die Wahrheit berichten,hätten die alten Parteien jeweils nur 5 %

    • Marcel Geveler

      Würde die Presse die Wahrheit berichten würde keiner mehr zur Wahl gehen ;)

  2. Daniel Kottwitz

    Präsident Trump hätte ohne die Hetzkampagne gegen ihn noch viel höher gewonnen, er hat in Amerika wie wir hier in Deutschland die aggressiven Lügenmedien

  3. Enrico Schwipp

    Natürlich und das wird schon 2 Jahre hier angekurbelt mit berichten über den zweiten Weltkrieg !

  4. Marcus Cyron

    Soziale Medien auf Fake News und Social Bots zu reduzieren… – der einfache Weg der Ewig Gestrigen.

  5. Damien-Patrick Neu

    Schulz sein astro turf zB.ist bot mäßig
    und der konsequente falschgebrauch des Begriffes Flüchtling macht eigentlich die etablierten Medien zu fakenews

  6. Michael Thullen

    Er Twitter was er Denkt. Sagen Medien wirklich die Wahrheit. Recherchieren Sie. Sind Medien Objektiv.

  7. Wolfgang Press

    Intelligente Menschen lassen sich nicht beeinflussen. Die informieren sich aus dem Umfangreichen Angebot und bilden sich ihre Meinung.

  8. Uwe Long

    Die Medien manipulieren die öffentliche Meinung. Sie sind das Sprachrohr der Regierung. Es hat eine gleich Schaltung der Mainstream Medien statt gefunden. Um so wichtiger ist eine Information der Bürger durch unabhängige Medien aus dem Internet.

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